David Schulthess lebt auf der Strasse. Im April stellte ihn seine damalige Freundin vor die Tür. Seither schläft der Kunstmaler meist unter freiem Himmel. Er zieht das Obdachlosendasein der Notschlafstelle oder einer Notwohnung vor. Die bz besuchte ihn im Sommer bei seinem Schlafplatz unter der Dreirosenbrücke, kurze Zeit danach wurde Schulthess jedoch verhaftet.

Als er wieder auf freiem Fuss war, stahlen ihm Unbekannte Pinsel, Farben und – es ist der grösste Verlust – eine Mappe mit Vorlagen und Skizzen. Nun gibt es aber gute Neuigkeiten im Leben des 55-Jährigen Baslers. Er kann einige seiner Bilder in Dornach ausstellen. Der «KunstRaumRhein» zeigt eine Auswahl seines Schaffens – morgen Samstag ist Vernissage.

Der Kontakt zur Kuratorin Dorothea Deimann sei zufällig entstanden, sagt Schulthess zur bz: «Ich war gerade daran, mit einem Bekannten meine Bilder zu verladen, einige standen auf dem Trottoir. Dorothea Deimann lief vorbei und sprach uns an. Sie sagte, diese Bilder müsse man doch zeigen. So entstand der Kontakt.»

Spiel mit Spiegelchen

Schulthess’ Malstil ist äusserst dekorativ. Auf den flächig bemalten Leinwänden baut er häufig Spiegelchen ein. «In ihnen sollen die Betrachter sich selber sehen», sagt er, «sie sollen sich immer wieder selber entdecken, wo sie es gar nicht erwartet hätten.» Die Galerie schreibt, Schulthess führe die Betrachter mit seinen Arbeiten «in kraftvolle Farblandschafen, in denen sich Eindrücke aus seinen Reisen widerspiegeln.» Inspiriert worden sei er besonders vom Besuch des Dalí-Museums in Spanien und vom Tarot-Garten von Niki de Saint Phalle in der Toskana.

Schulthess brachte sich das Malen selber bei. Schon als Kind guckte er dem Vater über die Schultern, der selber Kunstmaler war: Jörg Schulthess (er nannte sich später Jörg Schuldhess). Die Familie zog häufig um und lebte unter anderem in Israel und Italien.

Schläft noch immer Draussen

Mitte August wurde Schulthess von der Polizei abgeholt. Laut seinen Angaben war der Grund für seine Verhaftung eine viele Jahre alte, angeblich nicht bezahlte Busse. «Mein Anwalt konnte die Angelegenheit zum Glück rasch klären», sagt Schulthess. «So war ich nach drei Wochen schon wieder draussen.» Die Polizei nahm auch rund 50 Ölbilder mit, die der Maler bei sich hatte. Er erhielt sie jedoch allesamt unbeschadet zurück.

Als er sich wieder unter der Dreirosenbrücke eingerichtet hatte, kam das nächste Unheil: Diebe statteten ihm einen Besuch ab. «Das ist auch der Grund», sagt Schulthess, «weshalb ich mich dort nicht mehr wohl fühle.» Er habe nun einen anderen Schlafplatz gefunden. Wieder in Basel – wieder unter offenem Himmel.

Ausstellung «Geliebt und nicht vergessen». David Schulthess. 7. Oktober bis 4. November. KunstRaumRhein. Haus Julian. Dorneckstrasse 37, Dornach. Vernissage: Morgen Samstag, 19 Uhr. Einführung von Dr. Walter Kugler. Eintritt frei.

Weitere Infos unter: www.kunstraumrhein.ch