Die Wahl birgt Sprengstoff. Die bisherigen Michael Wüthrich (Grüne), Patrick Hafner (SVP) und Paul Rüst (CVP), die das Amt weiterhin ausüben wollen, bieten mehrere Angriffsflächen. Die erste: Es sind alles Männer – wie die übrigen fünf Mitglieder im BVB-Verwaltungsrat. Wüthrich und Hafner präsidieren zudem wichtige Grossratskommissionen, was einer guten Corporate Governance entgegensteht. Wüthrich ist Präsident der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek), Hafner der Finanzkommission. Verschärfend kommt hinzu, dass der Verwaltungsrat als Ganzes keine gute Figur abgibt.

Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» werden in den Fraktionen aus Unzufriedenheit neue Frauenkandidaturen erwogen. Insbesondere die SP überlegt sich, eine Frau aufzustellen. Im Gespräch sind dem Vernehmen nach die beiden früheren Uvek-Präsidentinnen Susanne Signer und Gabi Mächler. Beim Grünen Bündnis fällt der Name von VCS-Mitglied Patrizia Bernasconi. Da ihr Lebenspartner Beat Leuthardt als BVB-Chauffeur arbeitet, kommt sie aber kaum infrage. Gemäss der «Basler Zeitung» prüft selbst die FDP eine Sprengkandidatur. Parteiexponenten geben sich auf Anfrage bedeckt, zu unübersichtlich ist die Lage noch. Entschieden wird frühestens an den Fraktionssitzungen am Montag.

Der Zufall will es nun, dass an der gleichen Grossratssitzung, nur wenige Traktanden später, über eine Frauenquote bei der Besetzung der Verwaltungsräte der staatsnahen Betriebe entschieden wird. Diese sieht vor, dass neu mindestens dreissig Prozent der Mandate an Frauen vergeben werden, und wird von der Regierung und der Justizkommission unterstützt. Vor diesem Hintergrund sei es «völlig daneben» weiterzumachen wie bisher und die bisherigen Männer einfach zu bestätigen, sagt Dominique König, Vizefraktionspräsidentin der SP. «Jetzt müssen wir Nägel mit Köpfen machen und auch Frauen wählen.»

Am ehesten auf der Kippe steht Wüthrich, dem im BVB-Verwaltungsrat eine aktive Rolle zugeschrieben wird. Vielen Bürgerlichen ist der konfliktfreudige Grüne schon lange ein Dorn im Auge. CVP-Fraktionschef Remo Gallacchi bestätigt, dass Wüthrich bei den Bürgerlichen «umstritten» sei. Die CVP, aber auch die anderen bürgerlichen Parteien seien gegenüber dessen Doppelmandat «sehr kritisch» eingestellt. «Die Uvek ist sehr eng mit den BVB verbunden», sagt Gallacchi. «Das passt nicht zusammen. Ich werde ihn nicht wählen.»

Das Grüne Bündnis steht offiziell noch hinter Wüthrich. «Unser primäres Ziel ist es, dass er im Verwaltungsrat bleibt. Er ist sehr kompetent und macht eine gute Arbeit», sagt Fraktionspräsidentin Anita Lachenmeier. Die Uvek habe zudem «nicht direkt» mit den BVB zu tun. In der Uvek würden «übergeordnete Verkehrsentscheide» fallen. Ansonsten würde er in den Ausstand treten.

Wüthrich war wegen seiner diversen Mandate im Verkehrsbereich – bis 2008 war er auch Co-Präsident des VCS – schon bei früheren Wahlen umstritten. 2007 wurde er nur knapp zum Uvek-Präsidenten gewählt, obwohl er keinen offiziellen Gegenkandidaten hatte. Bisher konnte er sich aber immer ins Ziel retten. Sollte das Grüne Bündnis diesmal an ihm festhalten, riskiert es, seinen Sitz im BVB-Verwaltungsrat zu verlieren.