Anna Schmid und Jacques Herzog: Beide haben Mühe, ihr Temperament unter Kontrolle zu halten. Während der Bauzeit des neuen Museums der Kulturen Basel prallten sie aufeinander. Museumsdirektorin Schmid kritisierte den Neubau der Architekten Herzog & de Meuron: Die vor dem Eingang hängenden Pflanzen bezeichnete sie als überflüssige Dekoration und Symbol eines veralteten Museumsverständnisses. Herzog will damit den Eingang zur Welt der «Naturvölker» symbolisieren. Diese präsentiert das Museum jedoch nicht mehr.

An der Ausstellungseröffnung rächte sich Herzog für die Kritik an seinem Werk: Er zog über die Arbeit der neuen Direktorin her. Den Umgang mit «seinen» Räumen bezeichnete er als hilflos. Die Ausstellung passe nicht zur Architektur. Die beiden Streithähne haben aus der Auseinandersetzung gelernt. Sie vermeiden es nun, Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen.

Das aktuelle Problem: In den neuen Räumen ist die Akustik miserabel, vor allem in der Halle unter dem künstlerischen Zickzackdach der Stararchitekten. Die Nachhallzeit beträgt sieben bis neun Sekunden. Dieser Wert ist etwa doppelt so hoch wie geplant. Die Basler Regierung beantragt beim Grossen Rat deshalb einen Kredit von 1,6 Millionen Franken, unter anderem für Akustikwände und Kopfhörer.

Herzog reagiert sofort auf eine Anfrage der «Schweiz am Sonntag»: Er meldet sich bei Schmid, um die Kommunikation abzusprechen. Sie einigen sich auf folgende Sprachregelung: «Wir haben damals einvernehmlich entschieden, dass wir die aufwendigen Baumassnahmen dazu nicht durchführen.» Gemeint sind Massnahmen für eine angenehme Akustik. Diese quasi als Garantiearbeit einfordern, kann das Museum nicht. Entsprechende Verträge wurden nicht gemacht. Nicht einmal ein Termin für die Bauabgabe wurde verbindlich vereinbart.

Schmid sagt, es handle sich nicht um ein Versäumnis der Planung. Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur des Basler Präsidialdepartements, drückt sich anders aus: «Die Akustik hätte man architektonisch vermutlich besser berücksichtigen sollen.» Das Lärmproblem mache es schwierig, mündlichen Führungen zu folgen, besonders wenn wenig Leute im Museum sind. Er erinnert sich an einen Museumsbesuch mit seiner Nichte an einem Sonntagmorgen: «Das war tatsächlich beklemmend.»

Es ist nicht das erste Mal, dass das Museum der Kulturen teurer als gedacht wird. Die budgetierten Kosten für den Neubau von 12,4 Millionen Franken erhöhten sich während der Planung um 2,3 Millionen. Der Kantonsbeitrag von drei Millionen wurde um 1,4 Millionen aufgestockt. Hinzu kamen Kosten für die Wiedereröffnung: Der Kanton zahlte für die Einrichtung 3,8 Millionen Franken. Diese soll nun für 1,6 Millionen nachgebessert werden.

Das Problem mit dem Hall ist besonders ausgeprägt, da dieser kaum von Menschen gedämpft wird. Um dem Parlament die Kosten für die Wiedereröffnung schmackhaft zu machen, kündete die Regierung ein grosses Ziel an: «Im Schnitt werden über 100 000 Besucher pro Jahr angestrebt.» Bisher registrierte das Museum der Kulturen jedoch nicht mehr Besucher als vor dem Umbau. Im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung waren es 60 000 Besucher. Das entspricht exakt dem Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2008. Dieses Jahr ist nur mit einem geringen Anstieg zu rechnen. Der aktuelle Stand: 43 000 Eintritte.

Kulturchef Bischof korrigiert das Ziel auf Anfrage: Es besteht nicht mehr aus «über 100 000», sondern «80 000 bis 100 000» Gästen pro Jahr. Immerhin seien die Reaktionen auf das neue Konzept nicht mehr mehrheitlich negativ, sondern zunehmend positiv. Das Museum verhandelt mit der Stadtbildkommission, um die Beschilderung zu verbessern.

Auch der umstrittene Pflanzenvorhang gedeiht nicht wie geplant. Gemäss den Vorstellungen von Herzog & de Meuron hätten die Kletterpflanzen die Wand überwuchern sollen. Das Grün vermehrt sich jedoch nur zögerlich. An einigen Stellen wurde es braun.