«Mein Mandant ist ein komplizierter Mensch und der Umgang mit ihm ist oft schwierig. Aber auch er hat ein faires Verfahren verdient», mahnte der Verteidiger am Montag im Gerichtssaal. Sein Vorgänger hatte bereits das Handtuch geworfen, und auch er gab beim Prozessauftakt seinem Mandanten mehrmals ein Zeichen, wonach er jetzt besser die Klappe halten sollte.

Der schwierige Angeklagte ist ein 26-jähriger Mann aus Marokko, dem häusliche Gewalt gegenüber seiner Ehefrau sowie diverse Prügeleien vorgeworfen werden. Die Staatsanwaltschaft attestiert ihm ein «hohes Mass an Intelligenz», was es ihm erlaube, die Justiz regelmässig an der Nase herumzuführen.

Tatsächlich hatte der Mann behauptet, nur einer bestimmten Berbersprache mächtig zu sein, französisch und hocharabisch spreche er nur schlecht, daher benötige er für das Verfahren einen entsprechenden Dolmetscher. Obwohl er erst seit 2009 in der Schweiz lebt, sprach er vor Gericht allerdings derart gut deutsch, dass er auch Zeugen problemlos verbal in die Zange nehmen konnte.

Polizisten bedroht

Ein gefundenes Fressen für die Verteidigung ist eine Prügelei im Juli 2012 am Kleinbasler Rheinufer zwischen der Dreirosen- und der Johanniterbrücke: Der 26-Jährige erstattete Anzeige gegen einen anderen dunkelhäutigen Mann, und dieser wurde per Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft zum Schuldigen ernannt. Durch seine Gesichtsverletzungen und einen Rippenbruch verlor er eine neu angetretene Stelle, die Einsprachefrist gegen den Strafbefehl verpasste er. Der 26-jährige hingegen erlitt bei der Prügelei keine Verletzungen – man nahm ihm ab, dass er sich bloss gewehrt habe.

Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft aber davon aus, dass er jeweils andere angreift und sich dann als Opfer darstellt. «Erst nachträglich wurde das typische Verhaltensmuster des Angeklagten erkannt», meinte Staatsanwalt Camillo Cabrera dazu gestern, und bezeichnete den damaligen Strafbefehl als «Schnellverfahren». Tatsächlich dürfen Strafbefehle eigentlich nur dann ausgestellt werden, wenn die Sachlage geklärt ist.

Nebst dem Zwischenfall am Rhein muss sich der 26-Jährige nun auch wegen einer Prügelei mit einem Mitbewohner im Februar 2013 verantworten, dazu kommt eine schwere Körperverletzung nach einem Streit im Tram im März 2013: Mit einem Kopfstoss drückte er einem anderen Mann den Schädelknochen im Bereich der Stirn ein. Massive Drohungen gegenüber Polizisten während einer schwierigen Fesselung in der Polizeiwache Kannenfeld runden das Bild ab.

Auch häusliche Gewalt ist ein Thema: Seine Frau soll er immer wieder geschlagen und bedroht haben. Er dürfte sich ihr schon längst nicht mehr nähern, tat es aber dennoch immer wieder.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren, der Verteidiger wegen der schwierigen Beweislage Freisprüche in den Hauptpunkten. Das Urteil fällt am Donnerstag.