Jennifer Bühler nimmt einen langen Zug an ihrer Zigarette. Der ausgeblasene Rauch tanzt im Wind. «Ich rauche gerne», sagt sie, «aber es stört mich, wenn die Leute im Sommer die Stummel am Rheinbord liegen lassen oder sogar in den Rhein werfen.» Die 26-jährige Schauspielerin sitzt zusammen mit ihrem Mitbewohner und Berufskollegen Noam Jenal (22), am Kiesstrand bei der Wettsteinbrücke. Hier wird am 30. Mai ihr gemeinsames Projekt «Stopp dem Rheinwurf» starten.

Ab diesem Datum werden neben den blauen Abfallcontainern der Stadtreinigung oberhalb des Kiesstrands Depots zu finden sein mit mobilen Aschenbechern – insgesamt 200 Stück. Den ganzen Sommer hindurch können Raucher eine solche Aludose gratis mitnehmen, wenn sie zum Strand runtergehen, und die Stummel darin entsorgen. Danach, so zumindest die Idee, deponieren sie die Alubehälter wieder im Depot.

Bühler betont: Es gehe beim Projekt nicht darum, mit dem Mahnfinger zu kommen. Sondern vielmehr zu sensibilisieren: «Im Filter von Zigaretten sind giftige Stoffe enthalten, die sich in der Natur nicht so schnell zersetzen.»

Keine kantonale Unterstützung

Für das allfällige Einsammeln liegengebliebener Dosen am Strand, deren Reinigung sowie das tägliche Entsorgen der Stummel sind Bühler, Jenal, ihre Mitbewohnerin Susan Reznik - die Dritte im Bunde - und helfende Freunde sowie weitere Freiwillige verantwortlich; es handelt sich bei «Stopp dem Rheinwurf» um ein reines Privatprojekt.

Vom Kanton oder vielmehr von der Stadtreinigung gibts vorerst keine Unterstützung: «Unsere Initiative wird zwar begrüsst und auch toleriert, aber man hat mir gesagt, dass zurzeit die Kapazitäten fehlen vonseiten der Stadt,» sagt Bühler. Dazu Dominik Egli, Leiter der Stadtreinigung: «Nach unserer Einschätzung würde das Littering durch Zigarettenstummel nicht wesentlich abnehmen. Und insgesamt überwiegen aus unserer Sicht die Kosten den Nutzen bei weitem.» Man sei aber sehr gespannt auf die Erfahrungen von Bühler.

Diese lässt sich von dieser Einschätzung nicht beirren, spinnt weiter Pläne. Am liebsten sähe Bühler, welche die Idee zu den Aschenbechern hatte, das ganze Kleinbasler Rheinbord mit den Dosen ausgestattet. Doch die Stadtreinigung riet ihr, das Pilotprojekt in einem einigermassen übersichtlichen Perimeter zu starten und abzuwarten, wie die mobilen Aschenbecher ankommen. «Das Ziel ist aber, dass die Dosen dereinst bis zur Dreirosenbrücke verfügbar sind», so Bühler. Idealerweise würde das Projekt dann von der Stadtreinigung oder einer anderen Organisation übernommen.

Entdeckt hat Bühler die Dosen bei den Materialverwertern von Offcut am Dreispitz, 50 Rappen bezahlte sie pro Stück aus dem eigenen Sack. Die Behälter stammen aus Spitälern, wo sie aus hygienischen Gründen nur einmal benutzt werden dürfen. «Somit ist das auch ein Upcycling-Projekt», betont Jenal. Um die Kosten zu decken, sei geplant, demnächst eine Crowdfunding-Aktion zugunsten von «Stopp dem Rheinwurf» zu starten.