Frau Bigler, Frau Keller, in drei Monaten findet der Uefa-Europa-League-Final in Basel statt. Wie weit sind die Vorbereitungen fortgeschritten?

Doris Keller: Momentan ist es recht intensiv mit dem Finalisieren von Örtlichkeiten und Abmachungen. Ausserdem gibt es viele Umbauarbeiten und zusätzliche Räumlichkeiten, die wir mieten müssen, dort sind wir in der finalen Phase der Verhandlungen der Mietverträge.

Barbara Bigler: Das Stadion St. Jakob-Park bietet ja eigentlich von der Infrastruktur her einiges, aber es gibt Örtlichkeiten und Räumlichkeiten, die wir im Stadion eben nicht haben.

Auch den ganzen Umschwung, den vielleicht andere Stadien haben, gibt es in Basel nicht. Es braucht beispielsweise Räume für die Medien, da mieten wir Lokalitäten dazu. Wir hätten ja mit der St. Jakobshalle eine gute Örtlichkeit, weil dort aber Umbauarbeiten stattfinden, und wir daher die Halle nicht nutzen können, müssen wir in die St. Jakob-Arena ausweichen, wo wir gewisse Bereiche dazumieten werden.

Hinzu kommt, dass wir leerstehende Räume im St. Jakob-Turm nutzen können, um den etwa 200 Uefa-Mitarbeitern, die anreisen werden, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Dann verfügen wir noch über einen Hospitality-Bereich, der aber für solch einen Final nicht ausreichend ist. Also muss analog zur Euro 08 ein Zelt auf dem Areal des Gartenbads aufgebaut werden. Und dann gibt es noch Bereiche, die wir vom Stadion auslagern müssen, wie Teile des TV-Compound.

Keller: Momentan ist alles noch etwas schwierig, weil wir mit sehr vielen Variablen planen müssen, da wir ja nicht wissen, wer in diesem Final stehen wird. Deshalb gehen wir immer vom Maximum aus.

Das heisst?

Keller: Das heisst zum Beispiel, dass wir je 600 Busparkplätze zur Verfügung stellen müssen, aber auch den Einfluss auf den Flughafen – der ja doch recht klein ist – bedenken müssen. Dort musste ein spezielles Konzept ausgearbeitet werden, damit diese Masse an Fans bewältigt werden kann. Schlussendlich wissen wir erst zwei Wochen vorher, wer in diesem Final steht. Das macht es so schwer. Wir planen das Maximum, ohne zu wissen, ob es dieses brauchen wird.

Hofft man denn auf das Maximum?

Bigler: Wir hoffen einfach auf ein attraktives Spiel und dafür planen wir auch. Am Ende wollen wir sagen können: Wir haben alles gemacht und waren so gut wie nur möglich vorbereitet, um auch ein so grosses Spiel wie zum Beispiel Manchester United gegen Borussia Dortmund beherbergen zu können.

Das wäre dann der Idealfall, denn dann hätte sich der Aufwand ja gelohnt, oder?

Bigler: Den haben wir ja sowieso.

Keller: Genau. Aber es gibt noch weitere Herausforderungen wie, dass die Fans vielleicht mit dem Auto anreisen und nicht mit dem Flugzeug. Das sind Dinge, die einen dazu zwingen, kurzfristig sehr flexibel zu sein. Die allergrösste Herausforderung wäre es aber wohl, wenn es zwei Mannschaften trifft, die mit dem Flugzeug anreisen, nicht Schengen zugehören und zudem visumpflichtig sind. Dann dürfte der Flughafen an die Kapazitätsgrenze stossen.

Wie einfach wäre es denn, wenn der FCB im Finale stehen würde?

Keller: Das wäre nicht einfacher, denn dann gäbe es andere Herausforderungen.

Bigler: Genau, das ist das richtige Wort. Denn man muss wissen, dass dann sicher viele Fans, wie auch Jahreskartenbesitzer, den Wunsch haben werden, an diesem Spiel dabei sein zu wollen. Wir wissen aber, dass ein Finalist rund 8000 bis 9000 Tickets bekommt, mehr nicht. Logistisch gesehen würde die Parkplatzsituation wegfallen und der Flughafen hätte einen viel kleineren Aufwand. Aber das würden wir dann anschauen, wenn es überhaupt so weit kommen sollte.

Keller: Ein Teil des lokalen Organisationskomitees (LOC) müsste neben den Aufgaben, die mit der Organisation des Finals zusammenhängen, noch weitere Aufgaben bewältigen, die auf einen Finalisten zukommen.

Bigler: Da würden administrative und organisatorische Arbeiten auf uns zukommen. Dies ist alles in einem Fragebogen der Uefa von etwa 15 bis 20 Seiten aufgeführt. Aber wie gesagt, das würde sich alles erst zeigen, sollte dies überhaupt ein Thema werden.

Gab es schon einmal etwas Vergleichbares in Basel?

