Fussball
Yakin vor dem Spiel gegen den FCZ: «Ich weiss nun Bescheid»

Die ersten beiden Partien mit dem neuen Trainer Murat Yakin gingen verloren. Yakin hat das Team zwei Mal umgestellt und 20 von 26 Spielern getestet. Das Casting brachte Gewinner und Verlierer hervor. Einer der Gewinner ist Fabian Schär.

Sebastian Wendel,Szekesfehervar und Basel
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Murat Yakin erklärt seine Erkenntnisse aus den ersten zwei Spielen. Key

Murat Yakin erklärt seine Erkenntnisse aus den ersten zwei Spielen. Key

Nimmt man die nackten Zahlen, steht in Murat Yakins Zeugnis nach den ersten zwei Partien als FCB-Trainer eine glatte 1. Mehr geben das 0:1 in Luzern und das 1:2 in der Europa League beim ungarischen Videoton FC nicht her.

Doch es gibt noch die andere Sichtweise, die sich nicht nach dem Teletext richtet. Mit der man die zwei Spiele losgelöst von den Resultaten betrachtet. Und die Gründe dafür erforscht, warum Yakin in Ungarn das System erneut wechselte und nicht weniger als sechs neue Spieler brachte.

Zuerst ist da die Erkenntnis, dass erstens der Auftritt in Luzern tatsächlich noch schlechter war, als es das Resultat ausdrückt, und Yakin wohl nicht als Massstab dient. Und zweitens, dass der FCB gegen Videoton einen veritablen Steigerungslauf hinlegte und nicht mehr die Gesamtleistung, sondern individuelle Fehler und die fehlende Effizienz vor dem Tor zur Niederlage führten.

Yakin will mehr Risiko

Videoton wurde in seinem Heimstadion über die ganzen 93 Minuten dominiert. Von einem FCB mit einer neuen Grundhaltung: Unter Heiko Vogel lautete das Motto «Safety first». Yakin nun verlangt von seinen Verteidigern einen konsequenten und gepflegten Spielaufbau, also so, wie er es als Aktiver selbst zu tun pflegte. «Mir gefällt, dass der erste Pass wieder vertikal nach vorne geht», sagt Marco Streller, als Stürmer ein grosser Profiteur der neuen Offensivausrichtung. Die neue Handschrift, fand nicht nur der Captain, habe man gegen Videoton bereits deutlich gesehen.

«Wir haben 96 Prozent richtig gemacht. Zwei Prozent haben wir hinten, zwei vorne falsch gemacht. Darum haben wir zwei Tore gekriegt und nur eines geschossen. So einfach ist das.» Yakin sagte gestern am Basler Flughafen nach der Rückkehr aus Ungarn, er habe seine Mannschaft so gesehen, wie er sich es grösstenteils vorstelle. Für das Spiel morgen in Zürich werde nur noch an kleinen Schrauben gedreht. Was heissen dürfte, dass der FCB beim Erzrivalen im 4-4-2-System antreten wird. Überraschungspotenzial hat nur die Rückkehr von Alex Frei, für den ein Mittelfeldspieler weichen muss. Kandidaten sind David Degen, Cabral oder Mohamed Salah.

Schär der Gewinner

Mit den heftigen personellen Rochaden – Yakin hat in zwei Partien 20 von 26 Kaderspielern eingesetzt – wollte der Trainer einerseits klarmachen, dass sich Wettkampfeinsätze im Training verdient werden müssen, also Meriten aus der Vergangenheit nichts mehr zählen. Andererseits veranstaltete er ein Casting, um einen Eindruck des ihm zur Verfügung stehenden Spielermaterials zu erhalten. «Ich weiss nun Bescheid», sagt er.

Wie die zahlreichen Talentshows im Fernsehen produzierte auch Yakins Casting Gewinner und Verlierer. Ein (unvollständiger) Versuch, diese herauszuarbeiten:

Innenverteidiger Fabian Schär hat Aussichten auf einen Stammplatz neben Aleksandar Dragovic. «Die beiden können ein gutes Duo werden, wenn sie weiter an ihrer Kommunikation und Spielauslösung arbeiten.» Hinten anstellen muss sich Gaston Sauro, bei dem Yakin taktische Mängel und solche im Spielverständnis ausmachte. Auch Joo Ho Park gehört zu den Verlierern. «Von ihm habe ich mir nach hinten und nach vorne mehr erhofft.» Für den Südkoreaner dürfte Kay Voser ins Team rücken.

Streller, Sommer und Dragovic gesetzt

Für Mittelfeld und Angriff ist es schwieriger, Schlüsse zu ziehen. Dank seiner Flexibilität dürfte Valentin Stocker vorerst gesetzt sein, für David Degen sprechen die zwei Einsätze von Beginn an. Fabian Freis Einwechslung brachte viel Gefahr rein, bei Marcelo Diaz waren es einige Fehlpässe zu viel. Mit Abstrichen attestierte Yakin auch Salah eine gute Leistung. Alex Frei geniesst (noch) das Vertrauen des Trainers. «Er muss uns vorne helfen.»

Zudem sind Goalie Yann Sommer, Dragovic und Streller unbestritten. Diesen Status werden weitere Spieler erhalten, wenn der FCB morgen beim FCZ an die Leistung in Ungarn anknüpft und dabei endlich wieder ein positives Resultat erreicht.