Studie

Zahl der französischen Grenzgänger um über die Hälfte gestiegen seit 2004

Elsässer Grenzgänger fahren über die Hegenheimer Grenze nach Frankreich.

Elsässer Grenzgänger fahren über die Hegenheimer Grenze nach Frankreich.

Jeder dritte Franzose fährt mehr als 45 Minuten zur Arbeit in die Schweiz, 68 Prozent sind Hauseigentümer und 58 Prozent verfügen über keine dritte Säule. Das und mehr zeigt eine umfassende Studie, bei der 800 französische Grenzgänger befragt wurden.

Die französische Bank «Crédit Agricole» hat die erste umfassende Studie zu den französischen Grenzgängern in der Schweiz vorgelegt. Sie verfügt in Frankreich über Niederlassungen entlang der Grenze von Basel bis Genf und ist seit 15 Jahren in der Schweiz als «Crédit Agricole Financements» unter anderem auch in Basel vertreten.

Die Umfrage stammt vom renommierten Institut IPSOS, das von den 20 000 Grenzgänger-Kunden des «Crédit Agricole» 800 ausführlich befragt hat. Insgesamt sind die Zahlen der französischen Grenzgänger in der Schweiz von 2004 bis Ende 2014 um 60 Prozent gestiegen: Statt 94 000 liegen sie nun bei 150 000.

Dass die Zahl der Grenzgänger aus dem Südelsass sich hingegen in letzter Zeit bei 29 000 stabilisiert hat, dürfte auf ihre schlechteren Dialekt- und Deutschkenntnisse zurückzuführen sein. Die zirka 10 000 neuen Grenzgängerjobs im Raum Basel wurden fast ausschliesslich mit Deutschen besetzt.

Schweizer werden Grenzgänger

Mit 62 Prozent ist der überwiegende Anteil der Grenzgänger männlich und zwischen 40 und 54 Jahre alt. Auffällig ist, dass immerhin 11 Prozent als Nationalität die Schweiz angeben. Zum Teil mag dies auf die Zählung von Doppelbürgern zurückzuführen sein, ist aber auch ein Hinweis darauf, dass insbesondere in der Region Genf zunehmend Schweizer nach Frankreich gezogen sind und nun als Grenzgänger gelten.

Der Hauptgrund dafür, in der Schweiz zu arbeiten, ist, wie nicht anders zu erwarten, das gegenüber Frankreich höhere Lohnniveau. Wer einmal einen Job in der Schweiz hat, bleibt in der Regel auch: 57 Prozent der Grenzgänger arbeiten bereits mehr als zehn Jahre in der Schweiz, weitere 25 Prozent sechs bis zehn Jahre.

Überraschend ist, dass die Grenzgänger sich mit 96 Prozent zur überwiegenden Mehrheit ganz oder ziemlich gut in ihrem Unternehmen integriert fühlen. Die überwiegende Mehrheit antwortet so auch generell für die Schweiz und für ihr Umfeld ausserhalb der Arbeit. Bisher war man immer davon ausgegangen, dass insbesondere die französischen Grenzgänger die Schweiz nur als Arbeitsort sehen, den sie zum Feierabend so schnell wie möglich wieder verlassen und der Grad der Integration eher gering ist.

Im Unterschied zur Schweiz, wo die meisten Einwohner Mieter sind, verfügen 76 Prozent der französischen Grenzgänger über Immobilieneigentum. 68 Prozent haben sogar ein eigenes Haus. Sie investieren früher als andere Franzosen in Immobilien und 23 Prozent antworten, sie hätten derzeit ein derartiges Projekt. Von den Eigentümern haben sich 61 Prozent in Franken verschuldet. Für Grenzgänger, die ihre Stelle in der Schweiz verlieren, und den Kredit beim derzeit schwachen Eurokurs in Franken zurückzahlen müssen, könnte sich dies zum grossen Problem entwickeln – darauf wird indes in der Studie nicht explizit eingegangen.

Nicht alle kennen drei Säulen

Die französischen Grenzgänger müssen oft erhebliche Distanzen auf dem Weg zur Arbeit zurücklegen. 65 Prozent fahren mehr als 30 Kilometer und jeder Dritte mehr als 45 Minuten.

Das Schweizer System der Altersvorsorgen mit seinen drei Säulen ist immerhin 37 Prozent der Befragten unbekannt und 58 Prozent verfügen gar über keine dritte Säule.

Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative, die auch Kontingente für Grenzgänger vorsieht, beunruhigt nur eine Minderheit. 70 Prozent antworten, dass sie sich deshalb überhaupt keine Sorgen machen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich allerdings in der Franche-Comté, wo viele Grenzgänger in der Uhrenindustrie arbeiten, doch 37 Prozent Sorgen machen.

Im Südelsass zeigen sich hingegen 78 Prozent sorglos hinsichtlich der Initiative. Die überwiegende Mehrheit der Grenzgänger ist ferner davon überzeugt, dass die Initiative in Bezug auf ihren Lohn, ihre Karriere oder die Beziehung zu den Schweizer Kollegen ohne Konsequenzen bleibt.

www.ca-frontaliers.com

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