Keller: Wahrscheinlich ist es am ehesten vergleichbar mit der Organisation an der Euro 08. Mit einem Europa-League-Halbfinale wie jenem gegen Chelsea ist es nicht vergleichbar, der Halbfinal war einfach ein sehr grosses Meisterschaftsspiel.

Der FCB wurde vom SFV angefragt, bei der Organisation mitzuhelfen. War man sich des grossen Aufwands bewusst?

Bigler: Man ist sich dessen schon bewusst, jedoch sicher nicht bis in die letzte Konsequenz. Aber wir haben uns – auch mit Doris Keller, die wir ja extra als Projektleiterin angestellt haben – gut aufgestellt, damit wir hoffentlich nach dem Finale sagen können, dass wir alles gegeben haben.

Keller: Vor allem waren wir uns nicht in letzter Konsequenz bewusst, dass die St. Jakobshalle gar nicht zur Verfügung steht.

Wie gross ist dieses Problem, dass sie nicht zur Verfügung steht?

Keller: Jetzt gar nicht mehr, weil wir ja Alternativen gefunden haben. Wir haben einfach sehr lange versucht, trotz Hallenumbau noch eine Lösung zu finden. Bis wir dann endgültig gesagt haben, wir suchen etwas anderes, hat es einfach zu lange gedauert.

Dies hat ja auch zu einer kleinen Verzögerung in der Planung geführt.

Keller: Ja, genau. Dafür können wir jetzt Vollspeed geben, und es ist ja manchmal auch einfacher, wenn man Druck hat.

Was ist noch nicht gemacht, was eigentlich schon gemacht sein sollte?

Keller: Viele Kleinigkeiten und Abklärungen sind noch notwendig. Dazu kommt die geografische Herausforderung hinzu, dass man das nicht nur mit dem Kanton Basel-Stadt, sondern auch noch mit dem Kanton Baselland abklären muss.

Das Stadion muss eine Woche vor dem Spiel der Uefa übergeben werden, einen Tag vor der Abgabe spielt der FCB aber noch gegen den FC Thun. Wie schwierig macht dies den ganzen Umbau im Stadion?

Bigler: Eigentlich müssten wir das Stadion schon am Wochenende, also noch einmal drei Tage früher, der Uefa übergeben. Dass wir am Dienstag aber noch ein Spiel haben, macht es nicht einfacher. Gewisse Dinge müssen wir eben auch schon vor der Übergabe einrichten, wie die Pitch-View-Studios. Das bedingt dann aber beispielsweise, dass gegen den FC Thun ein Teil des Gastsektors gesperrt sein wird. Das sind Dinge, die man nicht einfach kurzfristig bauen kann. Genauso wie die Kabelbrücke, der Ausbau der Medientribüne oder die Installation des Internets.

Keller: Es ist aber auch so, dass nicht alles fertig sein muss, wenn wir das Stadion übergeben.

Barbara Bigler, Beat Meier, Michael Widmer und Doris Keller bilden seit eineinhalb Jahren das lokale Organisationskomitee für den Europa-League-Final in Basel.

Barbara Bigler, Beat Meier, Michael Widmer und Doris Keller bilden seit eineinhalb Jahren das lokale Organisationskomitee für den Europa-League-Final in Basel.

Wie viel FCB steckt dann am 18. Mai noch im Joggeli?

Bigler: Von der Identifikation her? Nun, Sie werden den Schriftzug «FC Basel» auf den Sitzen noch sehen, aber sonst werden die Werbepartner der Europa League unsere überdecken. Es wird alles mit dem Uefa-Design «gebrandet», das wird das Wahrnehmungsbild natürlich verändern. Der rote Turm vom Shoppingcenter wird zum Beispiel abgedeckt, genauso wie alle Schaufenster.

Keller: Das nennt man «clean stadium». Aber es wird mit dem Design der Uefa allen klar sein, dass der Final in Basel ist. Vielleicht weniger im Bezug zum FCB, sondern zur Stadt.

Sie sprechen immer wieder von den vielen Herausforderungen. Welches ist denn die Grösste?

Keller: Das ist schwierig zu sagen, aber der Flughafen ist sicher eine Herausforderung. In der Schweiz gibt es ein Nachtflugverbot, und beim Flughafen geht es nicht mehr nur um Stadt oder Land, sondern der steht auf französischem Boden, was die ganze Sache komplexer macht. Dieses Nachtflugverbot kann nur von der französischen Präfektur aufgehoben werden. Das ist also noch ein Player mehr, der zu den Kantonen Basel-Stadt und Baselland dazu kommt.

Bigler: In anderen Ländern kann diese Konstellation anders sein, was zur Folge hat, dass es weniger Entscheidungsträger gibt. Wenn ein Spiel beispielsweise in Amsterdam ist, dann hat man nur mit Amsterdamer Behörden zu tun, weil der Flughafen und das Stadion auf Amsterdamer Boden sind. Die Konstellation hier in Basel macht es aber auch spannend.

