Andreas Finke, Leiter der Agentur für Arbeit Lörrach, sieht grosse Probleme auf die trinationale Region Basel zukommen: «Es herrscht Vollbeschäftigung. Angebot und Nachfrage funktionieren nicht mehr. Wir laufen Gefahr, bald gar keinen Arbeitsmarkt mehr zu haben», warnt er. Wir hätten ein grosses, massives Problem. «Bald gibt es nicht mehr genügend Fachkräfte und irgendwann sind die Unternehmen nicht mehr in der Lage, den Betrieb aufrechtzuerhalten.» Folge: Sie machen dicht oder sie ziehen woanders hin.

Finke hat einen interessanten Aussenblick auf das Dreiland. Der gebürtige Norddeutsche ist erst im Juni in die Region gekommen. Vorher war er im ostdeutschen Dresden tätig und das ist eine andere Welt. Vielleicht noch interessanter: Bis vor dreieinhalb Jahren arbeitete Finke als CEO, war also Unternehmer.

Er äusserte sich letzte Woche im Rahmen einer Veranstaltung der Regio Trirhena zu Herausforderungen und Perspektiven des grenzüberschreitenden Arbeitsmarkts. Die Zahlen, die er präsentierte, waren eindrücklich. So gibt es in den beiden Landkreisen Lörrach und Waldshut seit 2006 16 Prozent mehr Jobs. Dies wohlgemerkt ohne die Grenzgänger, die sogar um 37 Prozent zulegten. Da verwundert es kaum, dass es immer schwieriger wird, in den beiden Landkreisen eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Teure Lörracher Gastronomie

Aufgefallen sind Finke auch die im Vergleich zu Dresden exorbitanten Preise in der Lörracher Gastronomie. Das gehe nicht so weiter, ohne dass die Gewinne in Form von höheren Löhnen auch an die Beschäftigten weitergegeben werden.

Ein Problem in der Gastronomie sind fehlende Köche. «Weil die Gastronomen überzeugt sind, dass es sowieso keine Köche auf dem Markt gibt, melden sie uns nur ein Drittel der offenen Stellen.» Arbeitskräfte aus Drittländern, also von ausserhalb der EU, dürfen nur in Mangelberufen in Deutschland arbeiten. Da beisst sich die Katze in den Schwanz: Weil zu wenig offene Stellen gemeldet sind, gilt Koch in Deutschland nicht als Mangelberuf, obwohl er das de facto ist.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass der Arbeitsmarkt im Dreiland mit einer Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent auch in Bezug auf das Elsass nicht funktioniert. Dafür gibt es mehrere Gründe: Viele Elsässer sprechen kein Deutsch und auch keinen Dialekt mehr und insbesondere die Jobs in der Schweiz sind anspruchsvoller geworden. «Es gibt weniger einfache Tätigkeiten, bei denen man sich mit wenig Sprachkenntnissen behelfen kann», sagte Stéphane Cheref, beim südelsässischen Zweckverband Saint-Louis Agglomération Alsace 3 Frontières für Arbeitsplätze und Ausbildung zuständig.

Aline Schirm-Marzolf, CEO der Schweizer KMU Taracell und selber Elsässerin, ging hart mit Frankreich ins Gericht. «Zwei oder drei Prozent der elsässischen Arbeitslosenquote sind auf das französische Bildungssystem zurückzuführen.» So sei ein Ingenieur mit einer fünfjährigen Universitätsausbildung für manche praktische Aufgaben nicht zu gebrauchen.

Elsässer Lehrlinge zu kurz ausgebildet

Kommt hinzu, dass die Lehrlingsausbildung im Betrieb in Frankreich so gut wie nicht existiert und die Lehrlinge zwei Jahre lang in einer Schule bis zum CAP (Certificat d'aptitude professionelle) ausgebildet werden. Gegenüber der Schweiz und Deutschland fehlen ihnen also ein oder zwei Jahre. Schirm-Marzolf regte an, dass die Elsässer ihre Ausbildung in Deutschland oder der Schweiz beenden.

Deutlich wurde auf der Podiumsdiskussion auch, dass die elsässischen Politiker das Sprachproblem seit langem erkannt haben. So wird viel in bilinguale Kindergärten und Primarschulen investiert. Bis die ersten Schüler diese Ausbildungsgänge in grösserer Zahl durchlaufen haben, dürften aber noch zehn Jahre vergehen.

Die Grenzgängerströme verlaufen aus dem Südelsass weiterhin vor allem in die Region Basel und nicht nach Deutschland. «Die Schweiz bleibt für die meisten Elsässer das Eldorado», betonte Cheref. Für manche Deutschen, die in Pflegeberufen tätig sind, ändert sich das anscheinend. So ist Finke aufgefallen, dass sie zurück nach Deutschland gehen. «Es gibt mehr Ferien, die Sozialleistungen sind besser und die Kitas billiger», berichtete er.