Stadtentwicklung

Wohnen mit Blick auf den Knast: Basel und Weil am Rhein planen neues Stadtquartier an der Grenze

Eine der zwei Varianten: Keine Hochhäuser, dafür acht Baukörper, ausgerichtet gen Lange Erlen.

Eine der zwei Varianten: Keine Hochhäuser, dafür acht Baukörper, ausgerichtet gen Lange Erlen.

Auf dem an der Grenze zu Basel liegenden Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein (D) soll ein neues Quartier mit Wohnraum für bis zu 2'200 Menschen entstehen. Das Areal auf deutschem Territorium gehört der Einwohnergemeinde der Stadt Basel, weshalb es zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit kommt.

Das rund 10 Hektaren grosse Areal nordöstlich des Ausschaffungsgefängnisses Bässlergut ist als Gewerbegebiet ausgewiesen und wird gegenwärtig hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Das soll sich ändern, wie Immobilien Basel- Stadt und die Behörden der Stadt Weil am Rhein am Dienstag an einer Medienkonferenz bekanntgaben.

Entstehen soll ein gemischt genutztes Quartier für 1500 bis 2200 Bewohnerinnen und Bewohner. Weil das Areal Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel ist, sich aber auf deutschem Gebiet befindet, haben Weil am Rhein und Basel-Stadt 2018 das Heft gemeinsam in die Hand genommen. Weil am Rhein obliegen die hoheitlichen Aufgaben wie die Ausarbeitung eines Flächennutzungsplans, während Basel das Areal an Investoren oder Direktnutzer abtreten kann.

Zwei unterschiedliche Vorschläge

In einem konkreten ersten Schritt hat Immobilien Basel-Stadt 2020 einen städtebaulichen Studienauftrag ausgeschrieben und mit einer halben Million Franken finanziert. Die Resultate liegen nun vor: Auswählt wurden die Vorschläge von Hosoya Schaefer Architects (Zürich) mit Agence Ter.de Landschaftsarchitekten (Karlsruhe) und Pool Architekten (Zürich) mit Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten aus Bern.

Sie bilden eine «hochwertige Basis» für die weitere Planung und sind nicht als definitive Planung zu verstehen, wie Weils Erster Bürgermeister Christoph Huber ausführte. Es handelt sich denn auch um zwei auffallend unterschiedliche Vorschläge.

Baubeginn vielleicht erst in 15 Jahren

Der erste Vorschlag sieht eine lockere Bebauung in acht Blöcken vor, die sich an den Landschaftspark Wiese und die Langen Erlen im Süden und Osten des Areals ausrichten. Im Westen sollen Gewerbebauten einen Riegel zur rege befahrenen Freiburgerstrasse und zur Bahnlinie bilden. Der zweite Vorschlag sieht eine aufgebrochene Blockrandbebauung im Norden und locker verteilte und bis 80 Meter hohe Hochhäuser im Süden vor.

Der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz sieht diese Wettbewerbsarbeiten auch als Diskussionsgrundlage. Zu Diskussionen werde es bestimmt kommen, sagte er, denn die Arealentwicklung befinde sich in der Konfliktsituation zwischen dem Bedarf an neuem Wohnraum und dem haushälterischen Umgang mit dem Land: «Wir müssen vorsichtig mit unserer Fläche umgehen.» Mit dem neuen Quartier könnte sich die Bewohnerzahl des Stadtteils Otterbach nahezu verdoppeln, sagte er.

Von heute auf morgen wird das Areal also nicht überbaut werden. Rolf Borner, Geschäftsführer von Immobilien Basel-Stadt, sprach von einem langfristigen Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren für die etappierte Neuentwicklung des Areals.

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