Bildungsdebakel

Zu grosses Defizit, zu viel Nachholbedarf: Es droht das Basler Museums-Aus

Direktor Marc Fehlmann muss das Historische Museum Basel wieder auf Kurs bringen – mit einem Defizit vor Augen.

Auch dem Historischen Museum Basel fehlt viel Geld. Die Regierung überlegt sich sogar, das Musikmuseum zu schliessen.

Die Befürchtungen sind wahr geworden. Schon im vergangenen Dezember musste der Basler Grosse Rat zähneknirschend das Budget des erweiterten Kunstmuseums nochmals um jährlich zwei Millionen Franken aufstocken. Nun tut sich bereits das nächste Finanzloch auf. Das zeigt die gestern präsentierte Betriebsanalyse zum Historischen Museum Basel (HMB).
Die mit der Analyse beauftragte Münchner Firma Actori kommt zum Schluss, dass das HMB «den Leistungsauftrag im Status quo mit vorhandenem Budget und Headcount nicht adäquat erfüllen» kann. Es fehlen mindestens 5,5 Stellen. Pro Jahr bräuchte das HMB zusätzlich rund 1,1 Millionen Franken.

Das HMB darf nun aber nicht darauf hoffen, dass die Politik wie beim Kunstmuseum die Finanzlöcher stopft. Vielmehr werden die Verantwortlichen um Museumsdirektor Marc Fehlmann den Gürtel enger schnallen müssen. Der Leistungsauftrag soll den vorhandenen Mitteln angepasst werden. Als Erstes will die Regierung einmalig knapp 300'000 Franken sprechen. Damit sollen die Museumsverantwortlichen einen Strategieprozess erarbeiten.

Der Nachholbedarf ist gross

Probleme geortet werden vorab bei den acht über die Stadt verteilten Depots. «Das ist nicht nur ineffizient, sie entsprechen auch nicht geltenden Sicherheitsstandards.», so Fehlmann. «Da brennt es wirklich», pflichtete Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann bei. Daher wird geprüft, ob ein zentraler Depotstandort möglich ist. «Die Analyse sieht gerade hier Sparpotenzial», erklärte Co-Kulturchefin Sonja Kuhn. Hinzu kommt die in den vergangenen Jahren mangelhafte Inventarisierung der Archivgüter. Teilweise weiss die Museumsleitung nicht einmal, was in ihren Depots lagert. Weitere Defizite weist die Analyse in den Bereichen Bildung und Vermittlung, Buchhaltung sowie Kommunikation nach.

Die nötigen Massnahmen wollten die Verantwortlichen nicht mit einem Preisschild versehen. Vielmehr soll die Museumsleitung prüfen, wie die Weichen für die Zukunft auch kostenneutral neu gestellt werden können. Heisst konkret: Sparen ist angesagt.

Museum will Schliessung unbedingt verhindern

Als eine mögliche Sparmassnahme nennt die Analyse die Schliessung des Musikmuseums, neben Barfüsserkirche und Haus zum Kirschgarten einer von drei HMB-Standorten. Die Regierung will die Massnahme prüfen, sobald die neue Strategie vorliegt. Fehlmann stellte aber klar, dass er dieses Szenario unbedingt verhindern will – allenfalls mit weiteren Drittmitteln.

In den kommenden Jahren werden alle fünf staatlichen Museen auf Herz und Nieren geprüft. Nun liegen die Analysen von Kunstmuseum und HMB vor. Als nächstes ist das Museum der Kulturen an der Reihe. Als letztes folgen, abgestimmt auf die geplanten Standortwechsel, das Naturhistorische Museum und das Antikenmuseum.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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