Zahnweh verdirbt die Laune, da will niemand lange auf einen Termin warten, damit der Zahnarzt mit dem Bohrer dem Schmerz ein Ende setzt. Und für die Dentalhygiene durch die halbe Stadt reisen, das war gestern. Das wissen nicht nur «Die Zahnärzte». Das Netzwerk betreibt seit sieben Jahren am Basler Bahnhof SBB eine Gruppenpraxis an der Centralbahnstrasse 20. Nun erhalten «Die Zahnärzte» eine direkte Konkurrenz: Am 3. November eröffnet das «Zahnarztzentrum» eine neue Gruppenpraxis an der Centralbahnstrasse 11, wo einst der Interdiscount eingemietet war. Das «Zahnarztzentrum» hat dieses Jahr die Praxis «Am Aeschenplatz» (AAE) übernommen und gleichzeitig auch die Pläne des ehemaligen Inhabers für den Standort am Bahnhof.

Die Konzepte der beiden Anbieter sind denkbar ähnlich: An 365 Tagen im Jahr sind Zahnärztinnen und Zahnärzte im Einsatz und das von morgens früh bis abends spät. Notfallkonsultationen sind noch am Tag der Anfrage möglich. Vergleichbar ist die Entwicklung mit der Hausarztmedizin: Praxisnetzwerke und Permanence-Praxen am Bahnhof oder in der Nähe – in Basel ist das zum Beispiel Medix Toujours – treten an die Stelle des langjährigen Hausarztes. Im Unterschied zur Hausarztmedizin allerdings herrscht bei den Zahnärzten ein freier Markt.

Direkte Konkurrenten

Es ist kein Zufall, dass der Bahnhof attraktiv ist für Anbieter aus dem Gesundheitsbereich. «Es gibt keinen Ort, an dem es mehr Publikum gibt. Und wir dürfen länger offen haben», fasst dies Jacques Schultheiss, Mitgründer von «Die Zahnärzte» die Hauptgründe zusammen. Sein Praxis-Netzwerk umfasst acht Standorte in beiden Basel. Die direkte Konkurrenz des «Zahnarztzentrums» nimmt er gelassen. «Es ist ein freier Markt. Konkurrenz belebt das Geschäft und zwingt einem, eine noch bessere Leistung zu erbringen.» Insgesamt gebe es in Basel zu viele Zahnärzte, sagt Schultheiss. Die Gesundheitsstatistik von 2013 weist in Basel-Stadt 170 Zahnärzte mit Praxisbewilligung aus. Aber: «Unser Einzugsgebiet ist viel grösser, es kommen viele Pendler zu uns.» Er ist überzeugt, dass die Praxisnetzwerke keine direkte Konkurrenz für klassische Einzelpraxen sind.

«Wir nehmen den Basler Zahnärzten keine Patienten weg», sagt Susann Lorani, Betriebschefin des «Zahnarztzentrums». Die Gruppenpraxis am Bahnhof wird für die Kette der zweite Standort in Basel – und schweizweit der 31.. «Über Konkurrenz machen wir uns keine Gedanken», sagt Lorani. Auch in anderen Schweizer Städten wie Zürich habe die Kette Praxen in direkter Konkurrenz zu anderen. «Am Bahnhof hat es Platz für zwei.» Das gilt aber nicht unbedingt für andere Standorte. Das «Zahnarztzentrum» hat diesbezüglich am Barfüsserplatz schon einschlägige Erfahrungen gemacht. Die Praxis lief nicht wie gewünscht und wurde darum 2011 verkauft – an «Die Zahnärzte», die nun den Standort nach eigenen Angaben erfolgreich betreiben.

Qualität, nicht tiefe Preise

Im Wettbewerb um Patientinnen und Patienten werben die beiden Zahnarztketten übrigens nicht mit tiefen Preisen. Viel mehr betonen sie die Qualitäten ihres Angebots. «Durch die Grösse können wir alle Spezialitäten anbieten und uns auch teurere Geräte leisten», sagt Schultheiss. Ein einzelner Zahnarzt könne heute die Investition in die Geräte kaum mehr stemmen. Geld sparen lasse sich im Einkauf des Materials wegen der grösseren Mengen und durch den gemeinsamen Auftritt. Auch für die Angestellten ergeben sich gewisse Vorteile. Teilzeitarbeit beispielsweise ist bei den «Zahnärzten» schon fast die Regel: «Wir tun etwas für die Frauen», sagt Schultheiss. Ähnlich tönt es beim «Zahnarztzentrum»: «Was uns ausmacht ist, dass bei uns alle Spezialisten im Haus sind und sich die Patienten bei uns umfassend behandeln lassen können», sagt Lorani. Und betont: «Bei uns liegen die Kosten im Durchschnitt der Stadt.»

Aus Sicht der SSO Basel, des kantonalen Ablegers der Schweizerischen Zahnärzte Gesellschaft, gibt es zum Wettrüsten am Bahnhof nicht viel zu sagen: «Ob es zu viele sind, das wird der Markt entscheiden», sagt SSO-Sprecherin Claudia Bracher. Die neue Basler Kantonszahnärztin sieht das ähnlich: «Es ist eine freie Marktwirtschaft», sagt Irène Hitz. Letztlich entscheide die Qualität eines Anbieters.