Es ist kurz vor Mittag und die Autos brausen Richtung Spalentor die Strasse hinauf, vorbei an einem kleinen aber auffälligen Haus. Dort hängt jetzt der Duft von Gekochtem in der Luft. Ein Küchenteam schmeckt das Essen ab und bringt Stühle nach draussen. Heute gibt es Bulgur mit einer Kürbis-Gemüse-Sauce. Salat und Tee stehen auf dem Buffet bereit. An der Wand machen zwei Holzschilder auf die Spielregeln aufmerksam: Bezahlt wird auf Kollekte, der Richtwert ist fünf Franken. Und das Geschirr soll jeder selber abwaschen.

Diese Szene spielt sich nicht in einem offiziellen Quartiertreffpunkt ab, sondern in einem besetzten Haus an der Schanzenstrasse. Früher war hier das Wartehäuschen der BVB, danach ein mexikanischer Imbiss, zwei Jahre stand es leer. Anfang September hat eine Gruppe junger Erwachsener das leerstehende Häuschen besetzt. Jetzt passiert dort vor allem eines: Es wird täglich für einen Mittagstisch gekocht.

Durchschnittlich dreissig Personen essen hier am Tag. Am Eingang ist eine Tafel aufgestellt: Hier kann sich einschreiben, wer selbst kochen will. Gerade wird auf das letzte freie Feld ein Name gekritzelt. Manche kochen regelmässig, andere nur einmal. Geplant wird nie weit voraus. Ein Grundstock an Lebensmitteln wird organisiert, den Rest kaufen die Küchenteams ein. Aus dem Erlös der Kollekte werden ihre Ausgaben gedeckt. Bleibt ein Gewinn, fliesst dieser ins Projekt.

Ein Putzplan wie zu Hause

Einige Studenten der nahe gelegenen Uni Basel besuchen den Mittagstisch. «Das Essen in der Mensa ist zwar nicht so teuer, jedoch ist es hier viel gemütlicher», sagt einer von ihnen. Aber das Publikum besteht nicht nur aus Studenten, auch Anwohner aus dem Quartier schauen vorbei. Sie wurden von den Besetzern zu Beginn informiert — einige haben ihnen Willkommensgeschenke mitgebracht. Zweimal sei die Polizei vorbeigekommen. «Wir probieren, auf die Leute, die vorbeikommen, zuzugehen. Viele sind interessiert an einem Gespräch und wollen wissen, was hier läuft. Die meisten finden es schön, dass hier wieder etwas passiert», sagt Margarethe Träubel*.

Auch wenn hier übergeordnete Gesetze missachtet werden, ganz ohne Regeln funktioniert es nicht. «Der Umgang in der Küche wird wie zu Hause gehandhabt. Zum Beispiel will jede und jeder die Küche aufgeräumt betreten, also verlässt er sie auch erst, wenn das Geschirr fertig abgewaschen und der Boden aufgenommen ist», erklärt Träubel. Striktes Rauchverbot herrsche in der Küche. Die Aktivisten wollen in diesem Rahmen Überzeugungen umsetzen und vorleben. Ein Thema ist das Wegwerfen von Lebensmitteln. «Es gibt Gemüsehändler und andere Sympathisanten, die Lebensmittel vorbeibringen, die sie nicht mehr brauchen können», erklärt der Aktivist Klaus Koch*. «Das ist nicht ungesund oder gefährlich, es ist halt zum Beispiel einfach eine schrumpelige Zucchetti, die nicht mehr gekauft wird.»

Neben dem Mittagstisch findet einmal monatlich ein Sonntagsbrunch statt. Einige Male war das Häuschen auch abends belebt, doch das solle nicht zu häufig vorkommen. Miete bezahlen sie nicht. Und auch für Strom und Wasser kommen die Besetzer nicht auf. Wenn es nach ihnen ginge, könnte sich das ändern. Zu Beginn haben sie sich schriftlich bei der Besitzerin Immobilien Basel-Stadt und der Bürgergemeinde gemeldet und Offenheit für Gespräche bekundet. Eine Rückmeldung hätten sie daraufhin nicht erhalten. «Ich glaube, solange kein Ärger von uns ausgeht, gibt es keinen Grund dazu», sagt Koch. «Die Bereitschaft für einen Austausch wäre da.» Auch für Strom und Wasser könnten sie aufkommen.

Keine Zwischennutzung möglich

Immobilien Basel-Stadt bestätigt, dass man in Form eines anonymen Flugblatts informiert worden sei, dass das Wartehäuschen besetzt ist. Gespräche hätten keine stattgefunden. «Bis anhin hat Immobilien Basel-Stadt keinen Strafantrag gestellt, wir beobachten aber die Situation und entscheiden fortlaufend über das weitere Vorgehen», sagt Sprecherin Barbara Neidhart. Eine Zwischennutzung sei nicht mehr möglich, da das Wartehäuschen im Frühling abgebrochen wird. Die Universität Basel baut dort den Campus Schällemätteli, ein Zentrum für die Life Sciences. Erster Baustein wird der Neubau des Biozentrums.

Für die Besetzer der farbigen Hütte ist klar, dass sie so lange bleiben werden wie möglich. «Aufgrund der fehlenden Kommunikation wissen wir noch nichts über den Ablauf des Abrisses», sagt Koch. Deshalb nutzen sie den Raum weiter. Von Tag zu Tag. «Die Idee des Mittagstisches ist nicht an den Ort gebunden. Wir sind auf diesen Raum gestossen, und darum hat sich das Projekt entwickelt. Wir werden sicher versuchen, den Mittagstisch nach einem allfälligen Abriss weiter zu ermöglichen.»

*Namen geändert