Eigentlich lieferte Wolfgang Schäuble das Fazit seines Basler Auftritts gleich zu Beginn des Abends: «Mit Europa wird es weitergehen wie bisher, mühsam, schwerfällig, mit Krisen, aber immer weiter voran», so Schäuble. Letztlich gebe es zu Europa keine Alternative.

Nach Basel kam der deutsche Bundesfinanzminister auf Einladung des Europainstituts und der Handelskammer beider Basel. Sein Auftritt in der Aula der Universität stand unter dem Titel «Wie weiter mit der Europäischen Union?».

Dass dieses Thema bewegt, bewies der Publikumsandrang am Dienstagabend. Die Uni-Aula war bis auf den letzten Platz besetzt, Dutzende von Menschen fanden gar keinen Einlass mehr.

Drinnen bot Wolfgang Schäuble einen beeindruckenden Tour d’Horizon über die aktuelle Lage der von multiplen Krisen geschüttelten Europäischen Union. Die Flüchtlingskrise war dabei ebenso Thema wie die Eurokrise, die Euroskepsis oder die mangelhafte Aussen- oder Sicherheitspolitik. Dabei beschönigte Schäuble nichts: «Ich war bei allen Fehlern der letzten 30 Jahre dabei. Darum bin ich gnädig im Umgang mit der Vergangenheit.»

Vor allem die Flüchtlingskrise werde die Gesellschaft noch länger beschäftigen. Diese sei Europas «Rendezvous mit der Globalisierung». «Europa kann sich nicht zur Festung machen», betonte Schäuble. Im Gegenteil erfordere die aktuelle Lage ein stärkeres Engagement Europas im Nahen Osten, in Nordafrika und in Afrika südlich der Sahara. So gelte es zum Beispiel Länder wie Jordanien und Libanon zu stabilisieren und bei einem Wiederaufbau Syriens zu helfen.

Explizit nicht die Rede war von der Schweiz. Einzig am Rande verlieh Schäuble seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Schweizer irgendwann die Vorzüge Europas erkennen würden. Denn Europa bewege sich doch und werde sich weiterentwickeln. Krisen seien eben immer auch Chancen.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit der Europarechtlerin Christa Tobler und SRG-Direktor Roger de Weck vertiefte Schäuble seine Einsichten zu Europa. Nicht zuletzt drückte er seinen Glauben an die starke französisch-deutsche Freundschaft aus.