Kajakmuseum

Zu Besuch bei den Bootsbau-Pionieren im Elsass

120 Boote umfasst die Sammlung an Kajaks und Kanus in Huningue.

120 Boote umfasst die Sammlung an Kajaks und Kanus in Huningue.

Im Wildwasserpark in Huningue schlummert ein Kleinod: die grösste Sammlung historischer Kajaks und Kanus.

Im «Parc des eaux vives» im französischen Huningue befindet sich die in der Basler Umgebung weit und breit einzige Möglichkeit für Wildwassersport. Wer nicht ab und zu selbst zum Ruder greift und daher die Gebäude des Wildwasserparks nicht kennt, verpasst die grösste Sammlung historischer Kanus und Kajaks weit und breit. Sie umfasst mittlerweile etwa 120 Boote. Kreuz und quer sind sie an den Wänden und der Decke des Hauptgebäudes in einer Art Wechselausstellung montiert.

«Unser Kernstück ist eine Kollektion von 70 Booten, die uns die Familie eines verstorbenen bretonischen Sammlers zum Kauf angeboten hat. Sie kam auf uns zu, weil dieser bereits im Parc des eaux vives gerudert war. So wusste er auch, dass wir hier eine Sammlung aufbauen», erzählt Pascal Philip, der Betreuer des Bestandes, der auch die Geschichte jedes einzelnen Bootes sorgfältig dokumentiert.

Philip, der die ständig wachsende Sammlung in mittlerweile drei verschiedenen Lagern verwaltet, räumt ein. Es komme ihm durchaus gelegen, dass ein Drittel der Objekte platzsparende Faltboote seien: «Unsere historischen Faltboote stammen fast alle aus Deutschland. Grossteils aus der Nachkriegszeit, als auf beiden Seiten des Rheins Bootfahren wieder in Mode kam. Die französische Bahn führte Gepäckwagen, in die man bei Ausflügen problemlos sein Ruderboot laden konnte. Die Deutsche Bahn bot diesen Service nicht. Also brauchten die Deutschen zerlegbare und leicht transportable Boote», erläutert er schmunzelnd.

Einige Modelle wurden gar in Huningue fabriziert

Philip ist stolz darauf, einige der ersten aus Kunstharz hergestellten Boote zeigen zu können. Die gezeigten Modelle wurden in den 1950er-Jahren in Huningue hergestellt. Sie gehen zurück auf Fernand Lamy, einen passionierten Kanu- und Kajakfahrer, der neun Jahre Mitglied der französischen Nationalmannschaft war.

«Er arbeitete als Lehrer an der hiesigen Schule. Keiner seiner Schüler kam darum herum, auch das Bootsbauen bei ihm zu lernen», berichtet Philip. Die damals üblichen Holzboote waren allerdings sehr schwer. Als Lamy mitbekam, dass die in Huningue ansässige Ciba neuerdings Kunstharze herstellte, experimentierte er im Bootsbau alsbald damit.

«Bald kamen Bootsbauer aus ganz Frankreich nach Huningue, um die neue Technik von ihm zu lernen und zuhause weiterzugeben.» Lamy war, man vermutet es schon, auch die treibende Kraft beim Bau des Wildwasserkanals und er hat den Grundstock der Bootssammlung angelegt.

Die Boote sind in einer Art Wechselausstellung an den Wänden und an der Decke montiert.

Die Boote sind in einer Art Wechselausstellung an den Wänden und an der Decke montiert.

Wie sensationell die Kunstharzboote waren , versteht man, wenn man in der Sammlung die wunderbar gearbeiteten, alten und rein hölzernen Modelle betrachtet. Vor der Ausfahrt musste man sie ins Wasser legen, wo sie sofort untergingen. Philip erzählt: «Nach zwei, drei Tagen hatte sich das Holz derart vollgesogen, dass der Bootsrumpf dicht war. Dann musste man ihn nur noch heben und leeren und konnte losrudern. Spontane Ausfahrten waren so natürlich nicht möglich.»

Vom Leinen über Lacke bis zu Glasfaser und Karbon

Fortschritte in der Bootsbautechnik, etwa Überzüge aus wasserdichtem Leinen für die Holzboote, abdichtende Lacke, die ersten Kunststoffe, später Glasfaser, erlaubten, immer leichtere Boote zu bauen. Zur Zeit werden die ersten Karbonboote in die Sammlung eingereiht.

Eines Tages, so hofft der Sammlungsbetreuer, soll die Bootskollektion ein richtiges Museum bekommen. «In einem ersten Schritt haben wir alle Boote fotografiert. Wir wollen sie samt ihrer Geschichte onlinestellen. Irgendwann haben wir hoffentlich die Mittel für ein richtiges Museum», erzählt Pascal Philip, der auf Anfrage bereitwillig Führungen durchführt. «Bis es soweit ist, wechseln wir die ausgestellten Boote regelmässig. Schliesslich hat jedes seine eigene Geschichte. Wiederkommen lohnt sich.»

www.ville-huningue.fr/de/Wassersport-kanu-kayak-rafting/

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1