Veloverkehr

Zieh die Radlerhose an: SP fordert in Basel ein Schulfach Velofahren

Heutzutage fahren weniger Kinder und Jugendliche mit dem Velo zur Schule als noch vor zwanzig Jahren. (Symbolbild)

Heutzutage fahren weniger Kinder und Jugendliche mit dem Velo zur Schule als noch vor zwanzig Jahren. (Symbolbild)

Die SP will mit einem Bündel von Vorstössen die Situation der Zweiradfahrer komfortabler machen. Ein Vorschlag der Partei betrifft auch die Schule: Velofahren soll ein neues Unterrichtsfach werden.

Die Basler SP plant eine Velo-Offensive: Insgesamt sieben Vorstösse reichen die Genossen im Basler Parlament ein, um die Situation der Zweiradfahrenden zu verbessern. Neben diversen konkreten Vorschlägen zur Verbesserung der Infrastruktur (siehe Box) will die SP das Velofahren auch im Schulunterricht besser verankern.

Die Riehener Grossrätin Sasha Mazzotti vergleicht in ihrem Anzug das Velofahren mit dem Schwimmen. Beide sind Teil des Lehrplans. Beim Schwimmen sei klar: Die Kinder gehen regelmässig im Rahmen des Turnunterrichts in die Schwimmhalle. Dazu gibt es ergänzende Angebote über den freiwilligen Schulsport, die auch gezielt empfohlen werden.

Zwei Lektionen im Jahr reichen nicht aus

Anders beim Velofahren: Für das Thema Verkehr ist in den Schulen vor allem die Präventionsabteilung der Kantonspolizei zuständig. Dort seien allerdings die Mittel für die Verkehrserziehung gekürzt worden, so Mazzotti – im Schnitt blieben noch zwei Lektionen pro Jahr. «Das reicht natürlich nicht aus, um sicher Velofahren zu lernen.»

Es gebe zwar noch ein Angebot von Pro Velo. Allerdings ist dieses freiwillig, kostenpflichtig und die Kinder müssen dabei von Erwachsenen begleitet werden. «Es gibt also keine Garantie, dass die Mehrheit der Kinder sicher im Strassenverkehr unterwegs sind», sagt Mazzotti. Obwohl dies im Lehrplan als Ziel so formuliert ist.

Immer weniger fahren mit dem Velo zur Schule

Wenn Kinder nicht Velofahren lernen, sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie dies im Erwachsenenalter nachholen, sagt Mazzotti: «Kinder lernen nicht mehr automatisch Velofahren. Viele besitzen kein eigenes Velo und haben auch keinen Zugang zu diesem Fahrgerät.» Zudem: früh übe sich, wer später einmal Meisterin werden wolle.

Beim Velofahren gehe es um mehr als man auf den ersten Blick erkennen könne, weshalb Velofahren auch in den Lehrplan 21 aufgenommen worden sei. «Denn es geht beim Velofahren um den Aufbau wichtiger Fähigkeiten wie Balance halten, Aufmerksamkeit schulen, das Selbstvertrauen stärken und Gesundheit durch Bewegung fördern, um nur einige zu nennen.»

Tatsächlich zeigte eine Studie des Bundesamts für Strassen vor ein paar Jahren, dass nur noch halb so viele Kinder und Jugendliche mit dem Velo unterwegs sind als noch zwanzig Jahre zuvor. Basel-Stadt ist aufgrund des guten öffentlichen Verkehrs und der oftmals wenig velofreundlichen Infrastruktur besonders betroffen. Durch die Verbreitung des Smartphones hat sich das Problem verschärft. Zu Fuss oder im Tram kann man noch schnell ein Ticket laden.

Smartphone nutzen auf dem Velo ist gefährlich

Deshalb will Mazzotti nun die Schulen stärker in die Pflicht nehmen. Über den freiwilligen Schulsport sollen ergänzende Angebote geschaffen werden. Weiter schlägt die SP-Grossrätin vor, dass der Kanton das Zweiradfahren mit einem Veloverleih unterstützen könnte, etwa in Zusammenarbeit mit einer Institution aus der Kinder- und Jugendarbeit. Zudem soll geprüft werden, ob die Verkehrsprävention ausgebaut werden müsste.

Anklang finden die Vorschläge beim Verband Pro Velo. «Die Schulen könnten klar mehr machen», sagt Geschäftsführer Roland Chrétien. Etwa indem Kinder, die selbst kein Zweirad haben, eines ausleihen können. «Dann könnte man einen Ausflug mit dem Velo machen oder gezielt die Verkehrssicherheit üben.»

Rund 500 Kinder würden jährlich in der Region die Kurse von Pro Velo besuchen, sagt Chrétien. Besonders beliebt seien die Lektionen, bei denen im eigenen Quartier geübt wird. Pro Velo konzentriert sich bei den Kursen aber vor allem auf das Thema Verkehrssicherheit. «Velofahren lernen die Kinder meistens relativ schnell. Dafür braucht es keine Kurse von uns.»

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