Das Basler Biozentrum mit der um Jahre verspäteten Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg zu vergleichen, wäre übertrieben. Doch der Wurm ist auch bei dem auf 330 Millionen Franken veranschlagten Uni-Neubau definitiv drin. Und das ausgerechnet beim ersten Projekt, das die beiden Basel als Eigentümer der Universität gemeinsam finanzieren.

Bereits zwei Mal musste der Eröffnungstermin verschoben werden; nach aktuellem Stand kann der Lehrbetrieb im Herbstsemester 2019 aufgenommen werden. Im 1. Quartal 2019 sollen die 550 Mitarbeiter und 800 Studenten den 73 Meter hohen Turm auf dem Schällemätteli schrittweise beziehen. Zwei Jahre später als geplant.

Problem auch bei Brandschutz

Gemäss Recherchen der bz führen die anhaltenden Probleme auf der Baustelle zu Mehrkosten. Die Rede ist von 20 Millionen Franken. Vom federführenden Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) wird diese Zahl nicht bestätigt, doch räumt BVD-Sprecherin Nicole Stocker auf Anfrage ein: Prognostiziert werde aktuell eine Überschreitung im «einstelligen Prozentbereich». Bei Gesamtkosten von 330 Millionen wären dies bis zu 30 Millionen. Dass das Biozentrum teurer wird als geplant, ist neu: Als das BVD im vergangenen Juli «gravierende Mängel» bei der Sanitärplanung bekannt gab und auf erneute Verzögerungen hinwies, war von höheren Kosten nicht die Rede.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? «Die terminlichen und finanziellen Auswirkungen der fehlerhaften Sanitärarbeiten sind grösser als bisher angenommen», räumt Stocker ein. Hinzu kommt ein weiterer - bisher öffentlich nicht kommunizierter - Schadensfall: Beim Brandschutz habe das beauftragte Unternehmen im vergangenen Herbst einen Grossteil der Arbeiten mangelhaft ausgeführt. Zwar wurde die Firma umgehend ausgewechselt. Trotzdem gestalte sich die Behebung der Mängel kurz vor Fertigstellung des Biozentrums als «äusserst anspruchsvoll», sagt Stocker. Kenner sprechen von schlechter Stimmung und offenen Rechnungen im Geflecht zwischen Bauleitung, Generalunternehmen und Subakkordanten. Im Hintergrund sind die Versicherungen und Juristen am Werk.

Frust bei der Uni

Wie die bz weiss, ist man bei der Uni alles andere als «amused». Sie ist zwar künftige Eigentümerin und Nutzerin des Gebäudes, somit Hauptbetroffene der Verzögerungen. Sie ist aber nicht Bauherrin, kann also bei den laufenden Arbeiten nicht mitreden. Das gewählte Modell fürs Baumanagement wird denn auch von FDP-Landrat Christof Hiltmann kritisiert: Beim Neubau des Biozentrums treten nach altem Muster die Kantone als Bauherren auf, wobei das Hochbauamt des Basler BVD die Projektleitung und die Bautreuhandschaft übernommen hat. «Das ist unglücklich. Es wäre besser gewesen, die beiden Eignerkantone hätten eine neutrale Stelle mit der Projektleitung beauftragt», findet Hiltmann. Er ist als Mitglied der landrätlichen Finanzkommission vor Auffahrt rudimentär über die Probleme informiert worden.

Damit sei nicht gesagt, dass das BVD eine Mitschuld an den Mehrkosten treffe, fügt Hiltmann an. Bei der Uni war über die Auffahrtsfeiertage keine Stellungnahme hierzu zu haben. Der Baselbieter SVP-Chef Oskar Kämpfer reagiert irritiert auf die Mehrkosten: Wenn die Mängel bei Sanitärplanung und Brandschutz tatsächlich so gravierend sind, dann wären das Versicherungsfälle. «Ergo müssten die Kantone als Bauherren auch keine Mehrkosten ausweisen», folgert Kämpfer und fügt an: «Es sei denn, die Probleme wären nicht korrekt dokumentiert.»

Zu den Baumängeln und möglichen Folgekosten beim Biozentrum-Neubau ist noch vieles unklar. Von einem Schlamassel darf man freilich schon jetzt sprechen.