Kampagne
Wussten Sie, dass man den Ausbruch einer Psychose verhindern kann?

Menschen, die an einer Psychose leiden, kämpfen oft mit Vorurteilen in der Gesellschaft. Eine neue Kampagne des Gesundheitsdepartements klärt auf und zeigt die Sichtweise von Betroffenen. Mehr als 30 Plakate sind in Basel zu sehen.

Jasmin Schraner
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Was ist Wirklichkeit und was nicht.
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Die Plakate können Ängste zeigen, die Patienten mit einer Psychose haben können.
Die Plakate passen sich ihrer Umgebung an.
Was Psychose bei den Patienten auslösen kann.
Über 30 Plakate sind in Basel verteilt.

Was ist Wirklichkeit und was nicht.

Martin Töngi

Wer in den kommenden Tagen durch die Stadt läuft, soll seinen eigenen Augen nicht gleich trauen. Es kann vorkommen, dass ein UFO über Basels Himmel schwebt oder Skorpione an der Tramhaltestelle krabbeln. Ein zweiter Blick zeigt dem Verwunderten aber schnell: Es handelt sich um Plakate der neuen Kampagne des Gesundheitsdepartements. Über 30 individuelle Plakate befinden sich an unterschiedlichen Orten in Basel und passen sich an ihre Umgebung an. Was für die meisten ein unheimliches Bild ist, kann für Psychose-Erkrankte Wirklichkeit sein.

Diese leiden oft an Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen. In einer akuten Phase kann das zu einem befremdlichen Verhalten führen, beispielsweise im Tram oder mitten auf der Strasse. Deshalb sind in der Gesellschaft viele Vorurteile vorhanden und die Betroffenen leiden unter Diskriminierung und Ausgrenzung.

Eine Psychose ist heilbar

Dabei gehören psychische Erkrankungen weltweit zu den weitverbreitetsten Krankheiten – und auch in der Schweiz sind sie die häufigste Invaliditätsursache. Jede zweite Person in der Schweiz ist mindestens einmal im Leben betroffen. Die Psychose und ihre bekannteste Form – die schizophrene Psychose – gelten als äusserst schwerwiegend.

Mit der neuen Kampagne «Wahn oder Wirklichkeit?» soll das Thema nun enttabuisiert und das Verständnis für die Betroffenen gefördert werden. Nicht wegzuschauen ist auch deshalb wichtig, weil eine Früherkennung massgeblich über den Krankheitsverlauf entscheidet: «Je länger wir warten mit der Diagnose, desto eher kommt es zu diesen fatalen Verläufen, zu schlimmen Psychosen und desto schlechter lassen sie sich behandeln», sagt Anita Riecher-Rössler, Chefärztin für Psychiatrie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken. Oft sei bei den Betroffenen keinerlei Krankheitsbewusstsein vorhanden, weshalb die Diagnose nicht selten zu spät gestellt werde. Viele Patienten können geheilt werden, im Besonderen dann, wenn die Krankheit früh erkannt wird. Diese tritt vor allem bei jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren auf, wobei erste Symptome wie Energiemangel, Ängste und Misstrauen bereits schon einige Jahre vorher erkennbar sind.

Mythos Persönlichkeitsspaltung

Eine Informationsbroschüre zur Kampagne liegt in den kommenden Tagen in den Trams und Bussen auf und soll an die Basler Bevölkerung gelangen. Sie erklärt die Hintergründe zur Psychose und räumt dabei auch mit Mythen auf. Beispielsweise, dass eine Psychose keine Persönlichkeitsspaltung ist, sondern eine Wahrnehmungsstörung.

Die Betroffenen haben eine Gehirnentwicklungsstörung, die erblich bedingt sein kann. Die Psychose kann dann beispielsweise durch emotionalen Stress – wie durch eine Hochzeit oder eine Geburt – ausgelöst werden. Dies passiert jedoch nicht in allen Fällen. Kein Mythos ist, dass auch halluzinogene Drogen wie LSD und Cannabis eine Psychose auslösen können.

Die Broschüre «Wahn oder Wirklichkeit? kann telefonisch über 061 267 45 20 oder per Mail an abteilung.praevention@bs.ch bestellt werden.