Badischer Bahnhof
Zu teuer. «Vergoldetes» Veloparking gefährdet das Erlenmatttram

Gegen das geplante hochmoderne Veloparking am Badischen Bahnhof, welches 1200 Velos Platz bieten soll, regt sich Widerstand in Politik und Gesellschaft. Es kostet zu viel. Daher wäre ein weiteres Grossprojekt, das Erlenmatttram, gefährdet.

Moritz Kaufmann
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Kein Platz für Velos: der neue Vorplatz beim Badischen Bahnhof.

Kein Platz für Velos: der neue Vorplatz beim Badischen Bahnhof.

Zur Verfügung gestellt

Futuristisch soll das Veloparking beim Badischen Bahnhof werden. Unter der Schalterhalle werden die Drahtesel in Boxen verstaut und von Robotern tief unter die Erde verfrachtet. Das soll Platz für 1200 Velos schaffen - so die Pläne der Basler Regierung. Rechnet man den Planungskredit mit ein, kostet das Projekt 12 Millionen Franken.

Das ist vielen Bürgerlichen zu viel. «Ich war schockiert über die Kosten», sagt LDP-Grossrat Heiner Vischer. Seine Partei hat heute in einer Mitteilung bereits mit dem Referendum gegen das «vergoldete» Veloparking gedroht.

Es gehe ihm nicht darum, Veloparkplätze zu verhindern, betont Vischer, denn diese seien notwendig. «Die Velos stehen kreuz und quer herum.» Aber: «Die Kosten für dieses Parking sind unverhältnismässig hoch.» Er ist ausserdem nicht davon überzeugt, dass es überhaupt 1200 Veloabstellplätze braucht.

Auch CVP-Grossrat Remo Gallacchi machen die Kosten des Projekts skeptisch. «12 Millionen sind einfach zu teuer», sagt er.

Tram und Velos gehören zusammen

Gallacchi - der mit Heiner Vischer in der Umwelt-, Verkehrs- und Energiekomission (UVEK) sitzt - stört sich aber noch an etwas ganz anderem: Seiner Meinung nach wurde falsch geplant. «Für mich gehören das Veloparking und das Erlenmatttram zusammen.»

Das Erlenmatttram ist ein weiteres Grossprojekt der Basler Regierung . Für 75,5 Millionen Franken sollen bis 2016 die Tramgleise vom Badischen Bahnhof via die Erlenmatt bis zum Riehenring verlängert werde. Das hat zur Folge, dass der Vorplatz des Badischen Bahnhofs ohnehin umgestaltet werden muss. «Das gibt ein Reisenpuff«, glaubt Gallacchi.

Deshalb hätte er erwartet, dass der Kanton ein kombiniertes Projekt vorlegt, welches die neue Tramstrecke, die Umgestaltung des Bahnhof-Vorplatzes sowie das Veloparking in sich vereint. Gallacchi sagt, dass er in der UVEK nicht der Einzige ist, der so denkt. Und er kündet Widerstand an: «Ich werde in der Kommission Nein zum Kredit für das Erlenmatttram stimmen.» Er will erreichen, dass die Regierung einen Ratschlag mit dem Tram und dem Parking erarbeitet.

«Unzählige Varianten geprüft»

Martina Münch, Leiterin der Abteilung Gestaltung Stadtraum Verkehr beim Basler Planungsamt, kontert die Kritik: «Wir haben unzählige Varianten für die 1200 Veloparkplätze geprüft, die wir schaffen müssen», sagt sie.

Pro Velo werde das vorgeschlagene Parking nicht mehr Kosten, als etwa das beim Bahnhof SBB. Und sie hält fest: «Das Veloparking und das Erlenmatttram wurden selbstverständlich miteinander koordiniert.» Da es sich aber um zwei unterschiedliche Dinge handle, wurden sie für die politische Debatte auseinander genommen.

Unterstützung erhält Münch von SP-Grossrat und UVEK-Mitglied Jörg Vitelli: «Die Tramgegner benutzen nun das Veloparking als Argument.» Er ist überzeugt, dass das Parking und das Tram notwendige Investitionen für die Zukunft sind. «Das erhält man nicht zum halben Preis.»