Es ist ein Aufruf, der aufhorchen lässt: Unabhängig von den verschiedenen Nein-Komitees traten gestern Montagabend rund 160 «Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen» (Selbstbezeichnung) mit einer Medienmitteilung ans Licht der Öffentlichkeit. Unter eine Auflistung der Argumente, die für sie gegen den am 10. Februar zur Abstimmung stehenden Staatsvertrag zur Fusion des Basler Universitätsspitals (USB) mit dem Kantonsspital Baselland (KSBL) sprechen, setzten alle ihren Namen, ihre Funktion und - vor allem - ihren Arbeitsort.

USB-Angestellte brauchten Mut

Was auffällt: 78 Personen sind Angestellte des USB, nur deren drei gehören zum KSBL, eine davon als Ehemalige. Der Rest sind verschiedene Fach- und Hausärzte. «Es verlangt den Spitalangestellten eine gehörige Portion Mut ab, sich gegen die Spitalleitung zu stellen», schreiben Pflegefachmann Ueli Tschamper, ein ehemaliger Stationsleiter, sowie Augenarzt Pavel Schneider, die offensichtlich hinter der Aktion stehen.

Der Grossteil der USB-Angestellten, die unterzeichnet haben, gehört zum Pflegepersonal. Interessant ist, dass erst gerade vergangene Woche der Verband der Pflegefachpersonen SBK beider Basel an einer Pressekonferenz für die Spitalfusion auftrat (die bz berichtete). Dort betonte Präsident Daniel Simon, dass der SBK der grösste Vertreter dieses Berufsstands sei, grösser etwa als der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), der sich vehement gegen die Fusion engagiert.

«Nur» 78 von 3000 Pflegepersonen unterschrieben

Auf Anfrage der bz sagt Simon zum neuen Schreiben: «Dass sich rund 80 Angestellte des USB exponieren, ist eine solide Zahl, die Respekt verdient.» Grundsätzlich erstaune es aber nicht, dass es am Unispital mehr Kritiker gibt, da das Personal mit der Fusion gewisse Abstriche bei der Pensionskasse in Kauf nehmen müsse. Ausserdem relativiert Simon: «Am USB arbeiten zirka 3000 Pflegefachpersonen.» Die grosse Mehrheit sei schweigend, zum Beispiel Grenzgänger, die sich wohl weniger engagieren würden. «Wir vom SBK haben unsere Haltung aufgrund von Umfragen und direkten Gesprächen gefasst und stehen weiter für eine Fusion ein.»

Argumente nur aus Basler Sicht

Simon weist auch darauf hin, dass der Verband in dieser Frage das Personal in beiden Kantonen vertreten müsse. Und da steht für ihn fest: «Das KSBL hat ohne Fusion keine Überlebenschance.» Für das Personal dort gehe es also noch stärker um seine berufliche Existenz, was die geringe Beteiligung an dem Aufruf erklären könnte. Das Argumentarium des Schreibens deutet allerdings auch darauf hin, dass hier gezielt fast nur in Basel-Stadt mobilisiert wurde.

Die Unterschreibenden lehnen sich nämlich stark an die Kritikpunkte des VPOD oder der Basler SP an. So sehen sie wegen der Rechtsform der Aktiengesellschaft (AG) die «Gefahr einer Privatisierung der öffentlichen Spitäler». Auch sei es «aus gesundheitspolitischer Sicht völlig unsinnig», den Standort Bruderholz des KSBL zu erhalten. Zudem verweisen sie auf die «unabsehbaren Kosten», die eine Fusion für das USB und den Kanton Basel-Stadt nach sich ziehen könnte.