Der «Tanzfaktor Interregio» ist ein wichtiger Anlass für alle Tanzbegeisterten. Doch auch Leute, die wenig Zugang zu dieser Kunstform haben, kommen auf ihre Kosten: Mit seinen fünf Kurzstücken bietet der Abend einen idealen Einstieg und einen Einblick in das zeitgenössische Tanzschaffen der Schweiz.

Gegründet wurde der Tanzfaktor vor 13 Jahren vom Tanzbüro Basel als Plattform für den tänzerischen Nachwuchs. Inzwischen wird der Anlass biennal durchgeführt und koordiniert vom Tanznetzwerk Schweiz Reso. Aufgebaut ist der Tanzfaktor wie ein Wettbewerb: Bereits etablierte Choreografen und Newcomer reichen ihre Kurzstücke ein. Dieses Jahr waren es 90 Einsendungen aus der ganzen Schweiz, aus denen die Jury fünf Stücke ausgewählt und zur Aufführung gebracht hat.

Essstäbchen tanzen ein Duett

Den Anfang machen Félix Duméril und Misato Inoue, das Schweizerisch-Japanische Duo, das seit sieben Jahren gemeinsam auf der Bühne steht und choreografiert. Mit «Another Chopstick Story» nehmen sie Bezug auf Puccinis Oper «Madame Butterfly», in der ein amerikanischer Offizier eine Geisha heiratet. In den Wirrungen der interkulturellen Kommunikation pirscht sich ein riesiger Militärmantel an einen gelben Kimono heran.

Schliesslich ergibt sich ein witziges Duett mit zwei roten Essstäbchen, getanzt auf sehr hohem Niveau. Und anders als in der tragischen Puccini-Oper hat das Stück einen versöhnlichen, zärtlichen Schluss. Von Annäherungen über Altersgrenzen hinweg erzählt «To be or Orthopädie», getanzt vom Kilian Haselbeck und Meret Schlegel. Die Tänzerin und den Tänzer trennen fast zwei Generationen. Dennoch ist die Anziehungskraft spürbar, sie kommen sich nahe und legen ihre Köpfe leicht schief, bereit zum Kuss.

(Quelle: Youtube.com)

Tanzfaktor Interregio 2013

Doch es kommt anders: Statt eines Kusses drückt sie ihm eine farbige Wäscheklammer an die Lippen. Das Spiel geht weiter, bis beide von Ohrläppchen über Unterarme bis Bauch völlig übersät sind mit Klammern. Das witzige und berührende Stück gipfelt in einem Duett mit Contact Improvisation-Einlagen.

Tänzerische Gebärdensprache

Eher aus dem Bereich des Unbewussten schöpfen Christina Mertzani und Evangelos Puolinas in ihrem Stück «metamorfosis». Aufeinander liegend robben sie durch den düsteren Raum. Mit kleinen, blitzartigen Bewegungen kommen sie von einer skurrilen Zweierposition in die nächste, begleitet von einer sogartigen Geräuschkulisse.

Derrick Amanatidis und Ariel Cohen setzen sich in «About Strange Lands and People» (Choreorafie von Joshua Monten) tänzerisch mit der Gebärdensprache auseinander. Eine hinreissende Kurzchoreografie, in der die amerikanische Tänzerin und der griechisch-australische Tänzer mit viel Sinn für Slapstick und kaltschnäuzigem Humor begeistern.

Zum letzten Stück werden die Zuschauer auf die Bühne gebeten, in einem Kreis um die beiden Tänzer József Trefeli und Gyula Cserepes sitzend. «Jinx 103» ist inspiriert vom traditionellen ungarischen Paartanz, den sich Trefeli/Cserepes zueigen machen. Zum Finale werden ihre Sprünge immer höher und wilder, unterstützt von Bodypercussion und zur Begeisterung des Publikums in der ausverkauften Kaserne.