Geheimtipps
Zu Besuch bei Tante Emma und ihren Freunden

In Basel mangelt es nicht an Quartirläden. Die Stadt ist geradezu ein Paradies für die kleinen Geschäfte.In diesen acht Quartierläden kann geschlendert, entdeckt und italienisches Ambiente genossen werden.

Eva Wieser
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Scherzartikel in Hülle und Fülle Wurm-Pillen sind ein Bestseller bei Susi Blum im Zauberlädeli in der Spalenvorstadt 43. Weiter sind Scherzzucker, extra-scharfe Gummibären sowie Masken und Perücken berühmte Scherzartikel. Was klöpft und erschreckt, ist beliebt und hat eine grosse Stammkundschaft – bereits seit 40 Jahren. Den einen Teil des Ladens, in welchem Zigarren verkauft werden, gibt es noch um einiges länger: nämlich seit 1879.
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Frische Pasta und Köstlichkeiten Ravioli mit einer Birnen-Käse-Füllung: Dieses Menü schmeckt den Kunden des italienischen Spezialitäten-Ladens, Catering- und Take-away-Betriebs Pellicano besonders. «Ein Lieblings-Gericht», sagt Antonia Pellicano. In ihrer traditionellen und alten Küche sind natürliche und regionale Produkte wichtig. Seit 32 Jahren bringt die Familie Pellicano an der Schauenburgerstrasse 39 einen Hauch Italien ins Breite-Quartier.
Tante-Emma-Lädeli in Basel
Bücher über Bücher Bei Matthyas Jenny gibt es mehr Bücher als Platz. In der Bachletten Buchhandlung führt der Literatur-Kenner ein breites Sortiment. Eine Nacht in den Büchern zu schmökern, ist an der Bachlettenstrasse 7 möglich: Übernachten in der Buchhandlung heisst das Angebot, welches seit letztem Sommer rege genutzt wird. Eine Matratze zwischen den Regalen, die Küche sowie die Terrasse stehen den Besuchern dabei zur Verfügung.
Gemüse und Obst im Kleinbasel. Klein und mit unzähligen Spezialitäten vollgestopft: das Erasmus-Lädeli an der Feldbergstrasse 32 im Kleinbasel. Da blitzen die goldigen Mohrenköpfe von Othmar Richterich aus Laufen hervor. Gasparini-Glace warten in der Kühltruhe auf den Sommer, und hinter der Kasse stehen frische Backwaren der Bäckerei Kübler bereit. Zwischen dem Nötigsten für den Alltag, seien das Milchprodukte, frisches Gemüse oder Katzenfutter, finden Wünsche der Kunden ihren Platz. «Auf Anfragen erweitern wir unser Sortiment immer wieder», erklärt die Besitzerin Duygu Sahin-Yildiz. Seit 18 Jahren ist sie gemeinsam mit ihrem Mann täglich für die Kunden da. «Auch an Feiertagen», ergänzt die Geschäftsführerin. Alles ist sorgfältig angeschrieben und ordentlich aufgereiht. Eine grosse Stammkundschaft schätzt das breite Angebot, welches auch Bioprodukte beinhaltet.
Fleisch, Käse und Italienisches. «Und was sind Ihre Spezialitäten?» Auf diese Frage reagiert der Metzger Giuseppe Sequenzia ein wenig irritiert: «Salsicce», sagt er wie aus der Kanone geschossen. Das sollte eigentlich jeder wissen, schliesslich sind die Würste der Metzgerei Pippo an der Elsässerstrasse 51 bestens bekannt. Auch für Vegetarier gibt es bei der Familie Sequenzia Leckereien, etwa frischen Ricotta, marinierte Oliven oder italienischen Käse.
Atelier am Egge An zwei Nachmittagen öffnet Marianne Kraus ihr Atelier. Dann kann der Töpferin beim Arbeiten über die Schultern geschaut oder die Waren betrachtet werden. An der Peter-Rot-Strasse 80 verbindet die Künstlerin Verkauf und Handwerk. Sie fertigt hauptsächlich Dekorationen an: Gefässe mit Bepflanzungen, zum Aufstellen oder Aufhängen, Türschmuck oder getöpferte Tiere stossen bei den Kunden auf Anklang.
Zwischen der Röstmaschine und dem Ladentisch liegen nur wenige Meter: Im «La Columbiana» können bis zu 18 Kaffeesorten gekauft werden.

