Yvonne Hunkeler wird neue Verwaltungsratspräsidentin der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB). Die 50-jährige Unternehmensberaterin und Luzerner CVP-Kantonsrätin übernimmt ihre neue Aufgabe per 1. Januar 2018.

Hunkeler bringe mit ihrer Erfahrung im strategischen Bereich im öffentlichen Verkehr sowie in der Politik ideale Voraussetzungen für das Verwaltungsratspräsidium mit, sagte der Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements Basel-Stadt, am Freitag vor den Medien. Hunkeler steht bereits an der Verwaltungsrats-Spitze der Verkehrsbetriebe Luzern und ist Verwaltungsrätin bei den Berner Oberland-Bahnen.

Im Luzerner Kantonsrat ist Hunkeler Präsidentin der Aufsichts- und Kontrollkommission - dem Pendant zur Geschäftsprüfungskommission des Basler Grossen Rats (GPK). Aufgrund ihrer Erfahrung habe sie die neue Herausforderung gereizt, sagte Hunkeler. Dabei attestiere sie sich auch eine «gewisse Risikobereitschaft» - die jüngsten Ereignisse bei der BVB habe sie mitbekommen.

«Ruhe ins Unternehmen bringen»

Oberstes Ziel ist für Hunkeler ein kundenorientierten ÖV nach ökonomischen Prinzipien. Gleichzeitig will sie Ruhe ins Unternehmen bringen sowie Vertrauen in die Führung zu schaffen. Analysieren wolle sie die schlechten Ergebnisse der BVB-Mitarbeiterbefragung, das Sparprogramm sowie die Infrastruktur. Grossen Einfluss auf die BVB werde zudem die Digitalisierung haben.

Für das BVB-Präsidium will Hunkeler einen Teil ihrer Beratungstätigkeiten reduzieren. Für das 30-Prozent-Pensum in Basel soll sie 60'000 Franken im Jahr erhalten. Die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrats werden für eine bestimmte Anzahl Sitzungen im Jahr mit 12'000 Franken entlöhnt.

Um den Verwaltungsrat neu zu besetzen, hatte die Basler Regierung gemäss Wessels einen Headhunter beauftragt, selber die Fühler ausgestreckt und Spontanbewerbungen gesichtet. Hunkeler wurde über den Headhunter akquiriert, der auch schon für die Verkehrsbetriebe Luzern tätig war. Da es indes keine Verflechtungen zwischen den Verkehrsbetrieben Luzern und der BVB gibt, erachten Wessels und Hunkeler die beiden Mandate als unproblematisch.

Weitere VR-Mandate neu vergeben

Neu in den Verwaltungsrat gewählt hat die Basler Regierung auch den Basler Ökonomen Widar von Arx und die Juristin Sibylle Oser. Von Arx leitet an der Hochschule Luzern das Kompetenzzentrum Mobilität. Oser arbeitet bei der SBB, wo sie den Markt Italien leitet. Von den bisherigen Mitgliedern wurden Interims-Präsident Kurt Altermatt sowie Professorin Daniela Thurnherr bestätigt.

Bei der Wahl habe die Basler Regierung sehr prägnant auf die ÖV-Kompetenzen und Erfahrungen in Unternehmen fokussiert, sagte Wessels. Deshalb sei auch die bisherige Verwaltungsrätin Nadine Gautschi nicht wiedergewählt worden.

Ebenfalls nicht mehr dem Verwaltungsrat angehören wird die in Freiburg wohnhafte frühere Basler Grossrätin Miriam Ballmer (Grüne). Gemäss dem neuen BVB-Organisationsgesetz muss eine Mehrheit der von der Basler Regierung gewählten Mitgliedern in Basel-Stadt wohnhaft sein. Neben Hunkeler wohnt auch Altermatt nicht in Basel-Stadt.

Nebst den fünf vom Regierungsrat Basel-Stadt bestimmten Mitgliedern wählen die Mitarbeitenden der BVB sowie der Kanton Basel-Landschaft je ein Mitglied des siebenköpfigen Gremiums. Neuer Vertreter der Mitarbeitenden ist Tramchauffeur Manfred Gloor. Die Baselbieter Regierung bestätigte ihren bisherigen Vertreter Hanspeter Ryser. Die Amtsperiode dauert vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Dezember 2021.

Doppelrücktritt nach GPK-Bericht

Seit Juli wird der Verwaltungsrat der 2006 aus der Kantonsverwaltung Basel-Stadt ausgegliederten BVB interimistisch von Kurt Altermatt präsidiert. Dieser war als Nachfolger von Paul Blumenthal eingesetzt worden, der nach schweren Vorwürfen der GPK des Grossen Rats Ende Juni seinen sofortigen Rücktritt erklärt hatte.

Die GPK hatte den früheren SBB-Kadermann in einem Spezialbericht zu den BVB zu diversen Vorkommnissen als nicht mehr tragbar bezeichnet und die Nichtwiederwahl Blumenthals verlangt. Gleiches forderte die GPK für Paul Rüst, den Vizepräsidenten des Verwaltungsrats. Dieser nahm ebenfalls umgehend den Hut. GPK-Kritik ernetete auch Regierungsrat Wessels.

Blumenthal hatte das Verwaltungsratspräsidium nach dem unrühmlichen Abgang des früheren BVB-Direktors und in der Folge auch des früheren Verwaltungsratspräsidenten Ende 2013 übernommen. Zur Ruhe kamen die BVB unter neuer Leitung aber nicht. Für Wirbel sorgten namentlich zu harte Sparvorgaben und die umstrittene Zahlung von einer Million nach Frankreich für die Verlängerung der Tramlinie 3 nach Saint-Louis.