Besser spät als nie. Das Bonmot ist in diesem Fall angebracht. Das Basler Präsidialdepartement hat die Betriebsanalyse zum Kunstmuseum vorgelegt. In Auftrag gegeben wurde sie im November 2017, 19 Monate nach der Eröffnung des Erweiterungsbaus. Dass dieser realisiert wird, war bereits 2010 klar (siehe Chronik). Der damalige Stadtpräsident Guy Morin und der Präsident der Stiftung für das Kunstmuseum, Markus Altwegg, hatten ein Jahr vor der Eröffnung ein Finanzierungskonzept für den Betrieb vorgelegt.

Ein Jahr nach seinem Antritt schlug der neue Museumsdirektor Josef Helfenstein Alarm. Das erweiterte Museum sei stark unterfinanziert. «Es wird ziemlich schnell schwierig, wenn wir das Problem nicht lösen.» Die Stadt verhinderte den Gau mit einer Notspritze in der Höhe von stattlichen 925 000 Franken - und gab endlich eine neue Betriebsanalyse in Auftrag.
Helfenstein und Sonja Kuhn, die Co-Leiterin der Abteilung Kultur, bemühten sich bei der Präsentation der Betriebsanalyse am Freitag um moderate Worte für die Mängel, welche diese zutage bringt.

Es braucht 2 Millionen mehr

Zwei Tatsachen stehen im Zentrum des Papiers, das die Beratungsfirma KMPG erstellt hat: Die dringend nötige Neuorganisation und die damit verbundene Aufstockung des Personals kosten künftig zwei Millionen Franken mehr pro Jahr. Dies nachdem die Stadt ihren jährlichen Beitrag bereits vor der Eröffnung des Erweiterungsbaus um 2,3 Millionen erhöht hat.
Dass das neue Museum, will es denn seiner internationalen Reputation gerecht werden, mehr Mittel braucht, war absehbar. Der Grund dafür, und das ist die zweite Kernaussage des Berichts, ist aber nicht der Erweiterungsbau. Dieser sei nicht Ursache des vorliegenden Kostenproblems, sondern ein Katalysator, der ein Kosten- und Organisationsproblem sichtbar gemacht habe.

De facto bedeutet dies, dass das Museum bereits vor dem Antritt Helfensteins im Frühjahr 2016 über mangelhafte Strukturen verfügte. Die Autoren der Analyse formulieren es so: «Jede Organisation verfügt neben normalen auch über informelle Strukturen. Diese basieren auf Erfahrung, eingespielten Routinen sowie persönlichen Beziehungen.» Im Kunstmuseum Basel seien diese informellen Strukturen sehr hoch. Es fehlt laut Analyse ein formales Betriebskonzept, es gibt wenig dokumentierte Prozesse und der künstlerische Bereich sei mit dem kaufmännischen nur wenig verzahnt. Was ist schiefgelaufen? Kuhn: «Wir wollen nun nach vorne schauen.»

Die Führungsstruktur ist weg

Hinzu kommt, dass mit einer Ballung personeller Wechsel die Protagonisten des oben beschriebenen informellen Systems verschwunden sind: Philippe Bischof beim Präsidialdepartement, Guy Morin bei der Regierung, Bernhard Mendes Bürgi als Museumsdirektor. Im Museum selbst haben in den letzten zwei Jahren die stellvertretende Direktorin, der kaufmännische Leiter, die Leitung des Personaldienstes sowie der Finanzleiter den Betrieb verlassen.

Damit standen Direktor Helfenstein und sein Team vor einem massiven Problem: Da die Strukturen nicht klar festgeschrieben waren, stand das Museum plötzlich ohne tragende Organisation da. Die Analyse betont denn auch, dass Helfenstein und sein Team in dieser schwierigen Situation eine beachtliche Leistung vollbringen.

Schlechtes Zeugnis

Der Bericht hält weiter fest, dass weder eine Vollkostenrechnung noch ein Businessplan existieren. Die Erweiterung habe zudem zu höheren Fixkosten geführt, die auch mit den hervorragenden Besucherzahlen aus dem Jahr 2017 nicht gedeckt werden können.

Unter dem Strich hätten, so die Autoren der Analyse, alle involvierten Parteien die Chance auf eine fundierte Evaluation des neuen Museums vertan. Das ist kein gutes Zeugnis für das Präsidialamt. Die Lösung sieht dieses nun in einer Vorwärtsstrategie, die dem Museum nachhaltig auf die Beine helfen soll. Mit den zwei Millionen Franken soll vor allem mehr Personal angestellt werden können, insgesamt 18 Stellen. Darunter auch neue Leitungsposten.