Basel

Zentralisation der psychiatrischen Dienste — der Bau der Kinderklinik ist fertiggestellt

Der Bau der psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche ist fertiggestellt. Am vergangenen Freitag wurden die Räumlichkeiten an der Wilhelm-Klein-Strasse eröffnet. Vor allem die Zentralisation der psychiatrischen Dienststellen bringt viele Vorteile mit sich. Ab Mitte Oktober startet der Betrieb der Kinderklinik an der Wilhelm-Klein-Strasse für 22 Betreute.

Grosse runde Fenster, breite Gänge und kahle Betonwände: Momentan ist noch viel offener Raum im Neubau. In drei Wochen sieht es hier anders aus. Dann wird nämlich der Therapie- und Schulbetrieb aufgenommen. Dass der Umzug endlich zur Realität wird, ist für Lukas Engelberger, Vorsteher des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt, eine grosse Erleichterung: «Nach den vielen Kontroversen im Vorfeld fühlt es sich sehr gut an.»

Der feine Unterschied zwischen Beton und Holz

Der Regierungsrat spricht von den Stimmen, die ab 2012 während der Planungsphase aufgrund des neuen Standorts laut geworden sind. So hätten bei vielen Gegnern des Projekts zuerst Vorurteile abgebaut werden müssen, sagt Engelberger. Wo jene nämlich die Nachteile des neuen Standorts witterten, sieht der Regierungsrat gerade die grossen Stärken: «Die Nähe zur Klinik für Erwachsene schadet nicht, im Gegenteil: Sie hilft.» Dank der unmittelbaren Nachbarschaft hätten Jugendliche die Möglichkeit, sich in der Gärtnerei oder im Tierpark körperlich zu betätigen und den Austausch mit Erwachsenen zu pflegen. Ausserdem sei es für das Personal förderlich, sich austauschen zu können. Auch Alain Di Gallo, Direktor der Kliniken, sieht in der Ballung einen grossen Pluspunkt: «Es ist wie ein Quantensprung. Wir haben nicht nur neue Räumlichkeiten für die Klinik, sondern befinden uns jetzt auch in unmittelbarer Nähe zur Forschung und zur Tagesklinik für Vorschulkinder.»

Nach der Schlichtung ging es dann schnell voran: Eineinhalb Jahre dauerte die Errichtung der neuen Klinik. Die zuständigen Architektinnen sahen sich bei der Planung des Gebäudes hohen Ansprüchen gegenüber: Da sich im Gebäude nicht nur Therapie- und Wohnräume, sondern auch Schulzimmer befinden, sollte die Klinik in drei Bereiche eingeteilt werden. Während der Eingangsbereich im Erdgeschoss mit Betonboden und einem offenen Begegnungszentrum den öffentlichen Teil des Gebäudes darstellt, soll der hintere Bereich mit den zwischengeschalteten Türen mehr Privatsphäre markieren. Das Obergeschoss mit den Wohnräumen ist wesentlich wohnlicher gestaltet. Dort sind die Böden mit Parkett ausgelegt. Die so gezogenen Grenzen seien gerade für jüngere Kinder wichtig: «Je jünger die Kinder, desto schwieriger die Trennung zwischen Schule, Therapie und Wohnen», so Di Gallo. Die noch gähnend leeren Betonwände sind derweil bewusst schlicht gehalten: «Die Farbe und das Leben hauchen wir dann dem Gebäude ein», sagt der Klinikdirektor.

Harmonisches Zusammenleben

Ein anderer wichtiger Faktor sei laut Schulleiterin Irene Fontanilles die Transparenz: «Das Gebäude ist hell gestaltet und von fast jedem Ort aus sieht man ins Freie.» Insbesondere für panikgefährdete Kinder sei es zudem wichtig, vorausschauen zu können. Dazu tragen die vielen Fenster und die breiten Gänge bei. Im Vorfeld sei zu den einzelnen Krankheitsbildern extra ein Katalog erstellt worden, der auch architektonische Massnahmen enthält.

Am meisten Respekt hatten die Betreuenden jedoch vor dem Umzug an sich. Seit rund einem Jahr mache sich Fontanilles Gedanken darüber. Die älteren Jugendlichen hätten sich anfangs nie vorstellen können, auf so engem Raum mit den Kindern zu wohnen. Als Vorbereitung führt die Schule momentan Projektwochen durch, die schnell Ergebnisse zeigten. Bereits am zweiten Tag sei das Zusammenleben der zwischen fünf und 17 Jahre alten Kinder und Jugendlichen viel harmonischer geworden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1