Euro-Airport

Zoll-Chef: «Vielen ist nicht bewusst, dass wir ihnen die Fälschungen wegnehmen»

«Im Zweifel ist der rote Ausgang immer der richtige»: Hanspeter Weingart beim Schweizer Ausgang. Junkov

«Im Zweifel ist der rote Ausgang immer der richtige»: Hanspeter Weingart beim Schweizer Ausgang. Junkov

Seit August ist Hanspeter Weingart der höchste Schweizer Zöllner am Euro-Airport. Dort hat er nicht nur mit schmuggelnden Touristen zu kämpfen, sondern auch mit den Unterschieden in den Gesetzen von Frankreich und der Schweiz.

Herr Weingart, seit August sind Sie Zoll-Chef am Euro-Airport. Was haben Sie hier angetroffen?

Hanspeter Weingart: Die Zollstelle am Euro-Airport funktioniert sehr gut. In den nächsten Jahren werden wir uns den neuen Herausforderungen stellen.

Welche Herausforderungen meinen Sie?

Ein Flughafen ist eine sehr schnelllebige Sache. Es gibt kaum ein Ort, wo sich die Dinge so schnell ändern. Wir haben praktisch alle zwei Wochen eine neue Baustelle. Sei das nun auf dem Flugfeld draussen, sei das mit den Duty-free-Geschäften oder im Frachtgebäude. Wir müssen uns ständig anpassen. Zum Beispiel mit neuen Durchgängen oder neuen Abläufen. Das Besondere hier: Wir können nicht autonom bestimmen – wir sind ja auf französischem Staatsgebiet.

Was macht denn die Besonderheit des Euro-Airports aus?

Der Euro-Airport liegt vollständig auf französischem Boden. Er ist aber aufgeteilt in drei Zonen: die internationale Fläche, welche vor allem das Flugfeld und die Passagieraufenthaltsorte umfasst. Die Flugzeuge und die Passagiere sind dort noch im Ausland. Dann gibt es die Zonen, die zur Schweiz gehören, und jene, die in Frankreich liegen. In jeder dieser Zonen gelten die spezifischen Gesetze.

Welche praktischen Probleme stellen sich da für die Passagiere?

Ein Beispiel: In der Schweiz darf man seit Kurzem nach der Ankunft zollfrei einkaufen. Wer innerhalb der EU fliegt, darf aber gar nicht zollfrei einkaufen, weil die EU eine Zollunion ist. Das Duty-free-Geschäft befindet sich bei uns bei der Gepäckabgabe. Passagiere, die den Ausgang Richtung Frankreich wählen, dürfen dort also nicht einkaufen beziehungsweise müssen die Ware verzollen. Passagiere, die den Flughafen durch den Schweizer Ausgang verlassen, dürfen dort aber ohne weiteres shoppen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Franzosen?

Es braucht einen laufenden Dialog. Ich habe festgestellt: Der persönliche Kontakt ist extrem wichtig, um mit den Franzosen zusammenzuarbeiten. Wir machen ja gemeinsame Kontrollen, bei denen wir Mittel sowohl von der Schweiz wie auch vom französischen Staat verwenden. Diese Kontrollen muss man im Vorfeld diskutieren können.

Es gibt also binationale Zollkontrollen?

Nicht, wenn die Passagiere den Koffer schon haben. Aber bevor das Gepäck auf den Turntables landet, geht es durch den Gepäckraum. Dort können wir gemeinsame Kontrollen machen. Das sind aber nicht normale, tägliche Kontrollen. Diese machen ein paar Schweizer Zöllner und etwa gleich viele französische Kollegen bei den jeweiligen Ausgängen.

Sie machen ja auch Frachtkontrollen am Flughafen. Wie unterscheiden sich diese von den Kontrollen des Reiseverkehrs?

Es gibt einen ganz einfachen Unterschied: Beim Reiseverkehr wird das Gepäck von einer Person begleitet, beim Frachtverkehr ist das nicht der Fall.

Sprechen wir vom Reiseverkehr. Easyjet ist die dominierende Airline am Euro-Airport. Die Billigfluglinie deckt vor allem Europa ab. Spielt das für Sie eine Rolle?

Nein. Wir führen keine Kontrollen nach Airlines durch. Wir schauen auch nicht, ob die Reisenden jetzt ein Wochenende oder zwei Wochen im Ausland waren. Für unsere Risikoanalysen stützen wir uns auf andere Indikatoren.

Gibt es ein Produkt, bei dem Sie sagen können: Das wird am häufigsten versucht, an uns vorbeizuschmuggeln?

Das kommt immer darauf an, woher das Flugzeug kommt. In London shoppen die Leute vor allem Kleider und CD. Kommt ein Flieger aus dem Süden, stehen Lebensmittel im Vordergrund. Aus Übersee kommen dann billige Elektronikwaren.

In welche Fallen tappen denn die Touristen, wenn sie im Ausland einkaufen?

Vielen ist nicht bewusst, dass wir ihnen Fälschungen wegnehmen müssen. Wenn die Touristen Produkte von Marken mitbringen, die bei uns geschützt sind, dürfen sie diese nicht einführen.

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