Stadtreinigung
Zehn junge Basler wischen Strassen für die Ferien

Ein Ferienjob der anderen Art: Die 21-jährige Noëmi Ackermann und die 16-jährige Nicole Rohrer stehen drei Wochen lang mit dem Kehrbesen auf der Strasse. Sie wissen auch schon, was sie mit dem hart verdienten Geld machen wollen.

Joël Hoffmann
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Noëmi Ackermann ist eine von vier Frauen, die einen Ferienjob bei der Stadtreinigung hat.
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Die 21-jährige Studentin ist bereits zu dritten Mal dabei.
Mit ihrem Lohn finanziert sie sich ihre Reisen nach Berlin.
Ein Strassenwischer muss manchmal auch Unkraut jäten.
Ein Ferienjob bei der Stadtreinigung
Die 16-jährige Schülerin spart für eine neue klassische Gitarre.

Noëmi Ackermann ist eine von vier Frauen, die einen Ferienjob bei der Stadtreinigung hat.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Die geräumige Küche der Stadtreinigung erzittert rhythmisch. Über den Männern in den signalfarbenen Tenüs donnern Autos und Lastwagen hinweg. Die Strassenkehrer essen ihr Znüni im Innern der Autobahnbrücke. Trotz des Getöses der A2 unterhalten sie sich lebhaft – vorwiegend auf Italienisch.

Es ist neun Uhr. Ruhig und gelassen sitzen zwei junge Frauen an dem Tisch in der Ecke und geniessen ihre Pause: die 21-jährige Noëmi Ackermann und die 16-jährige Nicole Rohrer. Sie leisten einen ungewöhnlichen Ferienjob: Drei Wochen lang stehen sie mit dem Kehrbesen auf der Strasse. Zehn junge Menschen sind in ihren Sommerferien für die Stadtreinigung auf Tour – darunter sind vier Frauen. Das sind so viele wie noch nie. Ackermann ist fast schon ein alter Hase: Seit drei Jahren geht sie jeweils in den Sommerferien auf Abfalljagd.

Früher Arbeitsbeginn

Der frühe Arbeitsbeginn von sechs Uhr morgens ist für beide überhaupt kein Problem. «Dann ist es noch nicht so heiss, und um halb vier haben wir bereits Feierabend», erklärt Ackermann. Den ganzen Tag auf den Beinen zu stehen und die heissen Temperaturen – das ist für die jungen Frauen anstrengend. Aber sie wissen genau, wofür sie sich abmühen: Ackermann, die sich an der Fachhochschule in Liestal zur Primarlehrerin ausbilden lässt, will ihren Lohn von 700 Franken pro Woche für Ferien und Reisen nach Berlin verbraten. Auch Nicole Rohrer will sich mit ihrem hart verdienten Geld die Ferien finanzieren, doch die Gymnasiastin spart einen Teil davon auch für eine neue klassische
Gitarre.

Weibliche Strassenkehrer sind eher selten. Die beiden haben aber überhaupt kein Problem damit, von Männern umgeben zu sein. Neuling Nicole Rohrer muss sich lediglich noch an die sprachlichen Sitten gewöhnen: «Die Männer ärgern sich die ganze Zeit.» Aber nicht über die beiden Frauen, denn auf die Leistung der beiden angesprochen meinen die alteingesessenen Strassenkehrer unisono «tipptopp».

«Zigarettenstummel nerven»

Um 9.15 Uhr schwärmen die orangefarbenen Autos aus. Bevor Ackermann ihren Besen zur Hand nimmt, zieht sie sich ein paar Handschuhe an: «An das Wischen hab ich mich zwar gewöhnt, aber an meinen Händen will ich dennoch keine Hornhaut.» Schweigsam, zügig und routiniert wischt sie Abfall für die Reinigungsmaschine zurecht. Das sieht alles äusserst einfach aus. Doch Noëmi Ackermann winkt ab: «Das Wischen ist überhaupt nicht so leicht, wie es aussieht.»

Ein kleiner Windstoss verweht die gerade zusammengetragenen Blättchen, und mit einem leichten Grinsen fügt die 21-Jährige an: «Mit dem Wind macht die Arbeit keinen Spass.» Nicole Rohrer hat keine Handschuhe an: «Hornhaut habe ich ja bereits vom Gitarrenspielen», witzelt die Gymnasiastin.

Die Frohnatur ärgert sich über Leute, die ihren Abfall auf den Boden schmeissen: «Ich geh dann aber nicht gleich die Abfallsünder anschnauzen.» Mühsam seien vor allem die vielen Zigarettenstummel, die überall herumliegen. Die beiden Frauen wissen eben, wie anstrengend es ist, die Stadt sauber zu halten.

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