Die Stadt ist voller B’s. Telebasel verkündet es auf Twitter, per Facebook und 540 Mal von Littfasssäulen und Wänden: «B.» Es ist das neue Logo des Lokalsenders, Herzstück seines neuen Corporate Designs. Auf den Plakaten lächelt die eine oder andere Moderatorin aus dem bauchigen Buchstaben heraus. Die Parole dazu lautet: Alles neu bei Telebasel!

Doch einige Filmfreunde haben ein Déjà-vu. Allen voran die Leiter des jährlichen Basler Filmfestivals Bildrausch. Ein grosses B, in Kombination mit wechselnden Bildern, ist nämlich seit Anbeginn, seit 2011, ihr Festival-Logo. Nun befürchtet das Bildrausch-Team, dass die neue B-Flut die eigenen B’s in den Schatten stellt. «Ich bin schon von mehreren Leuten auf die starke Ähnlichkeit mit unseren Plakaten angesprochen worden», sagt die Co-Leiterin von Bildrausch und Direktorin des Stadtkinos, Nicole Reinhard.

«Führt zu Verwechslungen»

Das hässliche Wort «abgekupfert» nimmt niemand in den Mund. Aber der Schöpfer des Bildrausch-B’s, Grafiker Ludovic Balland, spricht von «einer frappanten Ähnlichkeit». Beide B’s seien gleich gross, hätten eine «offene Innenform» und trügen ein Bild. «Das führt zu Verwechslungen und schadet der Wiedererkennung.» Der Grafiker des Telebasel-B’s habe «bewusst oder unbewusst etwas Ähnliches gemacht». Es gehöre aber zum professionellen Vorgehen, sich zu informieren, was bereits existiere – wenigstens im Raum Basel. «Man muss wissen, was die Nachbarn tun. Ein Designer hat die Verantwortung, auf neue Lösungen zu kommen.»

«Ein B ist ein B»

Bildrausch? Er habe das Filmfestival überhaupt nicht auf dem Schirm, beteuert Telebasel-CEO Dominik Prétôt, der das Logo mit ausgewählt hat. Er höre zum ersten Mal von diesem Vorwurf. Hinter der B-Form des Telebasel-Logos stünden ganz andere Überlegungen; unter anderem, dass «zwei Baslerstäbe zusammenkommen.»

Auch der Grafiker Jan Schmocker von der Agentur nekointeractive, die das B gestaltet hat, betont: «Das ist reiner Zufall!» Ein Element, in diesem Fall ein Buchstabe, werde hier als Zeichen eingesetzt. Es gebe in der Plakatgeschichte viele ähnliche Beispiele. Mit Grossbuchstaben zu arbeiten, sei ein häufiges Phänomen. «Ein B ist ein B.» Hinzu komme, dass das Bildrausch-B unten in ein R münde und das Foto nicht im Buchstaben selber, sondern dahinter eingesetzt werde. Nicht zuletzt hätten Balland und er dieselbe Schule in Basel besucht, seien von denselben Lehrern beeinflusst worden.

Könnte das Bildrausch-Team – es hegt keinerlei solche Absichten! – nun theoretisch vor Gericht klagen? Davon abraten würde der Basler Anwalt Stephan Frey, ein Markenrecht-Spezialist. Die gemeinsame Grundidee – Bilder mit Buchstaben – sei zu allgemein. Und ausserdem stehe ein einfaches B einem «B plus R» gegenüber. Noch schwieriger mache die Sache, dass Bildrausch sein Logo nicht im Markenschutzregister eingetragen hat. «Das wäre sehr zu empfehlen», sagt Frey, «und kostet nur 550 Franken für zehn Jahre.» Wenn ein Logo nicht offiziell geschützt ist, könne eine Partei sich noch auf «unlauteren Wettbewerb» berufen. Aber so ein Prozess gehe «schnell ins Geld».

Die bz hat die beiden Logos neben dem Juristen auch einem Markenentwickler vorgelegt. Oliver Mayer vom Tatin Design Studio in Basel kommt zu einem ähnlichen Schluss: «Es sind zwei eigenständige Ideen, deren formale Verwandtschaft nicht von der Hand zu weisen ist», sagt er. Für Mayer ist wichtig, wie nah sich die «Produkte», die da werben, sind. Wären beide Fernsehsender, müsste man die Sache mit anderen Augen ansehen. Doch Bildrausch und Telebasel seien «zu weit auseinander». Er kenne Jan Schmocker, sagt Oliver Mayer: «Er ist kein Designer, der sich bei den Ideen anderer bedient, sondern einer, der eine Lösung aus einem Design-Prozess heraus findet. Für ihn würde ich die Hand ins Feuer legen.»