Bis zu 240 Millionen Franken geben Wohngenossenschaften in der Region für Sanierungs- und Renovationsaufträge aus – und zwar jährlich wiederkehrend. Das hat eine Studie ergeben, die der Gewerbeverband Basel-Stadt zusammen mit den Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz (WBG) bei der Fachhochschule Nordwestschweiz in Auftrag gegeben hat.

„Wir haben schon immer geahnt, dass die Aufträge der Genossenschaften einen grossen volkswirtschaftlichen Einfluss haben“, sagte WBG-Präsident Jörg Vitelli an einer Medienkonferenz. „Jetzt ist es belegt“.

Untersucht wurde eine Stichprobe von fünf Wohngenossenschaften in der Region, die rund ein Zehntel der insgesamt 14540 Genossenschaftswohnungen unterhalten. Diese haben 2013 über 4 Millionen Franken für Unterhalts- und Reparaturarbeiten sowie über 15 Millionen Franken für Sanierungsarbeiten ausgegeben.

Konkret gingen 44 Prozent der Aufträge an Unternehmen in Basel-Stadt und 47 Prozent an Baselbieter Firmen. Lediglich 7 Prozent der Arbeiten – hauptsächlich Spezialaufträge –wurden von KMU ausserhalb der Nordwestschweiz erledigt. Das zeige die starke regionale Verankerung der Wohnbaugenossenschaften sowie das grosse Qualitätsbewusstsein, sagt Vitelli.

Den Gewerbedirektor Gabriel Barell freuts: Die Genossenschaften vergeben die Aufträge an regionale Firmen.

Rechne man die Zahlen auf alle 181 Wohnbaugenossenschaften der Region hoch, ergebe das ein Auftragsvolumen von 140 bis 240 Millionen Franken pro Jahr. «Über 90 Prozent davon bleibt in der Region», sagt Barell. Gesamthaft gesehen profitiere die Region von Multiplikatoreffekten von mehreren hundert Millionen Franken, was einem hohen zweistelligen Millionen-Betrag an Steuersubstrat entspricht. Dieser Effekt sei etwa mit einer La Ola-Welle im Stadion zu vergleichen: Eine Bewegung löst die des Nachbars aus. Oder anders gesagt: Einkommen wird auch wieder ausgegeben.

Diese Zahlen sprächen für die Stadtrandentwicklungen Ost und Süd, über die Basel-Stadt am 28. September abstimmt. Bei diesen Entwicklungen spiele der gemeinnützige Wohnungsbau eine wichtige Rolle. So soll im Osten Wohnraum für 3400 Personen entstehen, und mehr als ein Viertel der Wohnungen muss dabei von gemeinnützigen Wohnbauträgern, insbesondere Genossenschaften, gebaut werden.

«Die Stadtrandentwicklung ist für die regionale Wirtschaft deshalb aus vielerlei Gründen zentral», sagt Gewerbedirektor Gabriel Barell. «Der zusätzliche Wohnraum reduziert den Umnutzungsdruck auf die wenigen verbliebenen Gewerbeflächen im Kanton.» Und weiter: Bleibe das Gewerbe in der Stadt, entlaste das die Verkehrswege. «Zudem fördert die Nähe von Wohnen und Arbeiten die Standortattraktivität der Basler Unternehmen und nicht zuletzt gewinnen das Gewerbe und die gesamte Region von den Investitionen und späteren Unterhaltsarbeiten der Wohnbaugenossenschaften», so Barell.