Vorfasnacht
Zofingerconzärtli wird digital – oder: Drei Lyyche im World Wide Web

Studiernde der Zofingia Basel bringen das Zofingerconzärtli trotz Corona zu den Zuschauern. Dieses Jahr via Internet.

Tobias Gfeller
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Früher (hier 2017) noch auf der Bühne, dieses Jahr online: Das Zofingerconzärtli.

Früher (hier 2017) noch auf der Bühne, dieses Jahr online: Das Zofingerconzärtli.

Zur Verfügung gestellt

Wer in der kommenden Woche irgendwo in Basel ein kleines Filmteam beobachtet, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um Studierende der Zofingia Basel. Statt auf der Bühne im Congress Center treten sie an verschiedenen Schauplätzen in der Stadt auf – nicht vor hunderten Zuschauerinnen und Zuschauern, sondern vor der Kamera. Der daraus entstehende Film stellt das Zofingerconzärtli in Zeiten von Corona dar und ist ab dem 6. Februar auf der Website der Studentenverbindung kostenlos zu sehen. Die drei «Lyyche» – die Prominenten, die von den Studenten humorvoll, aber auch mal bitterböse parodiert werden – kommen in diesem Jahr digital statt auf der Bühne daher.

Alain Berset und zwei Unbeliebte

Dabei kamen die Studierenden an Gesundheitsminister Alain Berset nicht vorbei. Ihnen sei aber klar gewesen, dass sie bei dessen Persiflage vorsichtig sein müssen, da der SP-Bundesrat 2020 vorwiegend wegen eines traurigen Themas präsent war, verrät Conzärtli-Präsident Nicolas Wetzel. Neben Berset, der in Anlehnung an die unzähligen Pressekonferenzen als «Alles Point-de-Presse» dargestellt wird, kommen FCB-Präsident Bernhard Burgener als «Sparhard Wurdemer» und die abgewählte Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann als «Elianuss Knackermann» daher. Beide litten im vergangenen Jahr an schwindendem Beliebtheitswert. «Burgener bot mit seinen Fernsehauftritten einiges, woraus wir etwas machen können», meint Conzärtli-Regisseur Tim Sommer. Auch Ackermanns Museumsaffäre und ihre Wahlschlappe haben für viel Material gesorgt.

Während der überwiegende Teil der Vorfasnachtsveranstaltungen komplett abgesagt wurde, hielten die Studierenden am Conzärtli fest. Dies habe mit ihrem Traditionsbewusstsein der mit 131 Jahren ältesten Basler Vorfasnachtsveranstaltung zu tun. «Es ist wichtig, dass wir diese Tradition nicht unterbrechen», findet Tim Sommer. Deshalb hätten sie «auf Teufel komm raus» ein Conzärtli durchstieren wollen. Auch an der Mordnacht – dem traditionellen Plakatieren der Stadt – hielten die Studierenden fest. Sie ist seit heute Nacht an vielen Wänden sichtbar.

Basler Bebbi machen mit

Der organisatorische und finanzielle Aufwand für den Film ist beträchtlich. Dank Sponsoren und sonstiger Unterstützer kämen sie wohl mit einer «schwarzen Null» durch. Dafür fallen die Conzärtli-Einnahmen weg – die wichtigste Einnahmequelle im ganzen Jahr. Bei den Planungen und Proben mussten stets die Schutzmassnahmen eingehalten werden: Die Filmszenen sind so konzipiert, dass nie mehr als fünf Personen dabei sind. Gut 25 Mitglieder der Studentenverbindung sind ins Filmprojekt involviert. Der Film soll rund eine Stunde dauern – womöglich etwas mehr. Die exakte Planung war schwierig.

Der traditionelle musikalische Gastauftritt kommt heuer von den Basler Bebbi: Acht Dreiergruppen spielen einen Marsch ein, der filmisch zusammengeschnitten wird. Dazu kommen Einspielungen vergangener Drummeli-Auftritte der Clique. Die eigenen Gesangsauftritte der Studierenden werden einzeln in einem Studio aufgeführt und ebenso eingefügt.

www.zofingia-basel.ch