Keller: Vielleicht versteht man so auch, wieso wir schon seit eineinhalb Jahren dran sind und diese Zeit auch wirklich brauchen.

Ist der Bahnhof ebenfalls eine Herausforderung?

Keller: Aus Erfahrung reisen die Fans nicht mit Sonderzügen an, das ist eher eine Schweizer Angewohnheit. Wir haben uns mit den SBB abgesprochen, aber wir rechnen nicht damit, dass sie organisiert mit dem Zug herkommen werden.

Ein grosses Thema ist die ganze Sicherheit rund um diesen Grossanlass. Musste aufgrund der momentanen sicherheitspolitischen Lage in Europa stark aufgerüstet werden?

Keller: Es ist so, dass sich die Lage verändert hat im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als wir angefangen haben zu planen. Das Risiko ist aber weniger abhängig von den Teams und den Fans, die kommen, sondern von der veränderten sicherheitspolitischen Lage. Natürlich müssen Anpassungen gemacht werden, wenn wir wissen, wer kommt. Vom Aufwand her macht es das sicher nicht kleiner, es müssen alle akkreditiert sein, die an diesem Tag hier arbeiten wollen. Es ist ein Mehraufwand, auch kostentechnisch für alle Parteien. Wir müssen beispielsweise einen etwa 2,5 Kilometer langen Zaun bauen, der als Sicherheitsperimeter dient.

Ein Sicherheitszaun?

Bigler: Ja, der wird das ganze Areal, von der Birs, zum «Kilometerweglein», Gartenbad, Eishalle und natürlich dem Stadion absichern.

Keller: Den können wir aber erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bauen, weil hier vorher alles noch «laufen» muss. Hier arbeiten auch noch Leute, es hat ein Shoppingcenter und Menschen, die im Turm oder dem Altersheim wohnen. Aber das ist nun einmal nötig, weil sich die Gefahrenlage verändert hat. Für die Mieter im St. Jakob-Turm wird der Zugang jedoch jederzeit gewährleistet sein.

Macht man sich denn effektiv Sorgen?

Bigler: Die Frage ist berechtigt, aber sehr schwer zu beantworten. Denn dann müsste ich mir diese Frage bei jedem Meisterschaftsspiel stellen, bei jedem Anlass sonst im Stadion oder gar jedes Mal, wenn ich an einen Anlass gehe. Wir werden an diesem Final nicht weniger und nicht mehr Zuschauer haben als zum Beispiel an einer «Finalissima» oder einem attraktiven internationalen Spiel, aber die mediale Aufmerksamkeit ist grösser.

Keller: Wir müssen einfach die nötigen Vorkehrungen treffen, um das Risiko zu minimieren. Aber Angst zu haben wäre falsch.

Bigler: Es ist eine Freude und Ehre für uns, dass wir dieses Spiel ausrichten dürfen. Und das sind die Begleiterscheinungen. Aber zu viele Gedanken sollte man sich nicht machen, sonst dürfte man das Haus nicht mehr verlassen. Aber klar, wir sind sensibler geworden.

Keller: Aber man muss sehen, dass die Europameisterschaft in Frankreich ja auch stattfindet.

Zurück zum Spiel. Was wäre Ihr persönlicher Traumfinal?

Keller: Das habe ich mir gar nie überlegt.

Bigler: Ich auch nicht. Fragen Sie mich wieder, wenn klar ist, welches die letzten acht Teams sind, die noch dabei sind.

Müssten Sie nicht sagen, dass Sie sich den FCB im Finale wünschen?

Bigler: Natürlich wäre es einmalig, wenn unsere Mannschaft das schaffen würde. Aber wir wissen alle, dass das nicht einfach wird. Die Konstellation der Mannschaften, die noch in der Europa League sind, ist in etwa gleichzusetzen mit der Champions League. Es ist von den Mannschaften her genauso attraktiv.

Keller: Absolut, der Wettbewerb ist viel attraktiver geworden in den letzten Jahren. Und wir haben mit Sicherheit auch im Hinterkopf, was für eine Herausforderung das werden würde, wenn es der FCB in den Final schaffen würde. Und ausserdem garantieren zwei gute Mannschaften noch kein gutes Spiel. Ich erinnere mich an das Champions-League-Finale 2003, als sich Juventus und AC Mailand duellierten. Das war wohl das schlechteste Finale, das ich je gesehen habe. Hingegen war der letztjährige Europa-League-Final zwischen Dnipropetrovsk und Sevilla ein super Spiel.

Ungeachtet der Finalpaarung – werden Sie das Spiel, nach all dieser ganzen Arbeit, irgendwie geniessen können?

Bigler: Das glaube ich nicht, und dessen sind wir uns auch bewusst. Aber ich kriege diese Ruhe auch nicht hin, einfach hinzusitzen und das Spiel zu schauen. Es kann sein, dass wir nichts vom Spiel sehen.

Keller: Ja, ich denke das ist eher die Realität. Am Ende wollen wir einfach einen guten Anlass durchführen. Das ist wichtiger.