Scherzartikel in Hülle und Fülle Wurm-Pillen sind ein Bestseller bei Susi Blum im Zauberlädeli in der Spalenvorstadt 43. Weiter sind Scherzzucker, extra-scharfe Gummibären sowie Masken und Perücken berühmte Scherzartikel. Was klöpft und erschreckt, ist beliebt und hat eine grosse Stammkundschaft – bereits seit 40 Jahren. Den einen Teil des Ladens, in welchem Zigarren verkauft werden, gibt es noch um einiges länger: nämlich seit 1879.

Eva Wieser

Klein und persönlich – das schätzen viele Kunden an den Quartierläden. Auch in der Kaffeerösterei und Kaffeebar La Columbiana im Gundeli kennt man sich. Ein Familienbetrieb: Mutter und Sohn rösten mit ihrer fast 100-jährigen Trommelröstmaschine täglich vor Ort Kaffeebohnen. Das sorgt für hohe Temperaturen und einen herrlichen Duft im Reich der Familie Filippini. Hinter der Theke wird geröstet, bereits seit 34 Jahren. Links können die Kunden bis zu 18 Sorten Kaffee kaufen oder diesen rechts an der Bar in etlichen Variationen geniessen. Eine goldige Pendeluhr tickt ununterbrochen. Das bringt die Kunden nicht aus der Ruhe. Sie haben Zeit für eine Tasse Kaffee und ein selbst gemachtes Stück Kuchen.

Zwei Sorten Quartierläden

Die Kaffeerösterei und -bar haben die Filippinis mit ihrer persönlichen Note gefärbt: ein Markenzeichen der Quartierläden. Der eigene Laden soll einen eigenen Stil haben – das sorgt für eine grosse Vielfalt im Angebot. Dennoch unterscheidet Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel die Quartierläden in zwei Hauptgruppen: «Einerseits gibt es bei uns viele Läden, welche von Migranten als Familienbetriebe geführt werden. Diese haben immer eine treue Stammkundschaft aus dem eigenen Land.» Mit den langen Öffnungszeiten, auch an Feiertagen, würden sie eine Lücke füllen und der Bevölkerung ein ausländisches und entdeckungsreiches Einkaufserlebnis bieten, sagt Wernli.

Andererseits gäbe es Quartierläden für Kunden, die bereit sind, für regionale Waren mehr Geld auszugeben. Am Beispiel «Matthäusmarkt», welcher jeden Samstag im Kleinbasel stattfindet, erkennt Wernli, dass solche Produkte immer stärker gefragt sind: «Dieser Markt, welcher auch eine soziale Plattform darstellt, ist in den letzten sieben Jahren stark gewachsen.»

Die beiden unterschiedlichen Arten von Quartierläden ergänzen sich jedoch: Selbst wer den Einkaufskorb bewusst mit regionalen Produkten füllt, ist froh, wenn er am Sonntagmorgen um die Ecke einen Liter Milch besorgen kann. So beispielsweise im Erasmus-Lädeli an der Feldbergstrasse 32. Die bz hat das Lebensmittel-Lädeli besucht und stellt seine Spezialitäten vor. Weiter haben die Quartiertreffpunkte der bz ihre Geheimtipps verraten. So sind sieben weitere Adressen zusammengekommen, wo Selbstgemachtes oder sorgfältig ausgesuchte Produkte über den Ladentisch gehen. Und dabei bleibt auch genügend Zeit für den persönlichen Kontakt oder eine Beratung.