Ein knappes Jahr nach dem Cupfinal gegen Luzern hat Yann Sommer am Donnerstag gegen Tottenham in seinem zweiten Penaltyschiessen als Profi erneut brilliert. Zwar musste er «nur» einen Schuss abwehren, doch seine Parade gegen Tom Huddlestone war entscheidend. Seine Penaltystatistik: Von 29 Versuchen während der regulären Spielzeit oder einer Verlängerung ging der Ball sieben Mal nicht ins Tor. Entweder abgewehrt von Sommer oder vom Schützen wurde das Tor verfehlt. In den beiden Penaltyschiessen landeten von sieben Schüssen nur drei im Netz.

Yann Sommer, waren Sie informiert, in welche Ecke Tom Huddlestone seine Penaltys schiesst?

Yann Sommer filmt den Sieg gegen Tottenham

Yann Sommer und der FC Basel im Freudentaumel nach dem Sieg gegen Tottenham

Yann Sommer: Nein, damit hatten wir uns im Vorfeld nicht beschäftigt. Ich habe mir gesagt: Schau dir mal an, wie die Engländer schiessen und versuche dann, einen abzuwehren. Das ist zum Glück gelungen.

Sie haben sich durch den Ausgleich zum 2:2 nicht unterkriegen lassen. Einen solchen Ball wie beim Schuss von Clint Dempsey halten Sie normalerweise.

Vielleicht hat es ein bisschen unglücklich ausgesehen. Aber es war ein schwieriger Schuss. Dempsey zog voll auf, und ich erwartete eine «Bombe» –, die aber nicht kam. Der Ball flog dann genau unter meiner Hand durch ins Tor. Aber das ist mir im Moment völlig egal. Alle vier Tore, die wir gegen Tottenham kassiert haben, sind richtige «Chnorztore» gewesen. Dass wir es dennoch in den Halbfinal geschafft haben, beweist, was für eine super Mannschaft wir sind.

Die mit Chelsea nun den nächsten schweren Gegner vor der Brust hat.

Wir sagen jetzt sicher nicht, dass wir uns mit dem Erreichten zufriedengeben wollen. Wir träumen weiter und wollen unseren Weg fortsetzen – bis in den Final.

Beschreiben Sie mal Ihre Gemütsverfassung.

Die könnte besser gar nicht sein. Aber eigentlich kann ich sie gar nicht so richtig beschreiben. Auf jeden Fall zählt dieser Sieg gegen Tottenham zu den schönsten Erlebnissen meiner Karriere. Und wir haben ja auch noch Zenit eliminiert. Was diese Mannschaft leistet, ist unglaublich. Wir haben viele englische Wochen gehabt und mussten gegen Tottenham 120 Minuten marschieren. Trotzdem hat man keine müde Mannschaft gesehen. Und wer dann im Penaltyschiessen so souverän gewinnt, ist sicher verdient eine Runde weiter.

Können Sie, nach den grossen Erfolgen in der Champions League, diesen Triumph schon einordnen?

Für mich hat die Europa League einen enorm hohen Stellenwert. Wir sind nun in den Geschichtsbüchern verankert. Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Ich werde in 30 Jahren in diesem Buch blättern und sagen: Wir sind 2013 im Halbfinal gewesen – oder vielleicht sogar noch weiter.