Rheinbord

Zähes Ringen um den Platz auf dem Rhein: Warum das Kulturschiff «Lorin» in Basel bleiben will

Anmari Wili will mit ihrem Kulturschiff «Lorin» seit zehn Jahren fest in Basel anlegen – doch ist so eine Nutzung vom Kanton nicht vorgesehen. Jetzt liegt der Fall bei der Kantons- und Stadtentwicklung. Denn als Raum für Kultur ist der Rhein noch wenig genutzt.

Der Rhein ist in Basel Hochleistungs-Verkehrsträger, Freizeitpark, Biotop und Wohnbereich in einem – alles auf einer Strecke von nur wenigen Kilometern. Seit 2009 möchte die Basler Künstlerin Anmari Mëtsa Yabi Wili ein Teil davon sein: Damals erwarb sie ein altes Frachtschiff und baute dieses zu einem Kulturschiff namens «Lorin» um. Damit legte sie nach entsprechenden Vorbereitungen in Basel an.

Womit Wili allerdings nicht rechnete: Dass sie trotz aller Abklärungen seit zehn Jahren von Behörde zu Behörde geschickt wird. Wili wollte nie nur saisonal in Basel vor Anker gehen. Sie will einen Anlegeplatz vor Ort, um das Schiff, das als Kulturinstitution gilt, am Rhein der Basler Bevölkerung zugänglich zu machen.

Aufwändige Produktion während der Art Basel

Im Juni präsentierte Wili eine aufwändige Installation während der Art Basel. Die von Basel-Stadt und Baselland geförderte Kunstperformance «Lorin’s Promenade 19» lief während insgesamt 13 Veranstaltungstagen vom 6. bis 22. Juni und war jeweils von 22 bis 24 Uhr auf dem Rhein unterwegs.

Anmari Wili spielte dabei unter anderem auf einer Onde Martenot, dem Pionierinstrument der elektronischen Musik. Dazu wurde sie vom Tanzduo Lisa Horten-Skilbrei und Ismael del Valle begleitet. Auch Radio SRF 2 Kultur würdigte die Aktion: Die Kulturjournalisten waren mit an Bord, diesen Mittwochabend wurde eine Aufzeichnung der Performance ausgestrahlt.

Doch seither muss Wili wieder zwischen Basel und Strasbourg pendeln, wo das Schiff seit vergangenem Jahr liegt. Im Gegensatz zur Stadt am Rheinknie darf sie im französischen Gewässer einen Anleger nutzen, «aber das nützt mir nichts», wie sie sagt. Denn die Projekte finden in Basel statt. Mittlerweile hat die Künstlerin genug: Sie will in Basel anlegen. Definitiv.

Fester Anlegeplatz für Kulturschiff ist Politikum

Damit fordert Wili die Basler Behörden. «Es besteht aktuell ausserhalb des Hafengebiets kein fester oder temporärer Liegeplatz, der für eine private Schiffsnutzung zur Verfügung gestellt werden könnte», sagt der Basler Kantons- und Stadtentwickler Lukas Ott. Das hätten bereits Abklärungen im Jahr 2016 ergeben. «Ob die geltenden Gesetze eine private oder auch alternative wie zum Beispiel kulturelle Schiffsnutzung an einem festen Standort ausserhalb des Hafens zulassen, ist zurzeit unter Beteiligung der Kantons- und Stadtentwicklung in Abklärung.»

Für die Rheinnutzung ist unter anderem das Tiefbauamt im Bau- und Verkehrsdepartement zuständig, für das Hafengebiet sind es die Schweizerischen Rheinhäfen. Doch die Schweizerischen Rheinhäfen sehen nach eigenen Angaben keine dauernde Privatnutzung von Anlegern auf ihren Arealen vor. Da es sich bei den Rheinhäfen um ein Logistikunternehmen handelt, hat der Güterverkehr in den Häfen in Basel und Birsfelden Priorität. So steht es auch in der Gebührenordnung. «Ausnahmen können nur in Einzelfällen und auf kurze Zeit befristet gewährt werden. Diese Möglichkeiten sind aufgrund der steigenden Nachfrage seitens der Kabinenschifffahrt jedoch sehr begrenzt», sagt Hafen-Sprecherin Jelena Dobric.

So bleibt der Kulturfrachter «Lorin» und damit die kulturelle Nutzung des grössten Basler Fliessgewässers ein Politikum. Denn Wili ist nicht die Erste, die eine kulturelle Nutzung von Schiffsraum auf dem Rhein durchführen will.

Das Nordstern-Schiff als bislang grosse Ausnahme

Tatsächlich betreibt zurzeit der Club Nordstern das fest verankerte Partyschiff auf dem Hafenareal. Doch das ist eine absolute Ausnahme, wie Dobric sagt:«Hier handelt es sich um einen historisch gewachsenen Vertrag.» Auch der Verein «Shift Mode» setzt neuerdings auf ein Schiff als Veranstaltungsraum, wandte dazu aber einen Trick an: Das alte Feuerschiff aus Irland, das derzeit ausgehöhlt und zurechtgemacht wurde, wird in den kommenden Tagen aufs Zwischennutzungsareal an Land gehievt. Damit löst «Shift Mode» das Anlegerproblem zwar elegant, doch ist das umgebaute Schiff definitiv nicht mehr fahrtüchtig.

Solche Kompromisse will Wili nicht eingehen. Die «Lorin» soll zum einen seetauglich bleiben, zum anderen als urbaner Kultur- und Veranstaltungsraum genutzt werden können. Wie etwa während der Art Basel, nur eben ganzjährig und mit einer Vielzahl verschiedener Projekte aus den Bereichen Kultur und Kunst.

Meistgesehen

Artboard 1