Rhein

Zeit reif für Rheinbord-Neugestaltung: Auch Kleinbasler Koryphäen für neue Pläne

Namhafte Kleinbasler wie Kulturfloss-Kapitän Tino Krattiger und IG-Kleinbasel-Präsident André Auderset würden einen neuen Projektwettbewerb zum Rheinbord begrüssen. Die Zeit wäre reif für eine neue Planung mit neuer Perspektive.

Ein ganz neuer Projektwettbewerb für das intensivst genutzte Kleinbasler Rheinufer unter Einbezug aller im vergangenen Jahrzehnt gemachten Erfahrungen: Diese Forderung stösst mittlerweile auf den Zuspruch diverser Parteien, die das Rheinbord beanspruchen. Wie diese Zeitung berichtete, verfügt der Kanton bereits über Pläne, wie er das Rheinufer ab Mitte der 2030er-Jahre umzubauen gedenkt, also sobald eine Gesamtsanierung der Leitungen fällig wird. Doch das Konzept dazu stammt aus dem Jahr 2009. Ein spruchreifes Projekt daraus gab es aus Spargründen, wie es vonseiten Regierung hiess, nie. In 20 Jahren wäre dieses Konzept 30 Jahre alt und damit derart veraltet wie die aktuelle Rheinufergestaltung, die aus den 1970ern stammt.

Jetzt äussert sich auch Tino Krattiger, Gründer des Festivals «Im Fluss», dazu: «Sollte anlässlich dessen tatsächlich ein Miteinander stattfinden: Dann Ja zu einer Neuauflage.» Doch das erfordere aus seiner Sicht absolute Transparenz im gesamten Prozess, auch in Bezug auf die Anwohner-Vertretung. «Sollten Sonderwünsche durchs Hintertürchen reingemogelt werden, gehe ich auch nach 20 Jahren wieder auf die Barrikaden.»

Erste Allianzen

Krattiger hat vor 20 Jahren seine Erfahrungen gemacht: Damals setzte er sich vor dem Bundesgericht gegen Anwohnerklagen durch, die das Festival «Im Fluss» verhindern wollten. Er bekam Recht. Das Urteil gilt als wegweisend für diese Art von Event-Nutzung des Kleinbasler Rheinufers. Ende Juli feiert das Floss sein 20-Jahre-Jubiläum.

Tatsächlich würden die Anwohner eine Neuauflage der Rheinbordplanung vom Solitude-Park bis zur Dreirosenanlage begrüssen, wie bereits Vertreter des Vereins Rheinpromenade Kleinbasel sagten. Damit sind sie sich auch mit Grossräten des Vereins «Kulturstadt Jetzt» einig.

Auderset: «Zeit spricht für vorausblickende Planung.»

Die Tatsache, dass zumindest über diesen Punkt Einigkeit herrsche, sei ein deutlicher Fortschritt, sagt LDP-Grossrat André Auderset, Präsident der IG Kleinbasel. «Angesichts dessen, dass wir nicht sofort am Rheinbord bauen müssen, wäre eine neue, vorausblickende Planung durchaus zu begrüssen.» Dabei sei aber zu beachten, dass das Rheinbord nicht flächendeckend zur Bespassungszone einer ganzen Agglomeration werde. «Je mehr Gelegenheiten es zur Partynutzung gibt, desto stärker werden diese auch genutzt», so Auderset. Die Anwohnerinteressen sollen deshalb ernstgenommen werden, da ansonsten Neuauflagen keinen Sinn machen würden. Im Grundsatz verweist Auderset auf eine differenzierte Rheinbord-Gestaltung, die auch ruhigere Abschnitte erlaube.

«Der Rhein ist zentral gelegen und der bedeutendste Freiraum in Basel. Als Erholungsraum hat er einen sehr hohen Stellenwert für die Lebensqualität in der Kernstadt», sagt Kantons- und Stadtentwickler Lukas Ott. Diese Stärke sei weiter zu pflegen und zu entwickeln: «Dies betrifft vor allem Fragen des Zusammenlebens und der gegenseitigen Toleranz und Rücksichtnahme.» Laut Ott findet eine dynamische Weiterentwicklung der Uferzone statt. Er verweist dabei unter anderem auf das Programm «#Rhylax», des Kantons, das via Plakate, Social Media und einem Team aus soziokulturellen Animatoren ein respekt- und rücksichtsvolles Verhalten am Rhein fördern soll. Zu baulichen Planungen verweist Ott aufs Planungsamt des Bau- und Verkehrsdepartements. Dieses hatte bereits vergangene Woche die Möglichkeit einer Neuauflage signalisiert, sollte die Politik dies wünschen.

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