Es ist der Traum eines jeden Economy-Reisenden: ein Upgrade in die Business oder gar First Class ohne Aufpreis. Selten trifft dieses Glück ein, nur wenn wegen geringer Nachfrage noch Sitze in der höheren Klasse frei sind.

An der diesjährigen Baselworld hat es viel Platz. Und deshalb befindet sich der Uhrenhersteller Dartmouth Brands auf einem Höhenflug. Die Briten konnten sich in den vergangenen Jahren lediglich einen Stand in der weniger prestigegeschwängerten Halle 2 leisten. 2018 ist Dartmouth nun in die Halle 1 aufgestiegen. Dorthin, wo die ganz Grossen sind: «Wir haben den Platz von der Messeleitung angeboten bekommen», sagt der Standleiter. «Da konnten wir natürlich nicht Nein sagen.» Für Dartmouth Brands ein Glück, für die Messe ein Zeichen, dass sie wackelt: Die Zahl der Standbetreiber erodiert.

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René Kamm, Chef der Messe Schweiz, spricht derweil von einer «Transformationsphase», als er die ersten Schritte am Press day in der Halle 1 tut. Ja, die Messe sei heute kompakter, aber nicht schlechter, sagt er: «Sie ist ein Spiegel des Marktes. Die Besten überleben. Und diese präsentieren sich hier in Bestform.» Tatsächlich: Auf den ersten Blick ist die Baselworld nicht bescheidener geworden.

Neben dem Eingang wie gewohnt der mehrstöckige Bau von Bulgari, ein paar Meter weiter klotzt Hublot mit überdimensionierten Herrenmodellen und rockigem Sound. Gefolgt von Rolex, wo es glitzert und glimmert. Und die überschlanken Hostessen lächeln fein säuberlich geschminkt die Krise weg.

Geringeres Interesse

Je tiefer aber in den Hallen drin, desto verhaltener ist die Stimmung. Etwa bei den Juwelieren in der Halle 2. Hier präsentiert das italienische Label Nanis seit 18 Jahren seine Kollektionen. Geschäftsführer Piero Marangon sagt, vor nicht allzu langer Zeit sei ausser Frage gestanden, ob man an der Messe teilnehme oder nicht. «Heute ist das anders. Wegen des Fehlens grösserer Marken stellen wir ein geringeres Interesse vonseiten Besuchern und Händlern fest», sagt er. Er wisse nicht, ob er im kommenden Jahr wieder dabei sei. «Es kommt darauf an, welche Marken präsent sind. Ein Label wie Rolex hat eine enorme Strahlkraft, wovon auch wir profitieren. Ohne solche Namen macht die Teilnahme wenig Sinn.»

Optimistischer gibt sich Volker Wiegmann, Sprecher der deutschen Spezialuhren-Manufaktur Sinn. «Die Baselworld ist für uns ein Must und auf jeden Fall lohnend, um mit Kunden, Händlern und Presse ins Gespräch zu kommen und wertvolle Reaktionen zu unseren Kollektionen einzuholen.» Sinn stellt mechanische Modelle von höchster Qualität her, etwa Flieger- und Taucheruhren im Retro-Stil. Das Gehäuse der letzteren besteht aus
U-Boot-Stahl, und die Uhr ist mit Öl gefüllt, was laut Wiegmann eine perfekte Ablesbarkeit unter Wasser garantiere. Das stosse bei Besuchern als auch Händlern auf grosses Interesse.

Die Marke steht für einen Trend, der an der diesjährigen Messe augenfällig ist: Als Reaktion auf den Smartwatch-Hype sind mechanische Uhren wieder stark im Kommen. Genauso wie filigranere, weniger klotzige und weniger glimmernde Modelle. Sogar bei Swarovski und Tag Heuer entdeckt man wieder bescheidenere, schlichtere Modelle. Und das will was heissen.