Stadtentwicklung

Zeugen der Basler Vorstadt-Kultur: Die «Mägd» steht jetzt unter Denkmalschutz

Die Liegenschaft der «Mägd» an der St. Johanns-Vorstadt ist auch Restaurant und Veranstaltungsraum in historischem Ambiente.

Die Liegenschaft der «Mägd» an der St. Johanns-Vorstadt ist auch Restaurant und Veranstaltungsraum in historischem Ambiente.

Die Geschichte der Liegenschaft reicht bis ins 14. Jahrhundert – doch erst jetzt wird das Haus ein Baudenkmal.

Die enge, von historischen Gebäuden gesäumte St. Johanns-Vorstadt ist eine der letzten Perlen aus der Geschichte der Basler Vorstädte. Also jener in Originalform weitgehend verschwundenen Gevierte, die zwischen der ersten, inneren Stadtmauer und der zweiten Stadtmauer entstanden waren. Sie erinnern an einen der frühen Wachstumsbooms der Stadt im 15. Jahrhundert. In den Wachstumsjahren ab den 1960ern wurden allerdings viele dieser historischen Strassenzüge vernichtet und durch modernere Betonbauten ersetzt.

Eines der alten Basler Vorstadt-Gebäude wird nun unter Denkmalschutz gestellt: die «Mägd», das Haus der gleichnamigen Vorstadtgesellschaft. Die Regierung segnet mit Publikation im Kantonsblatt den Vertrag zwischen Gesellschaft und Denkmalpflege ab.

Mal religiös, mal ganz und gar weltlich

Dabei ist das Haus gar nicht mal so alt. Ein Neubau aus den Jahren 1899/1900 ersetzte das originale Gesellschaftshaus mit reicher Geschichte. Erste Erwähnung soll die Liegenschaft nämlich bereits 1313 gefunden haben, gehörte dann der Tochter eines Zürcher Minnesängers, bis es 1357 an die religiöse Frauengemeinschaft der Beginen verkauft wurde. Nach einigen weiteren Handänderungen erwarben es die Fischer und Schiffleute der Vorstadt im Jahr 1517. So gelangte es schliesslich in Besitz der heutigen Vorstadtgesellschaft zur Mägd, wie diese in ihrer eigenen Historie schreibt.

Die Unterschutzstellung erfolgte nach einer Renovation des historischen Gesellschaftssaals im ersten Stock, wie Mägd-Meister Christoph Nertz sagt. Es sei eine Unterschutzstellung auf Vertragsbasis und keine Verfügung, sie beruhe also auf gegenseitigem Einverständnis.

Historisches Restaurant, historischer Saal

Damit ist die bauliche Zukunft der Liegenschaft gesichert. Nicht, dass ein Abbruch gedroht hätte, so Nertz. Vielmehr könne die Instandhaltung des Gebäudes für die Zukunft gesichert werden, da durch die Unterschutzstellung auch eher mit Subventionen für aufwändige historische Erhaltungen zu rechnen sei.

Die «Mägd» hat als Haus unter den Vorstadtgesellschaften ohnehin besondere Bedeutung: Sie ist die einzige Gesellschaft, die in ihrer eigenen Liegenschaft noch ein Restaurant mit vermietbarem Saal anbietet. Von den anderen vier Gesellschaften verfügt nur noch die der St. Alban mit dem «Hohen Dolder» über ein eigenes Haus.

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