Öffentlicher Verkehr

Zonierung des U-Abos: Basel bangt um Standortvorteil

Für Einzelfahrten im TNW-Gebiet gelten die Zonen schon lange, fürs U-Abo hingegen nicht.

Für Einzelfahrten im TNW-Gebiet gelten die Zonen schon lange, fürs U-Abo hingegen nicht.

Für die ansässigen Wirtschaftskräfte ist das günstige U-Abo wichtig. Die Basler Regierung will sich zu allfälligen Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr allerdings nicht konkret äussern.

Seit die Baselbieter Bau-und Umweltschutzdirektorin Sabine Pegoraro das 32 Jahre alte U-Abo in der bz als «Auslaufmodell» bezeichnet hat, kommt die Baselbieter Politik nicht zur Ruhe. Abseits der Öffentlichkeit arbeiten die am Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) beteiligten Kantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn, Aargau und Jura mit der «Bestellerstrategie» an einem neuen Finanzierungsmodell. Die von Sabine Pegoraro in diesem Kontext laut angedachte Zonierung des TNW und die Streichung der U-Abo-Subventionen würde aber zur massiven Verteuerung des beliebten Abos führen. Entsprechend erzürnt zeigt sich der Verkehrsclub der Schweiz (VCS), während die Grünen sogar den Rücktritt der freisinnigen Regierungsrätin fordern.

Während der Ton in Liestal heftiger wird, herrscht im rot-grün dominierten Basel stille Zurückhaltung. Einzig SP-Grossrätin Salome Hofer reichte am Donnerstag im Namen ihrer Fraktion eine Interpellation ein: Hofer will von der Basler Regierung wissen, welche Auswirkungen eine Streichung der Baselbieter U-Abo-Subventionen auf die Stausituation in der Region hat und wie die Basler Regierung die Bezeichnung des U-Abos als «Auslaufmodell» durch Sabine Pegoraro beurteile.

Stadtkanton legt sich nicht fest

Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) konnte sich auf Anfrage «aus Termingründen» nicht zum U-Abo, zur Streichung der Subventionen durch Baselland und zur Zonierung des TNW äussern. Noch 2012 hatte er selbst die Zonierung gefordert. Das würde bedeuten, dass es für das U-Abo statt einer Zone neu bis zu fünf TNW-Zonen mit abgestuften Preisen geben würde. Offizielle Position des Stadtkantons sei es, bei der Ausarbeitung der Bestellerstrategie auch Alternativen zur Zonierung und zur Streichung der Subventionen aufzuzeigen, so der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des Basler Bau- und Verkehrsdepartementes, Daniel Hofer, gegenüber der bz. Es gelte die Attraktivität des öV zu erhalten.

Regierungsrat Wessels hatte sich schon vor zwei Tagen gleich geäussert. Ein grundsätzliches Bekenntnis zum U-Abo klingt anders. Offenbar will man sich in der Stadt in Bezug auf die künftige öV-Finanzierung und allfällige Preiserhöhungen noch nicht festlegen.

Auf die ökonomischen Realitäten verweist der Gewerbeverband Basel-Stadt. Er befürworte grundsätzlich mehr Kostenwahrheit im Verkehr. Folglich könne man die Überlegungen von Regierungsrätin Pegoraro nachvollziehen, gerade wenn man den Preis des U-Abos mit denjenigen ähnlicher Tarifverbunde vergleiche, betont Gewerbeverband-Direktor Gabriel Barell. «Auf der anderen Seite ist ein attraktiver öV ein sehr bedeutender Standortfaktor. Wird folglich dessen Attraktivität vermindert, kann dies dazu führen, dass einige Verkehrsteilnehmer aufs Auto umsteigen, was das Strassennetz zusätzlich belasten würde. Zusätzlich würde dadurch die Arbeit des lokalen und regionalen Gewerbes erschwert, welches auf schnelle und folglich staufreie Verbindungen angewiesen ist», so Barell.

Wirtschaft ist für günstigen öV

Mit anderen Worten: Das günstige U-Abo in der herkömmlichen Form ist ein Standortvorteil für die Wirtschaft. Klar und deutlich formuliert dies Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto: «Eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Schaffung von attraktiven Angeboten für deren Nutzung ist ein wichtiger Standortfaktor und ein wichtiger Faktor für eine Wirtschaftsregion.»

Auch Roche äussert sich ähnlich, auch wenn die Kommunikationsabteilung betont, dass man nicht politisch Stellung nehme. «Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs sowie des Langsamverkehrs spielen bei Roche eine zentrale Rolle. Der öffentliche Verkehr ist eine bedeutende Komponente unseres nachhaltigen Verkehrskonzepts. Mitarbeitende, die entweder mit öV, Velo oder zu Fuss zur Arbeit kommen, erhalten einen Mobilitätsbonus», so Roche-Mediensprecherin Catherine Dürr. «Derzeit nutzen 70 Prozent der Mitarbeitenden am Standort Basel öffentliche Verkehrsmittel und den Langsamverkehr, um zur Arbeit zu kommen.»

Ein gut funktionierender öV samt erschwinglichem U-Abo war integraler Bestandteil der Verkehrskonzepte bei allen Pharma-Bauvorhaben der letzten Jahre. Was aber, wenn der öV teurer wird? «Es ist vorstellbar, dass Mitarbeitende, welche aufgrund ihres Wohnortes eine Berechtigung auf einen Parkplatz haben, zukünftig auf den öV verzichten und vermehrt mit dem PW zum Arbeitsort gelangen», so Novartis. Der Stau wäre also programmiert.

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