IWB
Wohneigentümer sind verärgert: IWB verlangen Ersetzung von Gasherden

Die IWB verägern mit einem forsch formulierten Schreiben tausende Wohnungseigentümer. 15 000 sollen zwingend einen neuen Gasherd mit Zündsicherung beschaffen. Das ist nicht nur teuer, sondern schafft auch weitere Probleme.

Stefan Schuppli
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Lukas N. (Name der Redaktion bekannt) ärgert sich noch immer. «Bitte sorgen Sie unverzüglich für einen Ersatz durch moderne, zündgesicherte Geräte», hiess es in dem Brief der IWB vom letzten Sommer an alle Wohneigentümer, deren Küchen mit Gasherden ohne Zündsicherung ausgestattet sind. Er selbst sieht zwar ein, dass diese Sicherung im Prinzip gewiss sinnvoll ist, aber es ist dieser ultimative Ton, der N. in den falschen Hals geraten ist. Er musste zudem feststellen, dass der Einbau eines neuen Herds keine einfache Sache ist und sich deshalb sicher nicht «unverzüglich» bewerkstelligen lasse. Der Ersatzherd passt nicht in die Chromstahlkombination, sie muss ausgesägt werden. Zudem seien die vier Flammen so nahe beieinander, dass zwei grössere Pfannen nebeneinander keinen Platz hätten, sagt der gern kochende Familienvater: «Das ist eine krasse Verschlechterung gegenüber dem Zustand jetzt.»

Die Zündsicherung (Stift im Vordergrund) schliesst die Gaszufuhr, wenn keine Flamme brennt. Der weisse Stift links ist die Piezo-Zündung.

Die Zündsicherung (Stift im Vordergrund) schliesst die Gaszufuhr, wenn keine Flamme brennt. Der weisse Stift links ist die Piezo-Zündung.

Kenneth Nars

Zwischen 2000 und 6000 Franken

N. ist kein Einzelfall. Im IWB-Verbreitungsgebiet, das bis nach Aesch, Liestal und Möhlin reicht, haben diesen Brief 15 000 Haushalte erhalten. Darunter sind auch Wohnblocks, was deren Eigentümer vor unerwartete finanzielle und organisatorische Probleme stellt: Ein neuer Herd mit Backofen kostet zwischen 1000 und 4000 Franken. Für den Geräteeinbau und eventuelle Anpassungsarbeiten an der Kombination müssen nochmals zwischen 1000 und 2000 Franken hingeblättert werden. Und schliesslich muss noch ein konzessionierter Heizungsinstallateur gefunden werden. Schwierig: Diese haben zurzeit alle Hände voll zu tun. Ein Umsteigen auf elektrisch ist für viele keine Option, weil Kochen mit Gas viele Vorteile bietet und der Wechsel teuer ist. Auch Dieter Ruf, Direktor der Gribi Theurillat Bewirtschaftung AG, ist nicht sehr glücklich mit der Kommunikation der IWB. «Die IWB schrieben zwar ‹unverzüglich›, aber sie haben keine Frist angegeben. Das hat für Verwirrung gesorgt.» Eine andere Verwaltung beklagte die hohen Preise und die beschränkte Produktauswahl. «Viele Hausbesitzer sehen es als Verschwendung an, wenn brauchbare Geräte weggeworfen werden müssen.»

Im eingangs erwähnten Brief (Betreffzeile: «Pflicht zum Austausch veralteter Geräte») beziehen sich die IWB auf eine Richtlinie des Vereins für Gas- und Wasserwirtschaft (SVGW). Eine Nachfrage bei diesem Verein, bei dem die meisten grossen Gas- und Wasserversorger der Schweiz angeschlossen sind, zeigt aber: Es gibt keine rechtlich bindende Pflicht der Bezüger. Es gelte zwar eine Richtlinie, nach der Gasgeräte in Innenräumen «mit einer Vorrichtung zur Sicherung gegen den Austritt von unverbranntem Gas» versehen sein sollen. Bei den Übergangsbestimmungen hätten aber die Versorger einen Ermessensspielraum. «Die Richtlinien sagen nicht, dass die Gasherde ohne Zündsicherung sofort auszuwechseln sind», bestätigt Gian von Planta vom SVGW.

Darauf angesprochen meint man bei den IWB, die Austauschpflicht basiere nicht nur auf den SVGW-Richtlinien, sondern sei auch aus den Regelungen der IWB und dem kantonalen IWB-Gesetz abgeleitet.

Zürich macht es anders

Dass es auch auf die sanfte Tour geht, beweist Erdgas Zürich. Dort ist der Wechsel nicht Pflicht. «Wir schrieben unseren Kunden, dass es in ihrer Liegenschaft möglicherweise Herde ohne Zündsicherung gebe und verwiesen sie auf die Hilfestellungen auf der Homepage», sagt Firmensprecherin Sabina Cadalbert.