Zünfte

Zoff zu Aschermittwoch: Basler Weinleuten-Zunft von Tradition ausgeladen – wegen des Essens

Das Spiel der Safran-Zunft wird die Brüder der Zunft zu Weinleuten nicht mehr beehren.

Das Spiel der Safran-Zunft wird die Brüder der Zunft zu Weinleuten nicht mehr beehren.

Aschermittwoch ist der höchste Tag der Basler Herrenzünfte. Doch eine Zunft besuchen sie heute nicht mehr mit Trommeln, Piccolos und Reverenz: Die Weinleute – allein wegen ihres Zunftmahls. Eine kuriose Geschichte aus dem Innersten der Basler Zünfte.

Seit zwanzig Jahren besuchen sich jeweils zu Aschermittwoch gegenseitig die Zunftbrüder der vier Basler Herrenzünfte – doch ab diesem Jahr ist Schluss. Die drei E. E. Zünfte zur Safran, zum Schlüssel und zu Hausgenossen werden ihren Kollegen von der E. E. Zunft zu Weinleuten heute keinen Besuch nach Speis, Trank und Meisterreden abstatten. Das «E. E.» vor den Namen steht übrigens für «Eine Ehren».

Der Grund mag wie eine Lappalie wirken, im Zunftleben wiegt er schwer. So schwer, dass die 1999 erstmals an die Weinleute ausgestellte Einladung zum Besuch nach vollzogenem Mähli jetzt wieder aufgehoben wird. Denn im Gegensatz zu Safran, Schlüssel und Hausgenossen halten die Weinleute am Mittwoch vor Fasnacht gar kein hochoffizielles Zunftmahl ab.

Es mag nur eine kleine Welt betroffen sein, aber ...

Nicht, dass die Weinleute zu Aschermittwoch keine Festivität begehen würden. Sie treffen sich zum Apéro, verpflegen sich und bieten sogar Schnitzelbängg auf. Aber ihr Mahl ist nicht ihr Höchstes im Jahr.

Dieses Ungleichgewicht sorgt für Zoff in der kleinen Welt der rechtschaffenen Herren. In den Reihen der ausgeladenen Weinleute-Zunft reichen die Reaktionen von Kopfschütteln bis zur herben Enttäuschung. Aber auch aus Reihen der anderen Zünfte erreichten die bz Klagen ob des Ausladungsentscheids. Schliesslich schätze man sich gegenseitig sehr. Der von Tambouren und Pfeifern begleitete Besuch sei doch auch eine Freundschaftsbekundung.

Kein Zunftmahl, also kein Besuch

Tatsächlich kollidieren hier jüngere und ältere Tradition. Auf Anfrage sagt Oscar Olano, Meister der Ehrenzunft zur Safran: «Der Sinn des Umzugs und der damit verbundenen Besuche ist ja gerade, dass sie eine Fortsetzung des nachmittäglichen Zunftmahls darstellen.» Finde kein solches Mahl statt, mache der Besuch wenig Sinn, zumal dann auch kein Austausch über wichtige Rituale wie die aktuelle Meisterrede oder die Neuaufnahmen stattfinden könne. Für die Herrenzünfte, die am Aschermittwoch ihr Zunftessen abhalten, sind dies wesentliche Bestandteile des Zunftlebens.

Die Ehrenzunft zu Weinleuten nimmt die Ausladung erst einmal hin. Es gebe gute Gründe, weshalb sie kein Zunftmahl zu Aschermittwoch veranstalten, sagt Meister Jürg Gutzwiller. Der eine ist räumlich bedingt: Die bis zu 250 Zunftbrüder haben in zentraler Nähe kein Lokal mit ausreichend Platz. Das Zunfthaus am Marktplatz ist an eine Bank vermietet, in der Zunftstube am Münsterplatz ist es zu eng.

Tradition in Konflikt mit Tradition (und Tradition)

Der andere Grund ist wiederum die Tradition. Das Zunftmahl der Weinleute findet nur alle zwei Jahre im Sommer statt, dazwischen führt man eine Zunftfahrt durch. «Beides wird von den Mitgliedern sehr geschätzt. Wir werfen jetzt nicht einfach unsere eigenen Traditionen über Bord.»

So nehme man nun eben die ausfallenden Besuche zur Kenntnis, werde aber dennoch in der Stadt unterwegs sein, sagt Gutzwiller: «Wir nehmen das sportlich. Unser Zunftspiel begleitet uns nun einfach auf dem Umgang vom Münsterplatz zum Marktplatz und zurück.»

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