Fernbuslinien, Billigflieger und Hochgeschwindigkeitszüge: Die Nachtzüge sind unter Druck. Der Verband «Umverkehr» setzt sich im Namen von Wahlfreiheit der Kunden und im Interesse der Umwelt für ihren Erhalt ein. Mit einer Petition, die rund 10 000 Personen unterschrieben haben und die morgen in Bern dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) übergeben wird, fordert er von Bundesrätin Doris Leuthard und SBB-Chef Andreas Meyer, das langsame Aussterben der Nachtzüge zu stoppen.

Gestrichene Linien aktivieren

Die Petition setzt sich dafür ein, bereits gestrichene Linien wie Zürich–Rom, Zürich–Barcelona, Basel–Moskau und Basel–Kopenhagen wieder in Betrieb zu nehmen. Ferner heisst es: «Von einem attraktiven Nachtzugnetz sind nur sieben direkte Verbindungen aus der Schweiz übrig geblieben. Und auch diese Nachtzüge sind bedroht.» Von Basel aus handelt es sich um die Züge nach Amsterdam, Hamburg, Berlin und Prag.

Die SBB werden aufgefordert, «eine Strategie für den internationalen Schienenpersonenverkehr mit besonderer Berücksichtigung der Nachzugverbindungen auszuarbeiten.» Mediensprecher Reto Schärli betont aber: «Die SBB konzentriert sich strategisch auf Reisezeiten von vier bis sechs Stunden. Bei längeren Reisezeiten können wir mit den Angeboten der Fluggesellschaften nicht mithalten.» Deshalb habe man auch das Nachtangebot nach Mailand eingestellt. «Aus Erfahrung wissen wir, dass eine Nachtzugflotte sehr hohe Kosten verursacht.» Ferner nehme die Akzeptanz von Nachtreisen bei den SBB-Kunden laufend ab.

Philippe Koch, Geschäftsleiter Umverkehr, geht davon aus, dass die Deutsche Bahn (DB), die hauptsächlich für die Züge ab Basel verantwortlich ist, in den nächsten drei bis fünf Jahren das Rollmaterial ersetzen müsse. «Das ist aber nicht vorgesehen.» Es sei notwendig, in die Qualität zu investieren. Tatsächlich sorgen schlechter Service, veraltetes Rollmaterial und Verspätungen für kein gutes Image der Nachtzüge.

Dennoch sind sie laut Ulrich Homburg, Vorstand DB-Personenverkehr, der sich im Januar vor dem Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags äusserte, gut gebucht. Das Problem sei ein Jahresverlust von 30 Millionen Euro. Zurückzuführen sei dies auch auf steigende Kosten im Ausland.

Philippe Koch weiss hingegen von internen Zahlen, dass das gesamte Netz nur wenig defizitär sei. Die DB-Medienstelle verweist darauf, dass die Nachfrage in den «Nischengeschäften» Nachtzug und Autozug in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent zurückgegangen sei. Der in der Schweiz beliebte Autoreisezug Lörrach–Hamburg wird deshalb Ende 2017 eingestellt.

Die Verbindungen ab Basel sollen erhalten bleiben. Die DB arbeite daran, dieses Konzept zukunftsfähig zu machen, teilt eine Sprecherin mit: «Ziel ist es, für die Zeit ab 2016 auf einer dann verkleinerten Umsatz- und Kostenbasis ein zukunftsfähiges Nachtzug-Konzept zu etablieren.»