Ladenöffnungszeiten
Würden die Basler Läden von längeren Öffnungszeiten überhaupt profitieren?

Basel hat bei den Ladenöffnungszeiten die restriktivsten Gesetze der Region – wie viel den Läden dadurch entgeht, ist umstritten. Gegner und Befürworter verwenden stark ideologisch aufgeladene Argumente.

Moritz Kaufmann
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Basel-Stadt hat in der Region die restriktivsten Ladenöffnungszeiten.

Basel-Stadt hat in der Region die restriktivsten Ladenöffnungszeiten.

bz

Was die Ladenöffnungszeiten angeht, ist Basel eine Insel. Ob man nun in die umliegenden Kantone geht oder ins benachbarte Ausland: Die Geschäfte dürfen länger offen halten. Zwar gibt es in Basel Einkaufssonderzonen mit Ausnahmeregelungen – etwa fürs Einkaufscenter im Stücki oder im St. Jakob-Park – sowie die Geschäfte in den Bahnhöfen, deren Öffnungszeiten von Bundesrecht geregelt werden. Auch gibt es Ausnahmen für Familienläden.

Trotzdem: Die Befürworter von längeren Ladenöffnungszeiten am Samstagabend machen als einen entscheidenden Standortnachteil für den Basler Detailhandel geltend, dass Shoppingwillige am Samstag nur bis um 18 Uhr einkaufen gehen können. Doch wie viel Kaufkraft geht dem Stadtkanton konkret zwischen 18 und 20 Uhr am Samstag verloren? «Beziffern lässt sich das natürlich nicht», sagt Roswitha Ledergerber, Chefin der Basler Globus-Filiale.

«Shoppen ist Freizeitbeschäftigung»

Für die Gegner der längeren Öffnungszeiten ist deshalb auch klar, dass die Kunden nicht woanders fremdgehen, weil dort die Läden länger offen sind. Sondern: «Weil es woanders billiger ist», sagt Basta-Grossrätin Heidi Mück in Bezug auf die Einkaufstouristen. Sie glaubt, dass aufs Ganze gesehen die Wirtschaft gar nicht profitiere. Denn: «Wenn die Läden länger offen halten, gehen die Leute einfach später einkaufen. Mehr Geld geben sie deswegen nicht aus.» Schliesslich könne man ja «denselben Franken nicht zwei Mal ausgeben», findet Mück.

Globus-Chefin Ledergerber gibt zwar zu, dass die tieferen Preise im Ausland ein wichtiger Grund für die Schweizer Konsumenten seien, eben in Deutschland und nicht in Basel einzukaufen. Aber der Preis sei nicht entscheidend: «Shoppen ist heute eine Freizeitbeschäftigung – gerade an einem Samstagabend.» Das zeige sich sehr gut in den grenznahen deutschen Shoppingdestinationen: «Dort geht man einkaufen und danach noch ins Kino.» Basel hingegen sei zwischen 6 und 8 tot, weil die Stadtbummler die Zeit zwischen Ladenschluss und Abendprogramm nicht überbrücken könnten.

«Nur die Grossen profitieren»

Ledergerber erzählt, sie sei oft am Samstag bei Ladenschluss an den Türen. «Wir müssen die Kunden per Lautsprecher drei Mal dazu aufrufen, den Laden zu verlassen, damit wir schliessen und uns an die Gesetze halten können.» Die Touristen müsse man jeweils davon abhalten, den Laden zu betreten.

Mück hält diese Argumentation für unvollständig. Sie ist einverstanden: «Profitieren werden die grossen Geschäfte.» So also auch Globus. Aber: «Die Kleinen müssen nachziehen, obwohl ihnen das nichts bringt.» Zwei zusätzliche Stunden zum Shoppen würden nur zu einer Umverteilung von den kleinen zu den grossen Läden führen.

Die Argumente zeigen: Wie alle Abstimmungen über Ladenöffnungszeiten ist auch diese stark ideologisch aufgeladen. Wirklich messbar sind die Auwirkungen nicht. Ebenfalls unklar ist, ob alle Geschäfte am Samstag auch wirklich von der Möglichkeit Gebrauch machen werden, bis 20 Uhr geöffnet zu haben. Roswitha Ledergerber meint: «Im Grossbasel schliessen die Geschäfte bis Mittwoch bereits um halb sieben, obwohl wir länger offen sein dürften.» Die linken Gegner von längeren Öffnungszeiten wiederum glauben, dass der Druck so auf die Läden so gross wird, dass sie es sich gar nicht erlauben können, nicht mitzuziehen. Sicher ist eigentlich nur eines: Die Abstimmung am 3. März wird eng.