«Eine Kooperation der Wirtschaftsstandorte Basel und Zürich wäre sinnvoll», ist Bruno Sauter überzeugt. Für den Leiter des Amts für Arbeit und Wirtschaft des Kantons Zürich sind die Städte keine Konkurrenz.

Vielmehr würden sie sich ideal ergänzen: Basel habe die Life Science und die Rheinhäfen, Zürich den Finanzsektor und einen internationalen Flughafen. Ausserdem lägen die beiden Wirtschaftsräume sehr nahe beieinander. Das zeigten die vielen Pendler von Basel nach Zürich und umgekehrt.

Aus der Zeitung hat Franz Saladin von der Standortpromotion Basel Area von den Avancen aus Zürich erfahren. Die Liebesgrüsse kamen im vergangenen Herbst vom Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker.

Gemeinsame Vermarktung – Erste Gespräche

Der Stiftungsratspräsident der Vermarktungsorganisation Greater Zurich Area (GZA) strebt eine engere Zusammenarbeit mit der Basler Konkurrenz an. Seine Vision: der Zusammenschluss der Organisationen, die dann gemeinsam den Wirtschaftsraum Zürich/Basel vermarkten könnten.

Gleich von einer Fusion will Bruno Sauter nicht sprechen. Ohnehin stehe die GZA nun erst mal vor einer Reorganisation. Der Fokus soll verstärkt auf die Ansiedlung von Firmen gelegt werden. Immerhin gingen die Wellen bei den Zürchern in den vergangenen Monaten hoch.

Ende Oktober ist der Aargau aus der GZA ausgetreten. Diese will den «Wirtschaftsraum Zürich» von Solothurn bis Graubünden im Ausland vermarkten. Doch letztlich geht es den zahlenden Kantonen vorab darum, neue Firmen in den eigenen Kanton zu holen. Für den Aargau aber ging die Rechnung nicht auf. Aber Stocker glaubt, dass eine Fusion mit Basel Area es auch dem Aargau erleichtern würde, wieder mitzumachen.

Es hätten nun bereits erste Gespräche über mögliche Kooperationen stattgefunden, sagt Sauter. «Wenn sich die Westschweiz mit dem Kanton Bern zu einer gemeinsamen Standortpromotion zusammenschliesst, macht man sich natürlich Gedanken, was das für die übrige Deutschschweiz heisst.»

Konkret gehe es bei den Gesprächen darum, den Wirtschaftsraum Basel-Aargau-Zürich im Ausland so bekannt zu machen, dass internationale Firmen verstärkt angelockt und Arbeitsplätze geschaffen werden können. «Es gilt, Kräfte zu bündeln und Kosten zu optimieren», führt Sauter aus. Noch aber sei man erst an ersten Vorgesprächen, an einer Auslegeordnung. «Die Basler signalisieren bisher aber durchaus Interesse.»

Nationaler Auftritt?

Basel-Area-Geschäftsführer Saladin bestätigt die Gespräche, gibt sich aber noch zurückhaltend. Eine Kooperation mit dem Wirtschaftsraum Zürich sei sicher nicht von vornherein ausgeschlossen. Doch: «Bei einem so grossen Gebiet vom Jura bis Graubünden würde sich die Frage stellen, ob nicht gleich ein nationaler Auftritt richtig wäre.»

Ein solcher hingegen würde sich nicht ohne Schwierigkeiten gestalten: «Letztlich besteht zwischen den Kantonen und Regionen natürlich eine Konkurrenz», ist sich Saladin bewusst. Jeder wolle Firmen und Arbeitsplätze möglichst bei sich ansiedeln. 26 konkurrierende Kantone wären unter einen Hut zu bringen

Klar aber ist für Saladin: «Wir treiben die Gespräche mit Zürich sicher nicht von uns aus weiter an.» Erst müssten hierzu klare Signale seitens der Trägerschaft kommen. Und das sei bisher noch nicht der Fall gewesen.

«Unsere Konkurrenz ist Boston oder Schanghai, nicht Zürich»

Zu den Trägern von Basel Area gehören die beiden Basler Kantone sowie verschiedene Wirtschaftsverbände. Auch hier sind vorab diplomatische Stimmen zu hören: «Noch ist völlig offen, wohin die Gespräche führen könnten. Von einer Fusion mit der GZA kann sicher noch keine Rede sein», sagt etwa Hansjürg Dolder.

Doch auch der Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt hält eine Kooperation nicht für völlig abwegig. «Aus unserer Sicht ist nicht Zürich unsere Konkurrenz, sondern Boston oder Schanghai», erklärt er. Zudem seien Basel und Zürich im internationalen Standortwettbewerb doch sehr klein - sogar zusammen.

Das sieht Andreas Burckhardt ähnlich. Für den Direktor der Handelskammer beider Basel ist es denn auch grundsätzlich richtig, dass Gespräche geführt werden.

Noch aber gibt er sich zurückhaltend: «In gewissen Teilbereichen sind Basel und Zürich Konkurrenten, in anderen Bereichen ergänzen sie sich», erklärt er. «Bei jeder Lösung gäbe es denn auch Chancen und Risiken.» Allerdings ist Burckhardt der Meinung, dass sich die Schweiz wohl eher auf nationaler Ebene im Ausland zu vermarkten versuchen sollte.

Mit dieser Meinung steht Burckhardt nicht alleine da. Schon seit einiger Zeit wird die künftige Rolle der Schweizer Aussenhandelsorganisation (Osec) diskutiert, deren Tätigkeitsfeld sich regelmässig mit jenen der regionalen Organisationen überschneidet.

Eine neue Leistungsvereinbarung wird gemeinsam erarbeitet. Denn auch bei Basel Area ist man grundsätzlich der Meinung, dass die Schweiz vor allem einen starken nationalen Auftritt braucht. Noch aber ist offen, ob und wie die Regionen künftig kooperieren könnten, um ihre Kräfte zu bündeln.