Vorstadttheater Basel

Zeitenwende im Vorstadttheater Basel: Es zieht an den Allschwilerplatz

Matthias Grupp und Gina Durler brechen mit dem Vorstadttheater zu neuen Ufern auf. Bild: Kenneth Nars

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Matthias Grupp und Gina Durler brechen mit dem Vorstadttheater zu neuen Ufern auf. Bild: Kenneth Nars

Die Jahre des Vorstadttheaters im St. Alban sind gezählt. Warum das «Theater für alle Generationen» 2023 ins Oekolampad zieht.

Grosse Veränderungen kommen oft unerwartet. Eigentlich haben sie nur ein Provisorium für das Vorstadttheater gesucht, Gina Durler und Matthias Grupp, Leitungsteam der Bühne in der
St. Alban-Vorstadt 12. Vor dem Theater steht eine Holzkonstruktion, ein gedeckter Gang mit Sommerbühne. Einerseits corona-tauglich, andererseits zum Schutz der Zuschauer vor der kommenden Grossbaustelle.

Das Vorstadttheater an seinem jetzigen Standort, im Innenhof der St.Alban-Vorstadt 12.

Das Vorstadttheater im St. Alban

Das Vorstadttheater an seinem jetzigen Standort, im Innenhof der St.Alban-Vorstadt 12.

Die Christof Merian Stiftung lässt angrenzend an den Innenhof vom Büro Herzog & de Meuron einen neuen Hauptsitz bauen. Die Bauarbeiten wurden auf kommendes Jahr verschoben. Um den Lärmemissionen aus dem Weg gehen zu können, hat sich die Leitung des Vorstadttheaters nach einer Zwischenlösung umgeschaut. Gefunden hat sie jedoch eine neue, dauerhafte Bleibe.

Ein unwiderstehliches Angebot

Die von der Roche-Erbin Sabine Duschmalé gegründete Stiftung Wibrandis hat im Sommer die Kirche Oekolampad am Allschwilerplatz gekauft. Aus dem Gotteshaus wird ein Kultur- und Quartierzentrum. Der Verein Wirrgarten, eine Tagesstätte für Demenzkranke, Amie Basel, ein Verein, der jungen Müttern bei der Berufsintegration hilft, ein Quartierzentrum und das Vorstadttheater werden die Kirche im Gotthelf-Quartier ab Herbst 2023 neu beleben.

Neben den genannten Institutionen sind ein Restaurant mit Aussenplätzen und ein kostenfreier Aufenthaltsraum geplant. Welches Architekturbüro den denkmalgeschützten Ziegelbau umbaut, wird die Stiftung Mitte November kommunizieren. Für den Allschwilerplatz selbst läuft derzeit ein Verfahren für eine Neugestaltung.

Wieso aber verlässt das Vorstadttheater, seit 1979 im St. Alban domiziliert, den lauschigen Innenhof mitten in der Stadt, um an einen Platz an der Grenze derselben zu ziehen?

«Die Situation hier wird nach dem Bau des Verlagshauses eine andere sein», sagt Matthias Grupp. Ein Teil des eh schon kleinen Theaterhauses muss dem Neubau weichen. Der Innenhof wird anders aussehen. «Kommt hinzu, dass das Theater saniert werden müsste. Die Platzverhältnisse sind beschränkt. Es fehlen Toiletten in den Garderoben, das Haus müsste isoliert werden.»

Gina Durler, seine Partnerin im Leben und Co-Leiterin im Theater, sagt, es sei schon Wehmut mit dem absehbaren Abschied verbunden. Auch alle mit dem Haus assoziierten Künstlerinnen und Künstler würden die Atmosphäre im St. Alban schätzen. Aber die Vorteile eines Neustarts im Oekolampad überwiegen schlicht und einfach.

Die ehemalige Kirche Oekolampad wird ab Herbst 2023 zum Kultur- und Quartierzentrum am Allschwilerplatz.

Oekolampad

Die ehemalige Kirche Oekolampad wird ab Herbst 2023 zum Kultur- und Quartierzentrum am Allschwilerplatz.

«Wir erhalten Platz für mehr Zuschauer, eine Probebühne, Werkstätten, Büros, ein Sitzungszimmer und eine Theaterbar», so Durler. «Und die Stiftung Wibrandis ermöglicht dies zu denselben Mietkonditionen wie hier», ergänzt Matthias Grupp.

Und die Betriebskosten? Die würden, so Gina Durler, kaum grösser. Die Theaterleute planen mit dem Umzug keine betriebliche, eher eine inhaltliche Erweiterung. «Basel erhält ein Haus für Kinder- und Jugendtheater. Und dies erst noch in einem Quartier, wo viele Familien leben. Wir möchten im Oekolampad Platz und Infrastruktur für die hiesige und auswärtige Szene bieten», erklärt Grupp.Vielleicht sei in den neuen Räumen sogar ein kleines Festival möglich.

Und Gina Durler ergänzt: «Wir möchten den zurzeit getrennten Szenen von Erwachsenen- und Jugendtheatern neue Impulse verleihen.» Doch bis im Herbst 2023 braucht es noch Geduld und viel Arbeit. Vorerst steht die Eröffnung der laufenden Saison an.

Bis Ende Jahr stehen Märchen im Zentrum

Kommendes Wochenende startet das Vorstadttheater mit einem Familienkonzert der Band Silberbüx und der belgischen Tanztheaterproduktion «Beat it» in die Saison. Vom 24. bis 30 Oktober ist«Das dritte Leben» nochmals zu sehen. Eine fantastisch-poetische Hausproduktion über das Älterwerden.

Der November und Dezember stehen ganz im Zeichen des Märchens. Unter der Regie von Gina Durler werden Matthias Grupp und sein Bruder, der Musiker Florian Grupp, die «Märchen von Michael Köhlmeier» in eine expressive Bildwelt übersetzen. Die Produktion um die Textsammlung des österreichischen Autors bildet das Zentrum des Schwerpunktes. Eine Adaption des Bilderbuchs «Der Prinz im Pyjama», ein Podium mit dem Autor Köhlmeier und «Der Wolf und die 7 Geisslein», interpretiert von Margrit Gysin, sorgen bis Ende Jahr für Unterhaltung und Reflexion zum Kosmos der Märchen.

Vorstadttheater Basel
St. Alban-Vorstadt 12. Das ganze Programm unter www.vorstadtheaterbasel.ch.

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