Als hätte sie geahnt, dass sich auf der anderen Seite der Glasscheibe alles um sie dreht, zeigte sich Goma gekonnt den Kameraobjektiven. Auch wenige Tage vor ihrem 55. Geburtstag am 23. September erkennt sie genau, wenn etwas Spezielles vor sich geht. «Das ist überhaupt kein Zufall, dass ausgerechnet Goma so nah zu den Kameras kommt und sich vor ihnen nicht erschrickt», erklärte gestern am «Goma-Presseapéro» Menschenaffen-Kurator Adrian Baumeyer.

Goma hat ein bewegtes Leben hinter sich, das vor allem sehr aussergewöhnlich begann. Als erst zweites Gorillababy kam Goma 1959 in Menschenobhut in einem Zoo zur Welt. Das Wissen der Tierpfleger im Umgang mit Affennachwuchs war damals im Vergleich zu heute noch sehr begrenzt. Als Gorilla-Weibchen «Achilla» ihr erstes Jungtier zur Welt brachte und diese am ersten Tag noch verkehrt am Bauch trug, brach bei den Tierpflegern Panik aus.

Sie nahmen dem Muttertier das Junge, das man auf den Namen «Goma» taufte, weg und übergaben es dem damaligen Zoodirektor Ernst Lang, der es von Hand mit der Flasche aufzog. «Man fürchtete, dass das Jungtier nicht an die Muttermilch kam», begründet Baumeyer das damalige Vorgehen. Heute wisse man, dass dies zwei bis drei Tage ohne Probleme gehen würde. Goma trug Windeln, hatte einen Teddybär, spielte mit dem «richtigen Kind» des Ehepaars Lang und mit dem Familienhund. Sie schaffte trotz ihrem für Affen speziellen Start ins Leben die Rückkehr in die Affenfamilie und zog sogar eigene Jungtiere erfolgreich auf. Noch heute sei die aussergewöhnliche Kindheit in Menschenhand bei Goma spürbar.

Menschennahrung für Affen

Es war eine Zeit, da sollten Menschenaffen im Zoo noch Vorbilder für die besuchenden Kinder sein, artig tanzen und mit dem Löffel die Suppe essen. Die Beziehung zwischen Tieren und Pflegern sei damals sehr intensiv gewesen, erinnert Adrian Baumeyer. Dass sich Menschen im Affengehege, das sich bis 1969 noch im Vogelhaus befunden hatte, aufhalten, gehörte zur Normalität. Man gab den Menschenaffen Menschennahrung und teilweise sogar Bier. Der legendäre Carl Stemmler, der bis 1964 die Menschenaffen im Zoo Basel betreute, änderte dies zum Ende seiner Amtszeit und führte langsam tiergerechte Nahrung ein. Weil einige Gorillas immer grösser und stärker wurden, musste auch der Kontakt zu ihnen zurückgefahren werden. Dank dem neuen Affenhaus und der Ära von Jürg Hess ab den 1980er Jahren erhielten die Menschenaffen mehr Freiraum. «Die Aufzucht ähnelte immer mehr derer in der Natur», betont Kurator Adrian Baumeyer. Doch ganz wegfallen dürfe der Kontakt zwischen Pfleger und Affen nicht. «Wir geben ihnen durch das Gitter immer noch Tee aus Bechern, damit wir sie kurz von Nahem betrachten und sie auch bei medizinischen Problemen besser behandeln können.»

Gratis-Eintritt für Geburtstagskinder

Für den heutigen Zolli-Direktor Olivier Pagan soll Goma als «Leuchtturm für alle Gorillas» wirken, die es in der Natur so schwer haben. «Goma ist keine isolierte Persönlichkeit, sondern eine Vertreterin und Botschafterin aller Gorillas.» Deren Lebensraum werde immer kleiner. «Die Tendenz wird immer akuter», warnt Pagan.

Am Dienstag feiert der Zolli den 55. Geburtstag der bekannten Gorilla-Dame. «Sie hat uns eine lange Zeit im Zoo fasziniert», schwärmte gestern Zolli-Direktor Pagan, als er das spezielle Geburtstagsprogramm vorstellte. Denn am kommenden Dienstag haben alle freien Eintritt, die wie Goma am 23. September geboren sind. «Wir wollen am Nachmittag für das Publikum feiern, ihnen etwas zeigen und den Gorillas etwas bieten, das sie nicht jeden Tag bekommen.» Als kleines Geschenk erhalten sie «Stängelglaces», bei denen der Stängel durch eine Karotte ersetzt wird. Der Zolli feiert Affen- und auch ein bisschen Kindergeburtstag - passend zu Goma halt.