Photovoltaik
Wolken vor der Sonne: Das Geschäft mit Solarstrom lahmt

Piccards «Solar Impulse» war ein Medienhype. Aber die Investments in Sonnenstrom sind weniger glorios.

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Das Geschäft harzt: Weniger Arbeit für Photovoltaik-Monteure.

Das Geschäft harzt: Weniger Arbeit für Photovoltaik-Monteure.

Keystone

Dominik Müller, Basler Installateur von Photovoltaikanlagen (PVA), hat in der Regel keinen Grund zu klagen: Solar boomt seit Jahren. Doch das erste Halbjahr sei «eine Katastrophe» gewesen, sagt der Geschäftsführer der Solvatec AG, einem führenden Unternehmen der Branche. Es habe praktisch keine Neuaufträge gegeben. Eine Kurzumfrage bei Solarfirmen in der Region und beim Verband Swissolar bestätigt den sehr schwachen Geschäftsgang.

Riesige Warteliste

Müller sieht verschiedene Gründe dafür. Zum Beispiel habe das Bundesamt für Energie (BFE) Ende vergangenen Jahres darauf hingewiesen, dass es praktisch aussichtslos sei, zu einer kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) zu kommen und dass dadurch Investoren zurückgeschreckt worden seien. «Die Entwicklung der Solarenergie wurde vom BFE krass unterschätzt», sagt Müller. Ausserdem seien die Einspeisevergütungen reduziert worden.
Tatsächlich heisst es auf dem Merkblatt des BFE, dass 40 000 Projekte auf der Warteliste seien und diese wegen mangelnder Geldmittel nicht abgebaut werden könne. «Die Warteliste ist blockiert», heisst es auf dem Merkblatt wörtlich. Auch die Einmalvergütung (EIV) sei praktisch «ausgeschossen».

Ein Blick in die KEV-Statistik zeigt beispielsweise, dass zu Beginn dieses Jahres im Kanton Baselland 1409 Projekte auf der Warteliste waren, im Stadtkanton 361. Dies bei lediglich 409 (BL) respektive 83 (BS) realisierten KEV-Projekten. Die Warteliste ist also 2,5- bis 3-mal so gross. Fakt ist auch, dass derzeit in Bern über die «Energiestrategie 2050» diskutiert wird, in deren Rahmen mehr Geld für die Photovoltaik gesprochen werden soll. Wahrscheinlich wird dagegen ein Referendum ergriffen. So rasch wird sich die Situation deshalb nicht ändern.

Ein weiterer Grund ist der tiefe Strompreis, der am Markt auf das Rekordtief von 2,8 Rappen pro Kilowattstunde gefallen ist. «Tiefe Energiepreise sind nie gut für uns», sagt Müller. Spar- und Substitutionsanreize fallen weg, private Hausbesitzer würden deshalb abwarten und ihre Investitionen in Wärmepumpen oder PV-Anlagen zurückstellen. Dazu komme möglicherweise eine allgemeine Verunsicherung und Zurückhaltung. Im Prinzip sei der Markt bereit, was alleine die vielen Offertenanfragen zeigten.

Tiefe Einspeisevergütungen

Ein dritter Grund sind die geringen Einspeisevergütungen, die gewisse Elektrizitätsversorger bezahlen. Die Elektra Birseck Münchenstein vergütet nur gerade drei bis vier Rappen pro Kilowattstunde. Die Gestehungskosten der Solarenergie sind wegen Fortschritt der Technik und der Produktion massiv gesunken, betragen aber mit gut 10 Rappen noch immer ein Vielfaches der Vergütung. «Solches schreckt natürlich ab», sagt Müller. Auch drücke die EBM den privaten Solarstromproduzenten teure Zähler für über 30 Franken aufs Auge. Würde die EBM die Empfehlung des BFE anwenden, wäre eine Gebühr von 50 Franken möglich, rechtfertigt sich der Stromversorger. Die EBM weist ausserdem darauf hin, dass früher auf Solaranlagen Renditen von sechs bis sieben Prozent erzielt worden seien, sagt EBM-Sprecher Joachim Krebs. Das sei unter heutigen Marktbedingungen so nicht mehr möglich. Die Einspeisungstarife seien in der Folge analog denjenigen von KEV reduziert worden. Heute ist der Bau und Betrieb einer PVA immer noch so möglich, dass keine Verluste, aber auch kein grosser Gewinn entsteht.

Zwischen 2011 und 2013 schoss die EBM die KEV-Beiträge in ihrem Versorgungsgebiet sogar vor, mit der Folge, dass die Zahl der Solaranlagen stark anstieg. Ende Juni seien von den 1686 Solaranlagen nur gerade 227 KEV-finanziert gewesen. Die Folge davon ist, dass von den 24 Gigawattstunden (GWh) ins EBM-Netz eingespeister Strom nur 14 GWh als (relativ teurer) Solarstrom abgesetzt werden können. 10 GWh können mangels Nachfrage nicht an die Endkunden verkauft werden. Gemäss einer Verordnung der Stromregulierungsbehörde Elcom müsse sich die Vergütung von Solarstrom am Marktpreis orientieren. Und dieser ist bekanntlich am Boden. Die IWB haben die KEV-Bevorschussung hingegen aufrechterhalten.

Firmen rechnen anders

Immerhin kann Müller feststellen, dass Firmen wieder in Grossanlagen investieren und zwar ohne sich um KEV zu bewerben. Diese Firmen würden den Strom zum Eigenbedarf produzieren. «Das ist ein gutes Zeichen», sagt Müller. Das zeige, dass der Solarstrom wettbewerbsfähig sei. Wird der Strom «inhouse» fabriziert, fallen allerdings auch die Netznutzungskosten weg.