Basel zu Gast am Zürcher Sächsilüüte: Das ist eine Herausforderung. Immerhin gehe es um die Vertiefung der Freundschaft zwischen den beiden urbanen Zentren der Schweiz, sagt Basels Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Die Abteilung für Aussenbeziehungen und Standortmarketing vertieft wiederum die Aussage ihrer Chefin. Ziel des Gastauftritts sei es, die zentralen Standortstärken Basels einem breiten Publikum in Erinnerung zu rufen. Dafür braucht es im Marketing einen Claim. Und so reist Basel nun unter dem Motto «Hochkultur & Alltagskunst» an die Limmat, konkret auf den Lindenhof.

Wurde da ein externer Texter beauftragt oder sind die Standortmarketing-Fachfrauen und -männer Basels selbst auf diese Wortkombination gekommen? «Hochkultur & Alltagskunst». Das erste Wort ist eindeutig: Man zählt sich zu den bedeutenden, den «hohen» Kulturen, zu denjenigen, die Paläste haben, nicht bloss Baumhütten. An der Limmat wird man es zur Kenntnis nehmen, dass es auch anderswo in der Schweiz Hochkultur gibt. Die Herren der Zürcher Zünfte halten sich ja auch für eine solche.

Beim zweiten Wort ist die Bedeutung schwammig. Gibt es im Basler Alltag viel Kunst? Ist der Alltag selbst Kunst? Sind gar alle Basler Künstler? Wie dem auch sei, gemeint ist, dass Basel sich in der Kulturstadt Zürich als hochkulturelle Kulturstadt bewirbt – in einem breiten Verständnis, wie das Konzept zumindest verspricht.

Vor allem Fasnacht und Tinguely

Standortmarketing dient dazu, Menschen, die anderswo wohnen, für den eigenen Ort zu interessieren, mit dem Ziel, sie vielleicht einmal in die Stadt zu locken, als Besucher oder als Steuerzahler. Erreicht Basels Marketingabteilung das, in dem es den Zürchern erzählt, was sie bereits wissen? Oder indem sie Facetten der Stadt zeigt, die überraschend sind und den Blick auf Basel erweitern?

Also den Zürchern beispielsweise den Basler Sommer schmackhaft macht: Rheinschwimmen, Buvetten-Kultur und Festival-Sommer? Oder davon erzählt, was das Charisma der Stadt für Aussenstehende ausmacht: die offenen Grenzen, der freie Blick in die sonst so ferne EU?
Die Marketing-Profis der Stadt sehen das nicht ganz so. Sie wollen Basel mit einer Ausstellung auf dem Lindenhof zwar als «Architekturmekka», «Veranstaltungs- und Wirtschaftsort» bewerben. Sie setzen aber vor allem auf Fasnacht und Jean Tinguely. Beides sind Schwerpunkte im Programm, angereichert mit nicht Zwingendem.

Dass Basel einen Jazzcampus hat wissen vielleicht nicht alle Zürcher. Dass die Zürcher aber übers Jahr genug Jazz zu hören bekommen, sollten die Marketingfachleute von Basel wissen. Die 3D-Animation der Universität Basel — modernste Virtual-Reality-Technologie, heisst es in der Ankündigung — wird es in der ETH-Stadt ebenfalls schwer haben, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Es gibt also einige Enttäuschungen beim Lesen des Konzepts. Vielleicht liegen die Basler Standortmarketing-Fachfrauen und -männer aber auch richtig. Schliesslich wissen wir: 50 Prozent jeglicher Werbung sind falsch. Nur ist nicht klar, welche 50 Prozent.

Wirklich unvergesslich könnten die Basler ihren Besuch am Umzug machen. Die 470 Teilnehmenden sollten da ausschliesslich als Suffragetten auftreten. Diese baseltypische Figur der Frauenrechtlerin gibt es schliesslich bereits so lang, wie das Sächsilüüte in heutiger Form. Die resoluten Damen würden den Frauenanteil an dieser männerbündlerischen Veranstaltung deutlich anheben. Wie es sich für eine Hochkultur des 21. Jahrhunderts gehört.

Was den Zürchern sowieso in Erinnerung bleiben wird, sind die Tambouren und Pfyffer, die während dreier Tage den Kreis 1 beschallen werden. Ob das zu einem Besuch in Basel anregt, sollen die Zürcher entscheiden. Eventuell sind die ungewohnten Töne ja auch ein Grund, um just an diesem Wochenende mal Basel zu besuchen ...