Herr Dietz, in einem Schreiben bitten Sie Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, dass sie sich für die Taktverschärfung der S-Bahn beziehungsweise der Rheintalbahn einsetzen soll. Was ist genau das Problem?

Wolfgang Dietz: Es ist ja eine alte Forderung, das Netz und den Taktverkehr auszubauen. Als das Ziel des dritten und vierten Gleises ausgegeben wurde – vor allem auch wegen des zunehmenden Fern- und Güterverkehrs –, sagte man den anliegenden Gemeinden, der Nahverkehr nach Basel SBB werde dafür ausgebaut. Das war Geschäftsgrundlage. Die S-Bahn-Strecke ist für die Region enorm wichtig. Denn rund ein Drittel der arbeitstätigen Personen aus Weil am Rhein ist in Basel tätig. Diese haben bereits einen guten Anschluss nach Basel, der zudem mit der künftigen Tramlinie 8 noch deutlich verbessert wird. Die Gemeinden weiter nördlich haben aber bereits ein Problem: Die haben momentan nur gerade stündlich einen Zug nach Basel. Das darf heute bei dieser grossen Mobilität nicht mehr sein. Wir fordern daher einen Takt von 30 Minuten, noch lieber einen von 20 Minuten. Jedenfalls zwischen Freiburg und Basel.

Die jüngsten Überlegungen der Landesregierung weisen aber gemäss Ihrer Medienmitteilung eher in eine andere Richtung.

Es steht eine neue Bestellperiode bevor. Das heisst, dass die Landesregierung für eine neue Periode Züge bestellen muss und festlegen muss, wo die Züge halten und wo nicht. Nun hat sich gezeigt, dass die Landesregierung weniger Züge bestellen will und zudem auch weniger Haltestellen angefahren werden sollen. Das betrifft vor allem die Region um den Katzenbergtunnel wie die Gemeinde Bad Bellingen. Die müssen sich nun neue Wege zum Pendeln suchen.

Sehen Sie das S-Bahn-Netz der Rheintalbahn ihn Gefahr?

Sagen wir es so: Es ist schlecht, wenn das Netz nicht ausgebaut wird. Denn von den Bestrebungen von Frankreich und der Schweiz, den Schienenanschluss des Flughafens vom Bahnhof Basel SBB bis spätestens 2020 zu verwirklichen, könnten wir gegenseitig profitieren. Zudem soll bis zu diesem Zeitpunkt auch die zweite Rheinbrücke in Basel fertiggestellt sein. Dass die Landesregierung nun so entscheiden will, steht im Widerspruch zu den Anstrengungen unserer Nachbarländer. Wir dürfen uns hier nicht nur auf Deutschland beschränken, sondern müssen die ganze Region mit einbeziehen und mit dem Ausbau der Infrastruktur gemeinsam mit den Nachbarn voranschreiten. So können wir gegenseitig unsere Infrastrukturen am meisten in Wert setzen.

Sie fordern den Ausbau der S-Bahn. Wer würde die Finanzierung übernehmen?

Der öffentliche Personennahverkehr auf der Schiene ist in Deutschland Angelegenheit des Landes. Frankreich oder die Schweiz hätten damit nichts zu tun.

Wie schauen Sie in die Zukunft?

Ich weiss, dass es schwierig wird. Wenn ich Optimist wäre, müsste ich keine Briefe schreiben. Aber ich bin Realist. Nächste Woche wird der Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Winfried Hermann, in Weil am Rhein zu Besuch sein. Ich werde die Gelegenheit nutzen und ihm mein Anliegen mitteilen. Der Unterstützung meiner Kollegen aus den Nachbargemeinden bin ich
gewiss.