Baseldytsch
Zeedel-Schreiber Alexander Sarasin: «Jeder darf schreiben, wie er will»

Den Baslern liegt ihr Dialekt besonders fest am Herzen. «E bsundre Farbflägg», «e Spezialiteet», «e Rariteet» sind nur ein paar Ausdrücke, wie eingefleischte Basler, für die ihre Heimatstadt Passion ist, ihr «Baseldytsch» beschreiben.

Muriel Mercier
Merken
Drucken
Teilen
Nach der Fasnacht liegen Dutzende Zeedel in den Strassen Basels.

Nach der Fasnacht liegen Dutzende Zeedel in den Strassen Basels.

Keystone

Die Sprache aber ist lebendig, sie verändert sich. Darum entwickeln sich das gesprochene und das geschriebene Baseldeutsch zunehmend auseinander. Viele Basler schreiben nicht mehr so, wie sie sprechen oder sie bekommen Mundart nicht mehr aufs Blatt.

Zeedel-Schreiber Alexander Sarasin braucht immer wieder das Wörterbuch.

Zeedel-Schreiber Alexander Sarasin braucht immer wieder das Wörterbuch.

Zur Verfügung gestellt

Zeedel-Schreiber können es perfekt

Wer sich dem «Baseldytsch» jeden Tag mit vollem Herzblut widmet, sind unter anderem die Schnitzelbänggler und Zeedel-Schreiber, die an der Basler Fasnacht ihre Verse in perfekter Mundart wiedergeben. Je spitzfindiger, umso besser.

Einer von ihnen ist Alexander Sarasin, Mitglied im Fasnachts-Comité und alt Obmann bei den Schnooggekerzli. Für die Clique schreibt er heute noch Zeedel. Im Interview erklärt er, wie sich das «Baseldytsch» in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Herr Sarasin, warum braucht es dieses neue Wörterbuch?

Alexander Sarasin: Für mich als Zeedel-Schreiber ist das Buch auf jeden Fall hilfreich. Die Baseldeutsch-Ausdrücke kenne ich natürlich, aber deren Schreibweise muss ich manchmal nachschauen.

Holen Sie dann das Wörterbuch von Rudolf Suter aus dem Regal oder die neue Ausgabe, die Professoren und Mitarbeitende am Deutschen Seminar ausgearbeitet haben?

Ich konsultiere Suter. Er hat das Alt-Baseldeutsch gepflegt und für die Zeedel benutze ich lieber das. Was nicht heisst, dass ich die neue Ausgabe für eine dumme Idee halte. Im Gegenteil: Das ist eine gute Sache. Es ist wichtig, dass die Leute das «Baseldytsch» gut lesen können. Ich war acht Jahre lang Obmann bei der Fasnachtsclique Schnooggekerzli und habe zum Beispiel die Einladungen auf Hochdeutsch verfasst, damit sie alle mühelos verstehen konnten.

Das Wort Mundart beschreibt eigentlich die gesprochene Sprache. Darf man Baseldeutsch überhaupt schreiben?

Klar darf man das. Es gibt keinen Baseldeutsch-Duden. Jeder darf schreiben, wie er will. Der Mundartdichter Blasius (gestorben 1992, Anm. der Redaktion) hat das «Johr» mit oh geschrieben, heute schreibt man es mit zwei o. Einfach so.

Die Sprache hat sich also verändert. Passen Sie persönlich Ihren Dialekt an unsere Zeit an?

Ja, ich rede nicht mehr so extrem «Baseldytsch», wie ich das zu Hause gelernt habe. Zum Beispiel sage ich nicht mehr «iibel», sondern «übel». Sonst versteht mich ja niemand. (Lacht.)

Beobachtet man sich an der Fasnacht unter den Zeedel-Schreibern und kontrolliert, nach welcher Schreibweise die anderen ihre Texte verfassen?

Ich schaue mir im Comité manchmal die Zeedel der Stamm-Cliquen an. Aber meine Zeedel schreibe ich nach meiner Vorstellung von Baseldeutsch.

Gibt es häufige Fehler, die beim Schreiben immer wieder begangen werden?

Früher hat man lange i – zum Beispiel bei der Farbe «wyss» – mit y geschrieben. Das neue Wörterbuch hat diesen Buchstaben nun rausgestrichen, denn jemand, der sich nicht in der Baseldeutsch-Szene aufhält, versteht nicht, warum y und nicht i. Wenn ich meiner Frau in einer SMS ein Wort mit y geschickt habe, hat sie auch immer nachgefragt. Dass das y jetzt gefallen ist, finde ich gut.