Zoo Basel
Erfolgreichste Zuchtsaison: Siebenfacher Nachwuchs bei den Strahlenschildkröten

Im Januar und März 2022 durfte sich der Basler Zolli über Nachwuchs freuen. Insgesamt sieben Strahlenschildkröten kamen zur Welt. Noch nie schlüpften mehr junge Schildkröten in Basel.

Laura Pirroncello
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Im Januar und März schlüpften im Basler Zolli insgesamt sieben Strahlenschildkröten.

Im Januar und März schlüpften im Basler Zolli insgesamt sieben Strahlenschildkröten.

Zoo Basel

Im Vivarium des Basler Zolli leben die Strahlenschildkröten seit fast 50 Jahren. Die Schildkrötenart ist von der Ausrottung bedroht und wird im Zoo gezüchtet. 2016 gab es zum ersten Mal Nachwuchs, weitere Junge kamen 2017 und 2020 zur Welt.

Nun schlüpften erneut kleine Strahlenschildkröten, teilt der Zolli mit. Und nicht gerade wenige: Der Zoo freut sich über siebenfachen Nachwuchs. Am 31. Januar schlüpften drei Strahlenschildkröten aus einem Gelege, vom 14. bis 17. März folgten weitere vier aus einem anderen Gelege. Der Winter 2022 war somit die beste Zuchtsaison seit es diese Schildkröten in Basel gibt.

Der Winter 2022 war für den Zolli die beste Zuchtsaison der Strahlenschildkröten.

Der Winter 2022 war für den Zolli die beste Zuchtsaison der Strahlenschildkröten.

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Verbesserte Futterqualität und anderer Umgang mit den Eiern

Nach Angaben des Zoos gibt es für diesen Anstieg der Schlupfrate zwei Hauptgründe: Die Futterqualität wurde verbessert, die Schildkröten können über das ganze Jahr Wildkräuter fressen – im Winter in getrockneter Form. Ausserdem werden die Eier nach der Ablage nicht mehr direkt in einen Inkubator gelegt, sondern für drei Monate bei 20 Grad kühl gehältert.

Die Eier werden im Zolli nicht mehr direkt in den Inkubator gelegt.

Die Eier werden im Zolli nicht mehr direkt in den Inkubator gelegt.

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Dadurch werden die Bedingungen im Freiland simuliert, heisst es in der Mitteilung. Oft legen die Schildkröten ihre Eier gegen Ende der wärmeren und regenreicheren Jahreszeit ab, danach folgt eine dreimonatige, kühlere Trockenphase. Das Ei entwickelt sich in diesen drei Monaten nicht, allerdings wirkt sich diese sogenannte Diapause auf die spätere Entwicklung aus. Bis die Jungen schlüpfen dauert es weitere drei Monate bei Temperaturen von 30 bis 32 Grad.

Im Schaubecken 49 des Vivariums können die Jungen bestaunt werden.

Im Schaubecken 49 des Vivariums können die Jungen bestaunt werden.

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Besucherinnen und Besucher des Zolli können die kleinen Strahlenschildkröten in einem abgetrennten Bereich des Schaubeckens 49 des Vivariums entdecken. Zwei ihrer älteren Geschwister, die 2016 und 2017 zur Welt kamen, leben im grösseren Teil der Anlage zusammen mit fünf halbwüchsigen Tieren. Letztere wurden 2014 auf einem Markt in Hong Kong konfisziert. Die Zuchtgruppe sowie zwei Junge von 2020 leben neben dem Schaubecken 57.

Haustiere oder Delikatesse

In der freien Wildbahn sind die Strahlenschildkröten vom Aussterben bedroht. Sie leben ausschliesslich im Süden von Madagaskar und bewohnen trockene Dornbuschsavannen. Doch ihr natürlicher Lebensraum wird immer dichter besiedelt. Die weitaus grössere Bedrohung für die Tiere ist aber das Wildern.

Die Strahlenschildkröte in drei verschiedenen Grössen.

Die Strahlenschildkröte in drei verschiedenen Grössen.

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Vor 20 Jahren lebten bis zu zwölf Millionen Strahlenschildkröten in Madagaskar. Die ansässigen Volksstämme hielten sie für heilig und taten ihnen deshalb nichts. Madagassen, die aus dem Norden einwanderten, hielten die Tiere jedoch als Haustiere oder sie galten als Delikatesse. Ein Tier mit dem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm und einer Panzerlänge von ungefähr 40 Zentimetern konnte eine ganze Familie ernähren.

Die Strahlenschildkröten werden daher auch geschmuggelt und verkauft, vor allem nach China. Bei den fünf halbwüchsigen Tieren im Zolli sowie bei vielen der Zuchtgruppe handelt es sich um gerettete Tier von Lebensmittel- und Haustiermärkten.

250’000 Schildkröten pro Jahr gewildert

Wilderer sammeln die Strahlenschildkröten entsprechend ein und horten sie über längere Zeit, um sie in grossen Stückzahlen zu transportieren. Da die Tiere mehrere Wochen ohne zu essen und zu trinken überleben, ist dies möglich. In einzelnen Häusern wurden in den letzten Jahren bis zu 12’000 Schildkröten gefunden und gerettet.

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Die Tiere aus solchen Häusern müssen wieder aufgepäppelt werden. Ausserdem muss sichergestellt werden, dass sie keine Krankheitserreger in sich tragen und damit freilebende Populationen anstecken. Um die geretteten Tiere wieder auszuwildern, benötigt es somit geeignete und vor allem geschützte Gebiete.

Pro Jahr werden schätzungsweise 250'000 Schildkröten gewildert. Dadurch fehlen dann insbesondere grosse Weibchen für die Fortpflanzung. Seit 2008 gelten die Tiere deshalb als von der Ausrottung bedroht.

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