Diese Zahlen sprechen für sich: Seit der Gründung der modernen Schweiz 1848 brachte der Kanton Basel-Stadt ganze zwei Bundesräte hervor, das Baselbiet einen. Zum Vergleich: Spitzenreiter Zürich stellte 20 Bundesräte, danach folgen die Kantone Bern und Waadt mit je 14.

Wenn am 9. Juni die Schweiz darüber abstimmt, ob neu das Volk die Bundesräte wählen soll, oder wie bisher die National- und Ständeräte, dann dürfte in der Region Basel also vor allem auch die Frage interessieren: Welchen Einfluss hat das auf die Chancen der regionalen Politiker?

Kantonale Parteien geschwächt

«Die Volkswahl würde den Kandidaten kleiner Kantone nicht helfen, im Gegenteil», sagt FDP-Nationalrat Dani Stolz. Zusammen mit Grünen-Co-Präsidentin Elisabeth Ackermann und Ex-SP-Präsident Martin Lüchinger warb er am Montag vor Medienvertretern für ein Nein zur SVP-Initiative «Volkswahl des Bundesrats».

In ihren Augen würde bei einer Annahme der Initiative die kantonale Politik geschwächt - allerdings nicht, weil die hiesigen Politiker weniger Chancen auf einen der sieben Bundesratssitze hätten. Sondern: «Die Bundesratswahl wäre das politische Topereignis», sagt Ackermann. Die Folge: Die Parteien würden ihre Präsenz in Bern ausbauen, ein Grossteil der Budgets würde für die Wahl draufgehen, die regionalen Politiker müssten sich der nationalen Parteilinie anpassen.

«Wir können uns das nicht leisten»

Bereits zwei Mal wurden Initiativen für die Volkswahl des Bundesrats lanciert: 1900 und 1942. Beide Male war die SP die treibende Kraft. Heute aber will SP-Grossrat Martin Lüchinger davon nichts mehr wissen. «Damals war die SP nicht im Bundesrat vertreten», erklärt er. Heute sieht er Gefahren auf die Schweiz zukommen, sollte die SVP-Initiative angenommen werden. Er zeigt auf die SVP-Zeitung «Extrablatt», welche am letzten Freitag in allen Schweizer Haushalten verteilt wurde und welche auf 16 Seiten erklärt, weshalb die Volkswahl des Bundesrats sinnvoll sei. «Wir können uns so etwas nicht leisten. Parteien mit viel Geld im Hintergrund wären im Vorteil.»

Der Basler SVP-Präsident Sebastian Frehner wiederum ist aus Prinzip für die Volkswahl des Bundesrats: «Es geht um die Ausweitung der direkten Demokratie. Das Volk soll mehr Rechte bekommen.» Er glaubt, dass die SVP es bei einer Volkswahl schwieriger hätte und zieht den Vergleich zu Basel, wo der Regierungsrat vom Volk gewählt wird: «Würde in Basel das Parlament die Regierungsräte wählen, wäre es für die SVP einfacher.» Auch glaubt er nicht, dass Basler Politiker mit der Volkswahl bessere Chancen auf eine Wahl in den Bundesrat hätten: «Die grossen Kantone wie Zürich und Bern sind im Vorteil.» Trotzdem sei es gut, wenn das Volk die Wahl habe - so auch über die Zusammensetzung des Bundesrats.

Zu wenig Interesse da

Lukas Golder, Politologe am Meinungsforschungsinstitut GFS Bern, ist der Meinung, dass die Voraussetzung für den ersten Basler Bundesrat seit Hans-Peter Tschudis Rücktritt 1973 schon heute gut sind: «Basel ist eine Wirtschaftsmetropole und eine Medienstadt mit Strahlkraft. Die Voraussetzungen sind da.» Daran würde auch die Volkswahl des Bundesrats nichts ändern. Dass die Region Basel im Bundesrat chronisch untervertreten ist, hat seiner Meinung nach einen ganz anderen Grund als der Wahlmodus: In Basel sei das Interesse einfach nicht so gross: «Ein Hauptproblem der Basler Politiker ist, dass sie oft keine nationalen Mandate übernehmen wollen.»