Schwierige Geburt
Zolli: Zwergzebu überlebt den Not-Kaiserschnitt

Im Zolli hält Jamelia Tierärzte und Pfleger schon auf Trab, bevor sie das Licht der Welt erblickt hatte. Am 19. April kam sie zur Welt – allerdings nach langen Stunden und nur mithilfe eines Notkaiserschnitts.

Muriel Mercier
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Nach drei Wochen darf Jamelia den Stall zum ersten Mal verlassen.

Nach drei Wochen darf Jamelia den Stall zum ersten Mal verlassen.

Zur Verfügung gestellt

Der Tierpfleger hat noch nicht einmal die Stalltüre von Zwergzebu Conny geöffnet, da juckt die drei Wochen alte Jamelia erfreut auf, galoppiert um ihre Mutter und stürzt sich dann auf den frischen Heuhaufen, den der Pfleger vor die zwei Tiere auf den Boden legt. Conny lässt sich auch nicht zwei Mal bitten und geniesst mit ihrem Kalb in Seelenruhe ihr Mittagessen – begleitet von einem zufriedenen Muhen.

Nichts deutet heute darauf hin, dass beide Tiere noch vor wenigen Tagen um ihr Überleben kämpften. Am 19. April erblickte Jamelia das Licht der Welt – allerdings nach langen Stunden und nur mithilfe eines Notkaiserschnitts, erklärt Christian Wenker, Tierarzt im Basler Zoo.

Kopf war zur Seite gekippt

Was war das Problem? Mutter Connys Fruchtblase war um 16 Uhr geplatzt – die folgenden drei Stunden dann aber waren keine Geburtsfortschritte mehr zu erkennen. «Nach dem Platzen der Fruchtblase dauert eine normale Geburt höchstens zwei Stunden», sagt Wenker.

Der Tierarzt stellte fest, dass der Kopf des Kalbes zur Seite weggekippt war. Normalerweise seien bei einer Geburt zuerst die Vorderbeine des Tieres zu sehen, aufgrund der Lage des Kalbes im Mutterleib sei eine normale Geburt aber nicht möglich gewesen. «Ich habe gewusst, dass Jamelia lebt, weil ich ihre Zungen- und Augenbewegungen spüren konnte.» Es blieb Wenker also nur der Kaiserschnitt.

Dieser ist denn auch das Einzige, was den Tierarzt und die Pfleger heute an den schreckvollen Abend Mitte April erinnert. Auf der linken Seite von Connys Bauch wurde Fell geschoren. Dort verläuft jetzt eine 40 Zentimeter lange Narbe.

Als das kleine Kalb Jamelia gegen 22 Uhr auf die Welt gekommen war, übernahm neben Wenker ein zweiter Geburtshelfer temporär die Mutterrolle. Er reinigte Nase und Maul und massierte den Brustkorb des Neugeborenen mit Stroh. Nach einigen bangen Sekunden hustete das Kalb, der erste Atemzug war getan. Gegen Mitternacht schliesslich war bei Conny die Kaiserschnitt-Wunde vernäht und die erstgebärende Mutter begann, ihr kleines Mädchen abzulecken.

Hilfe nur bei jeder 150. Geburt

Geburtshilfe-Eingriffe, wie dies bei Conny und Jamelia erforderlich war, kommen im Zolli glücklicherweise selten vor, erklärt Zolli-Tierarzt Christian Wenker. In den letzten 15 Jahren waren Geburtshilfen bei Nachwuchs von Rappenantilopen, Rentieren, Lamas oder Kleinaffen notwendig. «Nur bei jeder 150. Geburt im Zolli brauchen die Tiere Hilfe von uns», rechnet Wenker vor.

Die Freude bei Jamelia ist dieser Tage gross, denn nach drei Wochen Stallruhe darf sie jetzt endlich an die frische Luft. Bei Zwergzebus handelt es sich um eine Rinderrasse, die in Sri Lanka als Trag- und Nutztiere eingesetzt werden. Im Kinderzolli leben sie zusammen mit den Pfauenziegen auf einer Gemeinschaftsanlage. Die kleine Herde besteht aus dem 10-jährigen Zwergzebustier Baijan sowie vier Kühen.